Der fünfjährige Diego weiß nicht so recht, was er mit dieser Schaukel anfangen soll. Oder ist es eine Wippe? Denn wirklich schaukeln kann man nicht, wenn man auf diesem Reifen mit Netz sitzt, der mit drei Leinen an einer Querstange festgemacht ist.

Warum? Weil er mit mehreren anderen Reifen verbunden ist. So ergeben die einzelnen Elemente ein eher starres Gebilde, auf dem man ein paar Zentimeter hin und her wackeln kann. Auch fürs Klettern eignet es sich nicht, da die Leinen zu wackelig sind. „Keine Ahnung“, sagt Diego schließlich, springt herunter und läuft zu einem anderen Spielgerät auf dem Spielplatz in Petershausen, der sich neben Landratsamt und Polizeipräsidium befindet.

Auch Erwachsene wirken recht verloren auf dem eigenartigen Spielgerät auf dem Spielplatz Petershausen neben dem Landratsamt. Hier sind es die Initiatoren der Petition zusammen mit CDU-Stadträten.
Auch Erwachsene wirken recht verloren auf dem eigenartigen Spielgerät auf dem Spielplatz Petershausen neben dem Landratsamt. Hier sind es die Initiatoren der Petition zusammen mit CDU-Stadträten. | Bild: Schuler, Andreas

„Ein klassisches Beispiel von Geldverschwendung“, sagt Daniel Groß, CDU-Gemeinderat und Fremdenführer, der das Gerät selbst ausprobierte und so verloren und ratlos wirkte wie die Kinder. „Das geht am Bedarf der Kinder vorbei.“ In der Tat versuchen es mehrere Kinder in der halben Stunde, die die CDU-Fraktion mit Eltern zur Besichtigung und zum Gedankenaustausch hier verbringen, Gefallen an dem recht neuen Spielgerät zu finden – doch niemand weiß etwas damit anzufangen.

Auch Stadtrat Daniel Groß versuchte den Reifen – und hatte wie die Kinder so seine Probleme.
Auch Stadtrat Daniel Groß versuchte den Reifen – und hatte wie die Kinder so seine Probleme. | Bild: Schuler, Andreas

Eltern-Initiative fordert bessere Spielplätze

Knapp 900 Menschen haben bereits unterschrieben bei der Online-Petition, die Mitte April ins Leben gerufen wurde und noch bis Mitte Juli läuft. Bei 1100 Unterschriften ist das Quorum erreicht und somit der Indikator, dass ein Thema aus Sicht einer erheblichen Anzahl Bürger relevant ist. Die Petition richtet sich direkt an Oberbürgermeister Uli Burchardt.

Unter dem Titel „Qualität statt Quantität“ fordern die Initiatoren Philip Ditting und Thomas Konopka attraktivere Spielflächen für den Nachwuchs. „Wir möchten vorhandene Flächen attraktiver gestalten, aufwerten und wieder bespielbar machen, wir bitten Bauherren wie die Wobak, SBK oder BDS darum, von vorhandenen Pflichtspielplätzen, die oft an Mehrfamilienhäusern erstellt werden (zum Beispiel ein eingezäuntes Schaukeltier oder eine Wippe für 48 Wohneinheiten) abzusehen, und stattdessen den Betrag zur Verfügung zu stellen um naheliegende Spielplätze aufzuwerten“, steht unter anderem in der Petition.

In Petershausen steht dieses Gebilde, deklariert als Kinderspielplatz.
In Petershausen steht dieses Gebilde, deklariert als Kinderspielplatz. | Bild: Schuler, Andreas

Und weiter: „Spielflächen wie zum Beispiel am Hockgraben, der Chérisy oder an der Polizei sollten neu durchdacht und geplant, durch attraktivere Spielgeräte aufgewertet und reizvoller gestaltet werden. Spielflächen am Tannenhof sollten endlich genutzt werden und dadurch das Hörnle und den Hörlepark entlasten.“

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„Derzeit brennt es überall“

Am Mittwoch, 16. Juni, kommen die Mitglieder des Arbeitskreises Freiraumplanung der Stadt Konstanz zusammen und beratschlagen die Thematik. Der Kreis hat das grundsätzliche Ziel, die Lebensqualität für die Menschen in der Stadtgesellschaft zu sichern und auszubauen. Deshalb werde die grüne Infrastruktur gleichwertig zum Wohnraum entwickelt, heißt auf der Homepage der Stadt. Um die Ziele zu realisieren, steht unter anderem dieses Thema im Mittelpunkt der Arbeit: Erhalt und Schaffung von Grün- und Freiflächen für die Naherholung.

„Derzeit brennt es überall“, sagt Gemeinderat Manfred Hölzl CDU. „Seit Januar mahnen wir: Denkt daran, wenn Corona nachlässt, zieht es die Menschen wieder raus und darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Für ihn als Mitglied des Präventionsrates geht es nicht nur um die Kleinsten – auch Jugendliche benötigten dringend mehr Raum zur Entfaltung, so Hölzl. Auch und vor allem nach dem monatelangen Lockdown.

In Wollmatingen findet sich dieser an einen Käfig erinnernden Miniatur-Spielplatz.
In Wollmatingen findet sich dieser an einen Käfig erinnernden Miniatur-Spielplatz. | Bild: Schuler, Andreas

Philip Ditting und Thomas Konopka würden sich wünschen, dass Verwaltung und Lokalpolitiker noch mehr ins Gespräch kommen mit Familien, Kindern und Jugendlichen, um den tatsächlichen Bedarf zu eruieren. „Wenn ich sehe, was in Überlingen, Kreuzlingen, Salem oder Güttingen im Thurgau möglich ist – was dort für spannende Abenteuerspielplätze oder Parks für Scooter und Roller entstehen. So etwas findet man nur außerhalb von Konstanz auf öffentlichem Boden“, sagt Philip Ditting.

Die Elterninitiative hat zwischenzeitlich in Eigenregie und ehrenamtlich eine Homepage konzipiert, auf der alle Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu finden sind: www.spielplaetze-konstanz.de

Nachdem der SÜDKURIER Anfang Mai von der Aktion berichtete, kontaktierten die Konstanzer Gemeinderatsfraktionen die Initiatoren – und sagten in seltener Einstimmigkeit ihre Unterstützung zu. Wir haben die Stimmen der Fraktionen gesammelt.

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