Zu lange, zu fad, zu wenig persönlich, zu sehr an dem falschen Begriff vom „Gammlermord“ aufgehängt. Vertreter des Kulturausschusses fanden einige Kritik an einem vom Stadtarchiv und dem Rosgartenmuseum vorgelegten Text. Dieser soll an die Bluttat vom 29. August 1970 erinnern.

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Damals wurde der 17 Jahre alte Lehrling Martin Katschker auf dem Blätzleplatz (heute Augustinerplatz) durch einen 38 Jahre alten Hilfsarbeiter mit einem Schussapparat für Kleintiere (Hasentöter) getötet. Der Täter wurde später vom Landgericht Konstanz wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit Nötigung zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

1970: Aufgeheizte Stimmung gegen Jugendliche

Der Text, der auf der Gedenktafel stehen soll, ist überschrieben mit dem in Anführungszeichen stehenden Begriff „Gammlermord“. So wurde die Bluttat 1970 bezeichnet. Er weist auf die aufgeheizte Stimmung hin, die damals gegen Jugendliche herrschte, die sich auf dem Blätzleplatz trafen. Man nannte sie Gammler.

Der Text erinnert auch an die Gedenkfeier für Katschker, in der Redner die Tat verurteilten und die Bevölkerung aufriefen, ihre Einstellung zu überdenken. „Schon damals lautete die Forderung: Toleranz gegenüber abweichenden Lebensentwürfen!“

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Stadtrat Holger Reile, der mit den Linken das Aufstellen der Gedenktafel initiiert hatte, zeigte sich irritiert von der Länge und dem Inhalt des Textes. Er plädierte dafür, vor allem das Opfer, wenn möglich auch den Täter und damaligen Aufwiegler, einen rechter Stadtrat, beim Namen zu nennen. Er kritisierte, dass schon in der Überschrift der Erinnerungstafel der falsche Begriff vom „Gammlermord“ aufgegriffen werde.

Groß: „Wie groß soll eigentlich die Tafel sein?“

Zahide Sarikas, Stadträtin der SPD, stellte fest: Der Begriff Gammler gehöre zur Sprache der politischen Rechten. Er werte das Opfer ab. „Daran ändern auch die Anführungszeichen nichts.“ Wenigstens das Opfer sollte beim Name genannt werden. Gisela Kusche, Stadträtin der Freien Grünen Liste, bemerkte, sie empfinde den Text als fad. Auch sie kritisierte den Begriff „Gammlermord“.

„Wie groß soll eigentlich die Tafel sein?“, fragte sich CDU-Stadtrat Daniel Groß, angesichts der Länge des Textes. Mit den Inhalten könne seine Fraktion leben. Ewald Weisschedel, Stadrat der Freien Wähler, stellte fest: Der Begriff Gammlermord sei ein Begriff der damaligen Zeit und müsse vorkommen, aber vielleicht nicht schon in der Überschrift.

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Jürgen Klöckler, Leiter des Stadtarchivs, zeigte sich „überrascht“ von den Reaktionen im Kulturausschuss. Er habe einen sachlichen Text geschrieben. Wenn man diesen als „fad“ empfinde, „dann schreibe ich immer fade Texte“, meinte er. Der Begriff „Gammlermord“ sei in der damaligen Zeit geprägt worden.

Tobias Engelsing, Leiter des Rosgartenmuseums, warnte davor, den Namen des Täters zu nennen. Auch dieser habe im Rahmen der Resozialisierung das Recht aufs Vergessen. Im Urteil des Landgerichts sei kein Tatbeitrag des Stadtrats mit rechter Gesinnung festgestellt worden.