Wer im Paradies leben will, muss mehr haben als ein lupenreines Sündenzeugnis – nämlich einen gut gefüllten Gedldbeutel. Das zeigen zwei aktuelle Angebote zum Kauf beziehungsweise zur Miete in dem beliebten Konstanzer Stadtteil.

Beispiel 1: 125 Quadratmeter für 2150 Euro Miete

Auf Facebook bietet eine junge Frau eine Vier-Zimmer-Wohnung, die ab 1. Januar 2019 frei wird, zur Miete an:

Bild: Screenshot Facebook

125 Quadratmeter, zwei Balkone, Waschkeller, Badewanne, Gäste-WC. Klingt nach der idealen Wohnung für eine Familie – wäre da nicht der Mietpreis: 1800 Euro Kaltmiete, 2150 Euro warm. Noch nicht mit im Preis: Strom, Müll, Internet, Netflix.

Dann wenigstens als Wohngemeinschaft? Inzwischen teilen sich in Konstanz nicht nur Studenten Wohnungen – sondern auch zunehmend Berufstätige. WGs seien vom Eigentümer nicht erwünscht, antwortet allerdings die Inserentin.

Die Reaktionen auf das Inserat fallen entsprechend aus: "Wer soll das bezahlen?" fragt eine Nutzerin. Ginge es nach der alten Richtlinie, dass die Kaltmiete einer Wohnung ein Drittel des Nettoeinkommens des Mieters nicht übersteigen sollte, müsste der zukünftige Mieter also jemand sein, der mindestens 5400 Euro netto im Monat verdient.

Beispiel 2: 120 Quadratmeter für fast eine Million Kaufpreis

Noch mehr Budget braucht man für dieses Angebot in der Fischenzstraße:

Bild: Screenshot www.engelvoelkers.com

Dort entstehen 16 neue Wohnungen mit 63 bis 143 Quadratmetern. Die Kaufpreise liegen zwischen 435.000 Euro und 1,15 Millionen für das Penthouse, das bei der Immobilienagentur Engel und Völkers auch gerade als "Immobilie der Woche" angepriesen wird.

Sieben Wohnungen sind bereits verkauft. Wer dort als Familie eine Wohnung mit mindestens 120 Quadratmetern sucht, wird ab einem Verkaufspreis von 989.000 Euro fündig. Noch nicht miteinberechnet: Der Tiefgaragenstellplatz für 30.000 Euro und die Kaufnebenkosten wie Notar oder Maklerprovision.

Wohnen im Paradies ist automatisch teurer – wie kann man hier trotzdem eine Wohnung finden?

Das Paradies wäre vor allem für Familien ein attraktiver Stadtteil, doch gerade hier steigen die Preise seit Jahren enorm. Laut dem aktuellen Mietspiegel der Stadt können Vermieter allein wegen der Lage im Paradies sieben Prozent auf die durchschnittliche Konstanzer Miete draufschlagen.

Wie also lassen sich noch bezahlbare Wohnungen im Paradies finden? Wer nicht zufällig über Bekannte fündig wird, kann noch selbst eine Suchanzeige schalten. Das ist meist auch den Vermietern lieber, weil sie so weniger Arbeitsaufwand haben.

Hoffen auf das Vincentius-Areal: Entstehen hier bezahlbare Wohnungen?

Andere können außerdem noch auf ein anderes Neubauprojekt auf der linksrheinischen Seite hoffen, wo aktuell noch Archäologen nach Skeletten graben: Auf dem Vincentius-Areal sollen bald 126 Wohnungen entstehen.

So sieht der Entwurf des Architekturbüros Jo.Franzke aus Frankfurt für das Vincentius-Areal aus.
So sieht der Entwurf des Architekturbüros Jo.Franzke aus Frankfurt für das Vincentius-Areal aus. | Bild: Jo.Franzke

Das Projekt gilt zwar als ein wichtiger Baustein des Handlungsprogramms Wohnen, befindet sich aber in Investorenhand der Immobiliensparte der Landesbank Baden-Württemberg. Die hatte sich aber dazu bereit erklärt, 20 Prozent der neuen Wohnungen im geförderten Segment zu erstellen.

Wie viel die Wohnungen im untersten aber auch im mittleren Preissegment etwa für durchschnittlich verdienende Familien letztlich kosten, wird sich erst noch zeigen. Noch gibt es keinen offiziellen Vermarktungsstart, Interessenten können sich aber unter www.laubenhof-konstanz.de vormerken lassen.