Mehr als 90 Jahre lang stand die alte Birke auf dem Grünstreifen in der Nähe des Casinos in Konstanz. Wenige Meter entfernt vom Wasser des Bodensees. Tausende Konstanzer spazieren oder radeln hier im Sommer täglich vorbei. Gefällt war der alte Baum innerhalb von nur wenigen Minuten. Die Mitarbeiter der Technischen Betriebe der Stadt Konstanz (TBK) entfernten den Baum am Mittwochmorgen und zersägten den knapp 19 Meter messenden Stamm in mehrere Teile.

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„Er war krank“, sagt Christian Stocker von den Technischen Betrieben der Stadt Konstanz kurz vor der Fällung. „Im Grunde ist er mittlerweile einfach tot“. Die Ursache: Pilzbefall. Er sei durch die Trockenheit der letzten Jahre, vor allem der drei Jahre 2018, 2019, und 2020, im oberen Bereich Nahe der Baumkrone abgestorben. Bereits vor zwei Jahren mussten einige Äste weichen, weil sie zu stark von Parasiten befallen waren und deshalb hätten hinabfallen können.

Pilzbefall machte Baumpflege unmöglich

„Der Pilz dringt in den Baum und baut ihn rasant schnell ab“, so Stocker gegenüber dem SÜDKURIER. „Dadurch wird der Baum oben mürbe, da gibt es kein Material mehr.“ Bei der alten Birke, die im Jahr 1930 beim heutigen Casino gepflanzt worden war, sei der Befall bereits so weit fortgeschritten, dass man den Baum nicht mehr bis zur Spitze „klettern“ könne.

„Die Bäume haben Not“, sagt Christoph Stocker von den Technischen Betrieben Konstanz.
„Die Bäume haben Not“, sagt Christoph Stocker von den Technischen Betrieben Konstanz. | Bild: Timm Lechler

Das bedeutet, dass der sogenannte Straßenbegleitbaum von den Mitarbeitern der TBK zur Baumpflege oder auch bei der Fällung nicht mehr mit der Seilklettertechnik erklommen werden kann. Zu gefährlich sei dieses Vorgehen bei Bäumen, die derart ausgehöhlt seien.

Für sein Team sei es deshalb zu gefährlich, den Baum auf diese Weise zu fällen. Unter dem Druck könne er im oberen Bereich abbrechen. Im vergangenen Jahr habe es bei einem ähnlichen Fall einen Arbeitsunfall gegeben, der jedoch glücklicherweise glimpflich ausgegangen sei. Doch natürlich wolle man solche Unfälle vermeiden.

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Wie sich später herausstellt, ist der Baum von mehreren Parasiten befallen, darunter dem Birkenporling und dem Folgeparasit Trameten. Die Sporen und Pilze sind hier weit verbreitet. „Durch die Hitze- und Trockenereignisse der letzten drei oder vier Jahre bekommt die Rinde Risse“, weiß Christoph Stocker. „Diese werden zu Eintrittspforten für den Pilz.“ Von dort aus wandere der Schädling.

Zwar verfüge der Baum über ein weitreichendes Wurzelwerk, aber er konnte sich dennoch nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen. Dadurch sinke die Feuchtigkeit im Baum und die Pilze breiteten sich aus. „Die Festigkeit vom Holz geht dann weg und es wird leichter“, so Stocker. Am Ende dieses Prozesses vergleicht er das im übertragenen Sinne nur noch mit Papier.

Durch die Hitze- und Trockenereignisse der letzten drei oder vier Jahre bekam die Rinde Risse.
Durch die Hitze- und Trockenereignisse der letzten drei oder vier Jahre bekam die Rinde Risse. | Bild: Timm Lechler

Zwei Flatterulmen ersetzen den Baum

Inzwischen macht sich Florian Benz, Vorarbeiter im Baumpflegeteam der TBK, an die Fällung. Dabei wird der Baumstamm mit einem Seil an einem anderen Baum unter Spannung gebracht. Damit die Fahnenmasten am Casino keinen Schaden davontragen, werden einige Äste vor der eigentlichen Fällung entfernt.

Später wird eine Kerbe in die alte Birke gesägt und dann wird sie gefällt. An diesem Tag benötigt es zwei Mitarbeiter der TBK, die sich mit ihrer ganzen Kraft ins Seil hängen. Doch irgendwann kracht der Baum wie beabsichtigt mit einem lauten Knall in den Rasen.

Video: Timm Lechler

Ersetzt wird die Birke nun durch zwei Flatterulmen. „Das sind klassische Bäume in der Ufernähe, die hierher passen“, sagt Christoph Stocker. Das Gute an dieser Baumart sei, dass sie sowohl Hitze, als auch Nässe vertrage und somit pflegeleichter sei, als beispielsweise die Birke.

Die Birke sei derweil im Raum Konstanz die am stärksten betroffene Baumart vom Trockenstress der letzten Jahre, so Stocker. Dadurch habe man auch viele Großbäume in der Gegend in dieser Zeit verloren. Es dauere manchmal nur zwei bis drei Jahre, bis die Bäume absterben würden – im Vergleich zum Alter einiger Bäume lediglich ein winziger Bruchteil.

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