Eigentlich sollte es endlich zügig vorangehen mit der Sanierung an der Geschwister-Scholl-Schule (GSS). Abriss hin, Denkmalschutz her – Lehrer, Eltern und Schüler wollten die Diskussionen um das Gebäude aus dem Jahr 1976 hinter sich lassen. Doch nun holt sie die Vergangenheit ein: Das Stockacher Ingenieurbüro Geopro fand bei Untersuchungen im Vorfeld der Schulsanierung Asbestfasern in Holztrennwänden der Schule. Das teilte Bürgermeister Andreas Osner bei einer Pressekonferenz mit und ergänzte gleich: „Für die Gesundheit bestand zu keiner Zeit eine Gefahr.“

Sie informierten über den neuen Asbestfund in Trennwänden der Geschwister-Scholl-Schule (von links): Thomas Choinowski (Elternbeiratsvorsitzender der GSS), Schulleiter Thomas Adam, Schulamtsleiter Frank Schädler, Sozialbürgermeister Andreas Osner und Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann.
Sie informierten über den neuen Asbestfund in Trennwänden der Geschwister-Scholl-Schule (von links): Thomas Choinowski (Elternbeiratsvorsitzender der GSS), Schulleiter Thomas Adam, Schulamtsleiter Frank Schädler, Sozialbürgermeister Andreas Osner und Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann. | Bild: Kirsten Astor

Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann erklärt die Hintergründe: „Das Ingenieurbüro untersuchte die Schule viele Jahre lang engmaschig und nahm auch immer wieder Luftmessungen vor. Asbest wurde dabei nie gefunden.“ Erst jetzt, im Vorfeld der umfassenden Schulsanierung ab den Sommerferien, seien auch die 5000 Quadratmeter Holztrennwände untersucht worden.

Beim Bohren entdeckt

Es seien Löcher gebohrt worden, weil in den Wänden künftig Kabel verlegt werden sollten, erklärt der Hochbauamtsleiter. Plötzlich sei eine schwarze Pappe zum Vorschein gekommen. „Das ist eine Bitumenbahn, mit Asbest versehen“, sagt Stegmann und wundert sich: „Eine Bitumenbahn ergibt in den Trennwänden gar keinen Sinn.“

Deshalb habe niemand mit diesem Fund gerechnet, auch wenn bekannt war, dass in der Außenfassade der Schule fest gebundene Asbestfasern verbaut sind. Nun seien in den Trennwänden schwach gebundene Fasern gefunden worden, die sich, sobald sie freikommen, aufspalten und in die Lunge gelangen können. Das kann krebserregend sein.

Thomas Stegmann beruhigt aber: „So lange die Fasern verbaut sind, kann nichts passieren.“ Deshalb dürften die Wände aus rechtlichen, technischen und gesundheitlichen Gründen eigentlich in der Schule bleiben, aber das hält Andreas Osner für „nicht vermittelbar“.

Ein Problem als Chance

„Für die Verwaltung ist es alternativlos, die Innenwände herauszunehmen und zu ersetzen“, sagt der Bürgermeister. Andreas Schädler, Leiter des Konstanzer Amts für Bildung und Sport, sieht darin sogar eine Chance: „Wenn alle Trennwände weg sind, können die Klassenzimmer ganz neu angeordnet werden – so, wie es der heutigen Pädagogik entspricht.“ So sieht es auch GSS-Leiter Thomas Adam: „Dadurch kann die lange nach innen verdichtete Schule entzerrt werden, denn ursprünglich war sie sehr großzügig geplant.“

Wann und wie die belasteten Teile herausgenommen werden, steht noch nicht fest. Thomas Stegmann geht davon aus, dass die in Modulbauweise zusammengesteckten Wände nach und nach abtransportiert und in einer Lagerhalle fachgerecht auseinandergebaut werden. So bestünde keine Gefahr, dass beim Abbau Asbest in der Schule freigesetzt wird.

Einen Vergleich mit der aufwändigen Sanierung der Konstanzer Unibibliothek, bei der Ganzkörperanzüge, Schleusen und spezielle Staubsauger im Spiel waren, wollen die Experten nicht zulassen: „Anders als an der Uni sind bei uns keine Asbestfasern in der Luft“, sagt Adam. Auf den Schulbetrieb habe dieser Fund deshalb keinen Einfluss.

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Auf die Sanierung allerdings schon. In den Sommerferien beginnt wie geplant die Erneuerung der Gebäudetechnik, auch Dach und Außenfassaden werden saniert. „Hinten raus dauert es dann länger“, sagt Stegmann. Die Mehrkosten kann er noch nicht beziffern, rechnet aber mit bis zu 3 Millionen Euro. Hätte man das alte Gebäude doch abreißen und neu bauen sollen?

„Nein“, sagt Thomas Stegmann. Das Problem der Asbest-Entfernung sei dabei dasselbe, außerdem wäre ein Neubau doppelt so teuer. Und die Schule mit ihrer einzigartigen Bauweise sei bei Schülern, Eltern und Lehrern sehr beliebt. Schulleiter Thomas Adam sieht es recht gelassen: „Die GSS ist Weltmeister darin, aus Zitronen Limonade zu machen“, sagt er.