Die Stadtverwaltung will im Industriegebiet Maßnahmen zur energetischen Sanierung fördern.

Die Verwaltung stellt einen Förderantrag bei der KfW, um im Stadtteil Industriegebiet Maßnahmen zur energetischen Stadtsanierung fördern zu lassen, wie Pressesprecher Walter Rügert auf Anfrage berichtet. Gebäudeeigentümer, Gewerbetreibende im Industriegebiet sollen vernetzt werden, um ihnen zu zeigen, über welche Energieeinsparpotenziale sie jeweils verfügen.

Im Rahmen des Projekts wird die nötige Detail-Analyse erfolgen und in einem zweiten Schritt wird es eine Beratungsoffensive für alle relevanten Akteure geben. Wie viel Treibhausgasemissionen auf diese Weise eingespart werden können, hänge jedoch stark davon ab, wie viele Gewerbetreibende sich in den kommenden fünf Jahren an der Umsetzung beteiligen. Vorab könne dies nicht seriös beziffert werden, schreibt Pressesprecher Walter Rügert.

SÜDKURIER-Einschätzung: Wie diese Maßnahme greift und ob sie eine CO2-Einsparung bewirkt, bleibt unklar. Die Verwaltung kann aus guten Gründen nicht angeben, wie viel Tonnen CO2 dadurch eingespart werden. Möglich ist auch, dass sich die Firmen dagegen entscheiden, die Energieberatung in Anspruch zu nehmen. Damit ist diese Maßnahme für die Stadt nicht berechenbar.

Es soll eine Solarpflicht für Neubauten geben.

Sie werde dazu beitragen, dass der regenerative Anteil im Konstanzer Strommix steige, schreibt Pressesprecher Rügert. Das Vorhaben steht im Sommer auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Statt also Strom nach dem deutschen Strommix mit derzeit etwa 0,5 Kilogramm CO2-Emissionen pro Kilowattstunde zu beziehen, könne in den Neubauten zunächst der auf dem eigenen Dach klimaneutral produzierte Strom bezogen werden.

Munir Hizli Geschäftsfüher des Sport-Center Racket GmbH vor seinen Solardach.
Munir Hizli Geschäftsfüher des Sport-Center Racket GmbH vor seinen Solardach. | Bild: Oliver Hanser

Wie viel CO2-Ersparnis die Solarpflicht bringt, soll regelmäßig evaluiert werden, das nächste Mal Ende 2020. Im Moment werden 18 Prozent des jährlichen Strombedarfs vor Ort erzeugt. Es gebe ein noch nicht ausgeschöpftes Photovoltaik-Potenzial von 80 Gigawattstunden, so die Stadtverwaltung. Würde man dieses Potenzial voll ausschöpfen, könnte es gelingen, 43.000 Tonnen CO2 einzusparen.

SÜDKURIER-Einschätzung: Jedes Dach, das mit Solaranlagen bestückt wird, ist ein Beitrag zu weniger klimaschädlich produzierten Strom. Das Potenzial von 43.000 Tonnen CO2-Einsparung ist beachtlich, es wird also darauf ankommen, dieses Ziel so konsequent wie möglich zu verfolgen.

Wir im Quartier

Da Klimaschutz nicht allein in rein kommunalen Grenzen betrachtet werden kann, hat sich die Stadt Konstanz dafür entschieden, auch Projekte anzustoßen, die bei Bürgern ein Bewusstsein für Optimierungspotenziale in der persönlichen CO2-Bilanz schaffen – dazu zählt das Projekt "Wir im Quartier" von 2018. Mit der Umsetzung eines Teils der bei dem Projekt ausprobierten Maßnahmen konnte jeder Teilnehmer problemlos um eine Tonne CO2 abspecken, schreibt Rügert.

SÜDKURIER-Einschätzung: Grundsätzlich kann ein solches Projekt tatsächlich helfen, dass einzelne Bürger es schaffen, ihre CO2-Bilanz zu verbessern. Meist nimmt aber nur eine kleine Zahl an ohnehin schon umweltbewussten Bürgern an solchen Projekten teil, die Wirkung des Projekts ist schwer messbar. Auch hier weiß man nicht genau, wie viel Einsparung das Projekt wirklich bringt.

Teilnehmer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn (vorne rechts) die Ergebnisse des Projekts „Wir im Quartier“.
Teilnehmer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn (vorne rechts) die Ergebnisse des Projekts „Wir im Quartier“. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Teilnahme am European Energy Award

Seit 2008 beteiligt sich Konstanz am Energy Award, einem Zertifizierungsprogramm, bei dem Städte im Vergleich überprüfen können, wo sie beim kommunalen Klimaschutz stehen und sich über die Jahre hinweg verbessern können.

Städte, die 75 Prozent der Anforderungen erfüllen, erhalten den Energy Award in Gold. Konstanz hat 2013 59,1 Prozent der Anforderungen erfüllt, 2017 58,4 Prozent.

Für die nächste Überprüfung erwartet die Stadtverwaltung Verbesserungen bei der Stadtentwicklung (auch wegen der Solarpflicht für Neubauten), bei der Mobilität (wegen der Einführung des Radleihsystems Konrad und der Anschaffung einer ersten gasbetriebenen Fähre) sowie in der Kommunikation (etwa bei Projekten wie "Wir im Quartier").

Groß sei der Bedarf weiterhin bei der energetischen Sanierung städtischer Gebäude, räumt Walter Rügert ein. Konstanz habe sehr viele historische kommunale Gebäude wie das Konzil oder das Rathaus, deren Sanierung kostenaufwendig ist. Allerdings habe man in jüngster Vergangenheit Fördermittel in Höhe von 7,5 Millionen Euro eingeworben. In diesem Bereich soll ein Schwerpunkt der energetischen Sanierung gesetzt werden.

SÜDKURIER-Einschätzung: Der Energy Award bietet einen sinnvollen Maßstab für Fortschritte beim kommunalen Klimaschutz. Bei städtischen Gebäuden steckt laut des Berichts zum Energy Award der größte Verbesserungsbedarf. Die Stadt hat direkten Zugriff auf die öffentlichen Gebäude – sie muss sich die Frage gefallen lassen, warum in diesem Feld die Fortschritte so langsam sind, wenn man sich doch seit 2008 zertifizieren lässt.