25 Jahre lang galt das Weihnachtsschiff als Alleinstellungsmerkmal für den Konstanzer Weihnachtsmarkt – doch das gehört jetzt der Vergangenheit an. Nachdem im Sommer hin und her diskutiert wurde, steht nun die Entscheidung.

Das könnte Sie auch interessieren

Laut Feuerwehr des Landkreises Konstanz gibt es brandschutzrechtliche Bedenken, die Brandlast führe zu hohen Anforderungen bei den Fluchtwegen. Konkret heißt das in den Bestimmungen: „Entsteht durch die Nutzungsänderung des Schiffes eine größere Brandlast, sind die Anforderungen höher als wenn das Schiff nur als Schiff betrieben wird. Für das Betreiben eines Marktes sind die Rettungswege nicht ausgelegt.“

Mit dem Schiff verschwinden auch elf Händler

Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass trotz großer Bemühungen die Maßnahmen nicht ausreichen, um den Brandschutz sicher zu stellen. „Die Stadt Konstanz und das Landratsamt sind zu dem Schluss gekommen, dass die Nutzung des Unterdecks als Markt nicht mehr zugelassen werden kann“, wie es in einer Stellungnahme heißt. 16 Händler, die auf dem Schiff ihre Stände hatten, fallen nun weg – fünf davon hat Organisator Levin Stracke auf dem Festland unter gebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Gastro-Betrieb auf dem Schiff werde jedoch weitergeführt, im Inneren entsteht eine Eis-Cave. „Wir hätten das Schiff gerne als Bestandteil unseres Marktes erhalten“, bedauert Levin Stracke, „aber wir haben da keine Chance.“

Vergangenheit: Die Stände im Weihnachtsschiff dürfen aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht mehr betrieben werden. Die Bar an Deck wird es jedoch weiterhin geben.
Vergangenheit: Die Stände im Weihnachtsschiff dürfen aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht mehr betrieben werden. Die Bar an Deck wird es jedoch weiterhin geben. | Bild: Chris Danneffel

140 Stände auf der Marktstätte, am Hafen und im Stadtgarten öffnen ab 28. November für die Besucher. Laut Levin Stracke haben rund 30 davon Getränke und Speisen im Angebot. „Ganz neu ist beispielsweise der Konstanzer Forellenzüchter Tony Birkle, der vor dem Katamaran geräucherten Fisch anbietet“, so Levin Stracke. „Der Schwerpunkt des Marktes liegt im Kunsthandwerk. Wir haben auch darauf geachtet, dass viele Konstanzer Händler unterkommen.“

Am 22. Dezember endet der Markt

Am Sonntag, 22. Dezember, am vierten Advent also, schließt der Markt. „Es ist der Wunsch der Einzelhändler auf der Marktstätte, dass die Schaufenster ab dem 23. Dezember wieder gut sichtbar sind“, so der Betreiber. In diesem Jahr werden mehr Lichterketten als jemals zuvor aufgehängt – die ersten hängen bereits in den Bäumen beim Stadtgarten.

Die ersten Lichterketten hängen bereits: Betreiber Levin Stracke.
Die ersten Lichterketten hängen bereits: Betreiber Levin Stracke. | Bild: Olliver Hanser

„Zu Weihnachten und einem solchen Markt gehört einfach die stimmungsvolle Beleuchtung“, sagt Levin Stracke, der noch eine weitere Neuerung vermeldet: „Wir werden im Stadtgarten bei Rosis Pavillon und vor dem Konzil komfortable Toiletten-Häuschen aufstellen und verzichten auf die Dixi-Klos.“

Betonklötze als Schutz vor Anschlägen

Auch das ist Realität: Mehrere Betonpfeiler (hier in der Brotlaube) sollen die Besucher schützen. Seit dem Attentat von Berlin, als ein Lkw in die Menge fuhr und zwölf Menschen starben, gehört das zum traurigen Standard bei großen, öffentlichen Festen.
Auch das ist Realität: Mehrere Betonpfeiler (hier in der Brotlaube) sollen die Besucher schützen. Seit dem Attentat von Berlin, als ein Lkw in die Menge fuhr und zwölf Menschen starben, gehört das zum traurigen Standard bei großen, öffentlichen Festen. | Bild: Oliver Hanser

Betonklötze in der Brotlaube, vor dem Eingang zum Konzil, in der Hafenstraße sowie an der Marktstätte sollen Besucher schützen. Seit dem Attentat von Berlin, als ein Lkw in die Menge fuhr und zwölf Menschen starben, gehört das zum traurigen Standard bei großen, öffentlichen Festen. Laut Veranstalter kostet das Sicherheitspaket insgesamt einen mittleren fünfstelligen Betrag. An der alten Hafenuhr läuft wieder das Kinderprogramm mit Backen, Basteln und Theater. Am Kaiserbrunnen geben Konstanzer Musikvereine regelmäßig weihnachtliche Konzerte.

Noch ist nicht klar, wer den Markt in Zukunft betreibt

Ungeklärt ist die Zukunft des Konstanzer Weihnachtsmarktes. Die Ausschreibung für 2020 und die Folgejahre sollte eigentlich schon laufen – doch noch ist das nicht passiert. Rathaussprecher Walter Rügert schreibt auf SÜDKURIER-Nachfrage dazu: „Die Ausschreibung wird derzeit noch von der Stadt und der Marketing und Tourismus Konstanz GmbH gemeinsam ausgearbeitet und baldmöglichst auf den Weg gebracht. Da es sich um eine europaweite Ausschreibung handelt, sind die Formalien und Abstimmungsprozesse komplex und umfangreich.“ Immerhin: Es gibt laut Stadtverwaltung bereits mögliche Bewerber – auch Levin Stracke würde den Budenzauber gerne weiter organisieren. „Wir machend das jetzt seit 1989“, sagt er. „Ich denke, dass wie bewiesen haben, dass wir es können und gut machen.“

Auch der Stadtgarten lockt Besucher mit festlichen Buden.
Auch der Stadtgarten lockt Besucher mit festlichen Buden. | Bild: Hanser, Oliver

Die Entscheidung trifft letztlich der städtische Arbeitskreis Großveranstaltungen, die Dauer des Zuschlags werde laut Walter Rügert im Rahmen der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen zur Zeit noch geklärt.