Es knirscht gewaltig in der Konstanzer Friseurszene. Grund dafür sind offenbar Verstöße gegen die Corona-Verordnung. „Wenn das so weitergeht, drohen erneut Schließungen“, sagt Innungsmeister Martin Jetter, der in Radolfzell einen Salon führt. „Ich erfahre in meiner Funktion regelmäßig von Kunden in Konstanz, dass dort teilweise katastrophale Zustände herrschen.“

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In voller Montur: Friseur- Innungsmeister Martin Jetter in seinem Salon. Der Innungsmeister ärgert sich über Konstanzer Kollegen, die sich offenbar nicht an die Verordnungen halten.
In voller Montur: Friseur- Innungsmeister Martin Jetter in seinem Salon. Der Innungsmeister ärgert sich über Konstanzer Kollegen, die sich offenbar nicht an die Verordnungen halten. | Bild: Jarausch, Gerald

Mitarbeiter und Kunden ohne Mundschutz, kein Mindestabstand zwischen den Stühlen, Haare schneiden ohne vorheriges waschen – Martin Jetter wird deutlich, wenn er davon hört: „Es gibt glasklare Vorgaben vom Ministerium, von der Handwerkskammer und von der Innung“, sagt er. „Ist es so schwer, sich daran zu halten? Damit wird ein ganzer Berufsstand diskreditiert.“

Namen der schwarzen Schafe, wie er es ausdrückt, möchte Martin Jetter nicht nennen. „Ich hoffe, dass sich die betroffenen Kollegen besinnen.“

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Innungsmeister Martin Jetter hat kein Verständnis für Verstöße gegen die Corona-Verordnung.
Innungsmeister Martin Jetter hat kein Verständnis für Verstöße gegen die Corona-Verordnung. | Bild: Jarausch, Gerald

Konstanz. Hussenstraße. Vor dem Salon „Um Haaresbreite“ in der Hussenpassage steht ein Schild, auf dem die Kundschaft gebeten wird, zu warten, „wir holen Sie persönlich herein“. Inhaberin Celeste Peipe steckt von innen den Schlüssel in die Tür und begrüßt den Reporter.

Celeste Peipe im Inneren ihres Salons.
Celeste Peipe im Inneren ihres Salons. | Bild: Schuler, Andreas

„Ohne Termin geht es nicht“, sagt sie. „Das wissen meine Kundinnen und das respektieren sie. Wenn ich aber so manche Kollegen beobachte – eine absolute Katastrophe. Wir sollten froh sein, dass wir seit dem 4. Mai wieder arbeiten dürfen.“

Vorwürfe an die Stadt

Celeste Peipe erhebt wie auch Martin Jetter Vorwürfe gegen die Stadt. „Wieso werden die Salons so wenig kontrolliert?“, fragen beide. „Das wäre eine Abschreckung für die Kollegen, die sich nicht an die Verordnungen halten.“ Der Innungsmeister beobachtet in Radolfzell strengere Kontrollen als in Singen oder vor allem in Konstanz. „Es spricht sich herum, dass man sich nicht an die Vorgaben zu halten braucht, da sowieso niemand vorbei kommt, um das zu überprüfen.“

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Sie ärgert sich über Kollegen, die sich nicht an die Corona-Verordnungen halten: Celeste Peipe.
Sie ärgert sich über Kollegen, die sich nicht an die Corona-Verordnungen halten: Celeste Peipe. | Bild: Schuler, Andreas

Für Celeste Peipe ein Unding: „Den ganzen Tag läuft die Ortspolizei die Laube rauf und runter und schreibt Strafzettel. Aber in den Friseursalons wird nicht kontrolliert. Geht‘s noch?“ Ein Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde sagt dazu: „Wir haben nicht den Auftrag, in Friseursalons zu kontrollieren. Das ist die Aufgabe des Kommunalen Ordnungsdienstes KOD.“

So reagiert die Stadt

Bettina Parschat, Abteilungsleiterin Öffentliche Sicherheit und Gewerbewesen beim Bürgeramt, schreibt auf SÜDKURIER-Anfrage: „Ein gehäuftes Beschwerdeaufkommen ist uns nicht bekannt. Wir beobachten, dass ein Teil der Konstanzer Bevölkerung und Besucher sehr genau auf die Einhaltung der Corona-Vorgaben schaut und uns damit auch konfrontiert. Würde es hier eklatante Missstände in Konstanzer Friseursalons geben, hätten wir davon sicherlich bereits erfahren.“

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Personallage verhindert regelmäßige und flächendeckende Kontrollen

Kontrollen finden laut Bettina Parschat entweder anlassbezogen aufgrund konkreter Hinweise und auch stichprobenartig statt. Sie schreibt aber auch: „Es ist uns in personeller Hinsicht nicht möglich, die Vielzahl an Corona-Vorgaben für sämtliche Dienstleistung- und Lebensbereiche regelmäßig und flächendeckend durchzuführen. Wir nehmen alle bei uns eingehenden Beschwerden ernst und sind bestrebt, zeitnah darauf zu reagieren, was uns bislang auch ganz gut gelungen ist.“

Gökhan Altintermin wascht Alex Urban die Haare – erst danach greift er zur Schere. So soll es sein.
Gökhan Altintermin wascht Alex Urban die Haare – erst danach greift er zur Schere. So soll es sein. | Bild: Schuler, Andreas

Gökhan Altintermin, Inhaber der Gentlemen‘s Hairlounge in Allmannsdorf, berichtet, dass er schon mehrmals kontrolliert wurde. „Mitarbeiter des KOD haben von draußen in meinen Laden geschaut und sind dann wieder weggegangen, weil alles regelkonform ablief.“ Er bedient an diesem Vormittag Stammkunde Alex Urban – inklusive vorheriger Terminvergabe, Haare waschen, Einwegschürze, Handschuhen und Mund-Nase-Schutzmaske. „Es ist wichtig, dass wir uns daran halten“, sagt Gökhan Altintermin, „ich bin ja glücklich, dass ich wieder arbeiten kann.“

Gökhan Altintermin und sein Kunde Alex Urban: Mund-Nasen-Schutz, Einwegschürze, Handschuhe.
Gökhan Altintermin und sein Kunde Alex Urban: Mund-Nasen-Schutz, Einwegschürze, Handschuhe. | Bild: Schuler, Andreas

Vor der Schließung warten Bußgelder und Bescheide

Die Schließung eines Betriebs sei laut Bettina Parschat das letzte Mittel. Zuvor werde man versuchen, den Betreiber durch weniger einschneidende Mittel zur Einhaltung der Coronavorgaben zu bewegen, „zum Beispiel durch Information, schriftliche Aufforderung, Bußgelder oder Auflagenbescheide, wie das in anderen Bereichen wie zum Beispiel in Gaststätten schon immer wieder vorkommt. Hierzu sehen wir bislang in keinem einzigen Friseurbetrieb Anlass“.