Es ist eines der größten Wohnbauprojekte in Konstanz in den nächsten Jahren. Auf dem ehemaligen Siemens-Areal in Petershausen soll ab dem Jahr 2020 ein neues Quartier entstehen. Eines, das die Industriebrache zu neuem Leben erwecken soll – mit etwa zwei Drittel Wohnbau und einem Drittel Gewerbe. Rund ein Viertel der Fläche soll grün sein, so stand es auch explizit in der Auslobung für den Architektenwettbewerb.

Geplant sind rund 600 Wohnungen, darunter Miet- und Eigentumswohnungen wie Projektentwicklerin Maria Wechsel von der i+R Wohnbau Lindau erklärt. Die Umsetzung werde voraussichtlich in Bauetappen erfolgen.

Zehn Planungsbüros waren eingeladen, ihre Entwürfe für das Siemensareal zu zeigen. Gewonnen haben die Architektenteams (von links) Markus Gohm und Ulf Hiessberger sowie Markus Innauer und Sven Matt, hier mit Alexander Stuchly, Geschäftsführer i+R Wohnbau Lindau und den Projektentwicklern Maria Wechsel und Andreas Deuring.

Bild: Dietmar Walser

Beide Büros kommen wie auch die i+R Gruppe aus dem österreichischen Vorarlberg. Ihr Entwurf überzeugte die 17-köpfige Jury, in der auch der Geschäftsführer der städtischen Wohnbaugesellschaft Wobak Jens-Uwe Götsch (von links), der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, sowie Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen saßen.

Bild: Dietmar Walser - copyright

Tiefgaragen und Fahrradabstellplätze sollen das Areal oberirdisch weitgehend autofrei machen.

Geplant seien zudem "großzügige Freiflächen mit vernetzten Grünräumen". Das zeigt auch der Siegerentwurf. Zum Seerhein soll eine zusätzliche Bahngleise-Unterführung gebaut werden. Der bestehende Grünstreifen entlang der Bahntrasse werde erweitert, die Quartiersplätze würden offen gestaltet und bleiben grün.

Das denkmalgeschützte Gebäude mit der wellenförmigen Sheddachhalle, hier im Bild im Vordergrund zu sehen, soll saniert und Kultur-, Dienstleistungs- und Technologiebetriebe, Gastronomie, Büros sowie Einzelhandel beherbergen, die über einen Generalmieter verwaltet werden.

Zwischen den Bahngleisen und der Bücklestraße liegt das bald größte Baugebiet der Stadt.
Zwischen den Bahngleisen und der Bücklestraße liegt das bald größte Baugebiet der Stadt.

Es dürfte also ein attraktives Viertel werden – aber auch ein bezahlbares?

Über Verkaufspreise und Einzugstermine zu sprechen, sei noch zu früh, merkt i+R-Projektentwickler Andreas Deuring an. Das Siegerprojekt sieht laut i+R aber Neubauten vor, die durch die besondere Gebäudekubatur laut Jury „eine Durchmischung von gefördertem und nicht-gefördertem Wohnbau sowie Baugruppen gleichberechtigt zulassen.“ Vor allem Baugruppen, in denen Privatpersonen gemeinsam bauen, hatten schon Interesse an dem Quartier angemeldet. Gespräche habe es bereits gegeben, aber "für den nächsten Schritt mit potenziellen Baugruppen braucht es noch baurechtliche Verfahren, die wir abwarten müssen", so Projektentwicklerin Maria Wechsel.

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Auch Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn ist überzeugt von dem Entwurf: "Das Konzept spiegelt die Inhalte der vom Technischen und Umweltausschuss beratenen Auslobung des Wettbewerbes und die Anregungen der Bürgerinnen und Bürger, die wir in mehreren Veranstaltungen gesammelt haben, wider".

Noch nutzt das Landgericht Teile des Geländes

Die i+R Gruppe setzte bei dem Wohnbauprojekt schon früh auf Bürgerbeteiligung und -information. Am 6. Dezember wird der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs von 16 bis 19 Uhr auf dem ehemaligen Siemens-Areal, Eingang über den Haupteingang an der Bücklestraße ausgestellt.

Nach der Ausstellung wird der Siegerentwurf weiterentwickelt, "auch um auf Bedürfnisse von potenziellen Mietern oder Käufern eingehen zu können", so Deuring.

2019 soll ein Flächennutzungs- und Bebauungsplan für das Gelände aufgestellt werden, 2020 sollen die Abbrucharbeiten der alten Firmengebäude beginnen. Ganz leer steht das Firmengebäude aktuell nicht: In der ehemaligen Siemens-Kantine findet derzeit der sogenannte Mafia-Prozess statt, weil das Landgericht keinen anderen großen Gerichtssaal gefunden hatte.

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Angesetzt ist das Ende des Mammutprozesses für Juni 2019 – weil sich die Angeklagten bislang allerdings vorwiegend in Schweigen hüllen und die Anwälte immer wieder zeitaufwendige Anträge stellen, ist nicht auszuschließen, dass sich der Prozess verzögert. Könnte sich auch der Baubeginn nach hinten verschieben? "Das steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Diskussion", antwortet i+R knapp.

Die Stadt Konstanz hatte lange selbst um den Kauf der ehemaligen Siemens-Fläche samt der Bestandsgebäude mitverhandelt. Allerdings lagen die Vorstellungen über den Preis weit auseinander, das Rathaus verzichtete. 28,6 Millionen Euro soll das Industriegelände gekostet haben.