„Ich warte mal auf den zweiten Wahlgang“ – so hat man es auch vor der Oberbürgermeisterwahl 2020 immer wieder gehört. Viele Konstanzer glauben nicht, dass bereits in der ersten Runde eine Entscheidung fällt. Denn immerhin müsste einer der Bewerber aus dem Stand mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Bei fünf Kandidaten ist das eine ziemlich hohe Hürde. Und: Der Blick in die Vergangenheit legt ebenfalls nahe, dass die Bürger am 18. Oktober nochmals abstimmen dürfen.

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Wenn man sich die vergangenen Wahlen ansieht, ist aber auch auffällig: Das letzte Mal, dass eine Oberbürgermeisterwahl in Konstanz auf Anhieb entschieden wurde, war vor 32 Jahren. 1988 errang der damalige Amtsinhaber Horst Eickmeyer 65,6 Prozent der Stimmen, seine Herausforderin Bärbel Köhler kam auf 23,3 Prozent. Allerdings lag auch die Beteiligung bei nur 36,0 Prozent.

Seither gab es bei jeder OB-Wahl eine zweite Runde. Dabei ist oft von einem „zweiten Wahlgang“ die Rede, was aber nicht genau stimmt. Korrekterweise ist es Neuwahl, denn es können sowohl Kandidaten zurückziehen (wie 2012 gleich sieben der ursprünglich 13 Bewerber) als auch neue Bewerber ins Rennen einstiegen. Falsch ist auch die Annahme einer Stichwahl, bei der nur die beiden Bestplatzierten ins Finale kommen.

Noch etwas zeigt der Blick auf die vergangenen Oberbürgermeisterwahlen in Konstanz. Wer die erste Runde gewinnt, muss nicht unbedingt auch der nächste Oberbürgermeister sein. Vor 16 Jahren lag, für viele damals überraschend, der CDU-Herausforderer Wolfgang Vockel vor Amtsinhaber Horst Frank (Grüne). Keiner schaffte die absolute Mehrheit, in der zweiten Runde schaffte es Frank dann doch noch.

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Ähnlich haben sich auch 2012 die Mehrheitsverhältnisse noch einmal gedreht. Da führte zunächst die von einem kleineren Teil der CDU unterstützte Sabine Reiser aus Überlingen. Uli Burchardt mit dem größeren Teil der CDU im Rücken war auf Rang zwei. Nachdem einige Kandidaten ausgestiegen waren, holte er zwei Wochen nach der ersten Wahl dann doch noch den Sieg.

Freilich – jede Wahl ist anderes. Jede hat ihre eigenen Kandidaten und ihre eigenen Themen. Die politische Stimmung in der Stadt ist anders als vor acht oder 16 Jahren. So wie manche Konstanzer also sicher davon auszugehen, dass am Sonntag keine Entscheidung fällt, könnte es also auch in einer handfesten Überraschung enden. Unter anderem deshalb rufen nicht nur die Kandidaten, sondern auch der Wahlleiter zur Stimmabgabe auf.

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