Zunächst ist es eine gute Nachricht. Wenn ein Konzern den Eindruck hat, dass er mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen bei seinen Kunden – seinen Mietern – Vertrauen gewinnen muss, dann gesteht er diesen Einfluss zu. Er wirbt um sie. Und diesen Eindruck hat man, wenn man liest, wie Vonovia und Vorstandsvorsitzender Rolf Buch an der Spitze sich in der Corona-Krise um ihre Mieter bemühen wollen. Mit einem Füllhorn an Ideen: keine Räumungen, möglichst keine Mieterhöhungen, Hilfe für von Corona betroffene Mieter, erreichbare Kundendienste.

Vorerst keine Mieterhöhungen

Eine gute Nachricht für die Mieter in der Schwaketenstraße in Konstanz ist definitiv auch, dass Mieten während der Corona-Krise nicht erhöht werden sollen. Das betrifft sie direkt – das Unternehmen wird die fälligen Mieterhöhungen wegen der Modernisierung wohl um ein paar Monate verschieben.

Gefährliches Spiel

Dennoch ist das Spiel, das Vonovia spielt, gefährlich. Das Image des Konzerns hat in den vergangenen Jahren wegen mehrerer aus dem Ruder gelaufenen Modernisierungsprojekte schwer gelitten. Eines der abenteuerlichsten fand in Konstanz statt.

Ein unzuverlässiger und sprunghafter Vermieter

Die Mieter der Schwaketenstraße haben gelernt, Vonovia als unzuverlässigen und sprunghaften Vermieter zu ertragen. Als Unternehmen, das angekündigte Arbeiten zwar erledigt, aber selten so, dass Mieter mit dem Ergebnis zufrieden sind und unter Umständen, die den Mietern viel abverlangt haben.

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Warum ausgerechnet jetzt vertrauen?

Wie sollen Mieter ausgerechnet jetzt in der Corona-Krise auf Vonovia vertrauen? Wenn es Vonovia mit vollmundigen Ankündigungen jetzt übertreibt, wird das Image des Unternehmens weiter Schaden nehmen. Es hilft eben nichts, zu erklären, man sei für Mieter persönlich da – und ihnen dann eine App zur Vernetzung untereinander zu schicken. Oder zu behaupten, die Infrastruktur werde gewartet – dann aber Aufzüge monatelang in defektem Zustand zu lassen.

Opportunismus-Verdacht schadet nur noch mehr

Damit die Mieter der Schwaketenstraße wieder Vertrauen fassen, dazu bräuchte es größere Anstrengungen und weniger Versprechungen. Schon gar nicht hilfreich ist der Verdacht, der Konzern nutze die Krise, um selbst besser da zu stehen. Die Konstanzer Mieter haben über eineinhalb Jahre Misstrauen erlernt und wissen ganz genau, was leere Worte bedeuten.

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