Ein Kind des städtischen Kinderhauses am Salzberg ist mit dem Coronavirus infiziert. Bestätigt ist die Erkrankung laut dem Landratsamt Konstanz seit Samstag, dem 18. Juli. „Das Kind war zuletzt am 10. Juli in der Kita“, sagt Marlene Pellhammer, Sprecherin des Landratsamtes.

Ansteckungsrisiko sehr gering

Das Ansteckungsrisiko sei zu diesem Zeitpunkt sehr gering gewesen. Dennoch sei mittlerweile allen Eltern, deren Kinder in die gleiche Gruppe gehen, ein Corona-Test nahegelegt worden.

Bild: Eva Marie Stegmann

Deshalb bleibt die Einrichtung offen

Die Einrichtung bleibt geöffnet. Laut Sabine Haag, Abteilungsleiterin Kindertagesbetreuung bei der Stadt Konstanz, bleiben die Jungen und Mädchen aus der Gruppe des Infizierten diese Woche zu Hause. Da das Kind zuletzt am 10. Juli in der Kita gewesen sei, entspreche dies dem empfohlenen Zeitraum von zwei Wochen.

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„Wir können die Einrichtung offen halten, weil wir uns sehr strikt an die Hygiene- und Abstandsregeln gehalten haben. Für die Kinder war das zwar schwierig. Wir hatten hier vor Corona ein offenes Konzept mit vielen Begegnungen unter den Gruppen. Aber wie sich jetzt herausstellt war es der richtige Weg“, sagt die Abteilungsleiterin.

Mitarbeiter bereits getestet

Alle Mitarbeiter, die mit den Kindern Kontakt hatten, seien am gestrigen Montag auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet worden. Die Ergebnisse liegen, schätzt Sabine Haag, frühestens Mittwoch vor. Bis dahin bleiben die Mitarbeiter zu Hause. Wenn die Eltern aus der betroffenen Gruppe sich entschließen sollten, ihr Kind testen zu lassen, und der Test negativ ausfalle, dürfe es wieder in die Kita kommen.

Kinderarztsuche war offenbar schwer

Das eigene Kind in Konstanz testen zu lassen ist offenbar gar nicht so einfach. Wie mehrere Personen und Institutionen übereinstimmend berichteten, lief der Fall so ab: Der Vater des Kindes hatte eine Infektion mit Corona. Das Landratsamt hatte laut eigener Aussage einen Test bei der ganzen Familie nahegelegt. Auch bei dem Kind, das ins Kinderhaus am Salzberg geht. Die Eltern telefonierten mehrere Konstanzer Kinderärzte ab – keiner wollte den Abstrich durchführen. Das Landratsamt bestätigt, dass es letztendlich geholfen habe, eine Stelle zu finden, die das Kind testet.

Landratsamt kann Test nur nahelegen

„Das Gesundheitsamt des Landratsamtes kann einen Test nur nahelegen, der Kinderarzt entscheidet darüber, ob er gemacht wird“, erklärt Sabine Haag. Nachgefragt bei der Konstanzer Kinderärztin Christian Quarck-Kratzer, die in den genannten Fall nicht involviert war: „Ein Test bei einem Kind ist in jedem Einzelfall Ermessenssache. Die Entscheidung liegt beim Kinderarzt, der es gut kennt und die Situation am besten einschätzen kann“, erklärt sie.

Kinderärztin: Abstrich ist sehr unangenehm

Fremde Kinder, die nicht bei ihr Patient seien, würde sie auch nicht auf den Erreger hin abstreichen. „Dafür hat man ja seinen Kinderarzt des Vertrauens, ich hätte in dem Fall sicherlich auch gesagt, dass das Gesundheitsamt zuständig ist.“ Der Abstrich sei sehr unangenehm, man müsse gut überlegen, ob man das dem Kind, das keine Symptome hat, antun möchte.

Eltern sind sauer

Unter den Eltern, deren Nachwuchs in der Kita-Gruppe des infizierten Kindes ist, herrscht unterdessen Verärgerung. „Die Kommunikation ist alles anderes als gut“, sagt eine Mutter dem SÜDKURIER. Und berichtet, wie sie am Wochenende von dem Fall erfahren habe: Das Kreis-Gesundheitsamt habe auf dem Anrufbeantworter um Rückruf gebeten. Als sie der Bitte nachkam, habe sie niemanden erreicht – nur eine Bandansage von der Corona-Kontaktverfolgung des Landratsamtes.

Auch Corona-Hotline nicht besetzt

Auch die Corona-Hotline sei nicht besetzt gewesen. „Ich überlegte hin und her, was los sein könnte, wo wir uns angesteckt haben könnten“, sagt sie dem SÜDKURIER. Näheres erfuhr sie erst durch Zufall von einer anderen Mutter. Ein Kind habe Corona. Aber wie weiter? Keiner wusste es.

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Dazu Marlene Pellhammer, Sprecherin des Landratsamts: „Samstag und Sonntag war das Gesundheitsamt mit mehreren Personen lange besetzt, um der Kontaktnachverfolgung nachzugehen. Die Mehrzahl der Personen wurde erreicht. Dass in Einzelfällen ein Rückruf nicht entgegengenommen werden konnte, ist bedauerlich.“

Erst Test für alle, dann die Kehrtwende

Am Sonntag, berichtet die Mutter weiter, habe die Kitaleitung sie auf dem Handy erreicht und gesagt, dass die Gruppe geschlossen sei und die ganze Familie sich testen lassen solle, auch das Geschwisterkind dürfe nicht kommen. Mit dieser Info seien sie schlafen gegangen. Nur um am Morgen darauf endlich das Gesundheitsamt zu erreichen und zu hören, dass ein Corona-Test doch nicht notwendig sei. Ohne Symptome bekäme man den ohnehin nicht bezahlt.

Geschwisterkind darf in Kita

Das Geschwisterkind dürfe in die Kita, das Kind in der Gruppe mit dem Infizierten nicht. Am gestrigen Montag hing an der Kita eine Notiz der Stadt Konstanz. Die Gruppe sei geschlossen, vorerst für eine Woche. Die Mutter sagt: „Es gab offenbar überhaupt keinen Plan, was zu tun ist in einem Coronafall beim Gesundheitsamt, unglaublich!“

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Am Nachmittag klingelte dann noch einmal das Telefon und die Mutter meldete sich wieder beim SÜDKURIER: „Das Gesundheitsamt empfiehlt nun doch den Test.“ Sie hat noch ein anderes Kind im Kinderhaus am Salzberg. „Das Amt sagt, Geschwisterkinder seien kein Problem und dürften in die Kita.“

Stadt empfiehlt, Geschwisterkinder zu Hause zu betreuen

Dazu Sabine Haag, Abteilungsleiterin Kinderbetreuung bei der Stadt: „Das Gesundheitsamt hat die Expertise und die Übersicht.“ Die Stadt appelliere aber an die Eltern, ein Geschwisterkind auch zu Hause zu betreuen, wenn möglich.