Konstanz Dauerstau in der Konstanzer Innenstadt: Wie die Stadt ihr Verkehrsproblem lösen möchte (Teil 2)

Wasserbus, Hochbahn und C-Konzept - der Technische und Umweltausschuss diskutiert über Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation. Die wichtigsten Ideen im zweiten Teil unseres Überblicks.

Mit einem neuen Anlauf suchen Politik und Verwaltung Auswege aus der prekären Verkehrssituation in der Konstanzer Innenstadt: Dazu berät der Technische und Umweltausschuss in einer Sondersitzung über ein dickes Paket an Ideen und Maßnahmen, wie Konstanz kurz-, mittel- und langfristig aus der Staufalle fahren will. Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick.

Es wird über 3000 neue Stellplätze und eine neue Buslinie diskutiert - im ersten Teil des Überblicks lesen Sie mehr über die ersten fünf Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation.

6. C-Konzept mit Vorrang für Busse, Radfahrer und Fußgänger 

Der große Umbau des Altstadtrings gilt weiter als gesetzt, ist aber eine Aufgabe für viele Jahre. Obwohl immer wieder Zweifel daran laut werden: Das vom Gemeinderat beschlossene C-Konzept ist für die Stadtverwaltung weiterhin gesetzt. Weil aber nur Stück für Stück gebaut werden kann (sonst wäre die Altstadt kaum mehr erreichbar) und es nicht nur um neue Ampeln und Kreisel, sondern auch um Kanäle und Leitungen unter den Straßen geht, auch nicht alles Geld auf einmal bereitsteht, werden sich die Arbeiten sicher bis 2025 hinziehen. Der Bahnhofplatz soll ab 2019 an die Reihe kommen. Die Durchfahrtssperre dort könnte später kommen – wenn es mehr Parkraum außerhalb des Altstadtrings gibt. Dann, so die Erwartung der Verwaltung, ist der Druck auf den Ring nicht mehr so groß, und der Bahnhofplatz wird endlich auch städtebaulich attraktiver.

7. Abschied von der Illusion einer schnellen Lösung

Von den neuartigen Verkehrsmitteln hat nur der Wasserbus kurzfristig eine Chance – und auch hier gibt es Fragezeichen. Bereits vor fast vier Jahren, im Januar 2014, hat der Gemeinderat der Verwaltung den Auftrag gegeben, neuartige Verkehrsmittel zu prüfen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor. Danach könnte ein Wasserbus vom Bodenseeforum zu Hafen attraktiv sein – nicht weil er schneller ist, sondern weil er mehr Spaß macht. Allerdings legen die Untersuchungen auch offen, dass es noch Probleme gibt. Ein Probebetrieb im Advent dieses Jahres scheiterte, weil der Naturschutz blockiert. Auch in der Dämmerung darf der Steg derzeit nicht benutzt werden. Die Stadtverwaltung arbeitet nach eigenem Bekunden an einer Lockerung der Auflagen. 2018 könnte es einen Probebetrieb mit einem Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe geben. Langfristig sind Elektroboote geplant. Damit die Wasserbus-Linie angenommen wird, dürfte es wohl eine Konkurrenz durch einen parallel fahrenden Bus geben. Und die Linie müsste ganzjährig und ganztägig befahren werden.

8. Engpass auf der Rheinbrücke und dauernd geschlossene Schranken

Der Ausbau des Seehas zur echten S-Bahn würde sehr, sehr schwierig. Erste Ergebnisse liegen auch zu der Frage vor, ob sich der Seehas zu einer echten S-Bahn mit 15- oder 20-Minuten-Takt entwickeln kann. Das Fazit ist ernüchternd: Die Bahnlinie müsste auf extrem engem Raum (entlang der Konzil- und Eisenbahnstraße) zwischen Innenstadt und Petershausen auf zwei Gleise ausgebaut werden. Zudem wäre eine neue oder weitere Bahnbrücke über den Rhein erforderlich. Zusammen mit einer zum Umsteigen so sinnvollen Haltstelle Sternenplatz würde das, grob geschätzt mit heutigen Preisen, rund 100 Millionen Euro kosten. Bewegung ins Thema könnte kommen, wenn die Bahn ihre Brücke wegen Altersschwäche ohnehin ersetzen muss.

Keine Lösung gibt es für das Problem, dass bei noch mehr Zugverkehr die Schranken zwischen Wollmatingen und Konzil noch häufiger geschlossen wären, was auch für Radler und Fußgänger ungünstig wäre. Dennoch empfiehlt die Stadtverwaltung, die Idee langfristig im Auge zu behalten. Denn eine S-Bahn reicht in die Region und vermutlich auch in die Schweiz (Projekt Agglo-S-Bahn) hinaus, ist komfortabel, kommt auch Pendlern zugute und kann bei 15- oder 20-Minuten-Takt sehr viele Fahrgäste mit hohem Tempo befördern.

9. Kaum Platz im Stadtraum und enorme Kosten

Eine Stadtbahn mit Linien zur Fähre, zur Uni und nach Wollmatingen ist auch mittelfristig unrealistisch. Auch die Untersuchung zu einer Stadtbahn liegen vor. Stadtbahnen sind ein Zwitter aus S-Bahn und Straßenbahn und haben sich in vielen Städten bewährt. Für Konstanz ist das Ergebnis ernüchternd. Für Gleise auf separaten Trassen ist fast nirgends Platz. Wenn die Tram die Auto-Fahrbahn mitnutzt (oder andersherum) verliert sie aber ihren großen Vorteil, die Unabhängigkeit vom Stau.

Auch für eine Stadtbahn müsste die Alte Rheinbrücke wegen des begrenzen Platzes und der Tragfähigkeit erweitert oder, was unrealistisch ist, zur reinen Fußgänger- und Radlerbrücke umgestaltet werden. Völlig ungeklärt ist, wo ein Depot für die Züge und eine Werkstatt stehen könnten. Und: Eine Stadtbahn wäre zwar leistungsfähiger als das zeitweise überlastete Bussystem – aber wie würde mehr als 400 Millionen Euro kosten, und es ist unklar, ob es dafür überhaupt Zuschüsse gäbe. "Sollte keine Förderung möglich sein", so das ernüchternde Fazit der Stadtverwaltung in ihrer Vorlage an die Politik, scheide eine Stadtbahn als neues Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs aus.

10. Bedarf, Finanzierung, Städtebau und Denkmalschutz sind unklar

Ob eine Seilbahn jemals gebaut wird, ist ungewisser denn je. Mit seinem Vorschlag einer Stadt-Seilbahn hatte Oberbürgermeister Uli Burchardt 2013 für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Ob die Idee überhaupt eine Chance hat, ist nach einem ersten Zwischenbericht der Beratungs- und Planungsfirma Rambøll vollkommen unklar. So müsse erst das detaillierte und für 2018 ja auch fest eingeplante Bus-Gutachten zeigen, wie viele Passagiere für welche Strecken in Frage kommen. Gerade in der Altstadt erwartet das Papier auch Einschränkungen durch den Denkmalschutz, und in der Frage der Überfahrung von privatem Grund gibt es keine rechtliche Klarheit.

Die Verwaltung will die Idee weiterverfolgen, weil Seilbahnen wenig Platz brauchen und viele Fahrgäste in kurzer Zeit transportieren können. Untersucht wird eine Hauptstrecke Bahnhof-Döbele-Grenzbachstraße-Europastraße-Schänzle-Nord-Fürstenberg-Geschwister-Scholl-Schule-Uni mit möglichen Erweiterungen zur Mainau, zum Hafner Nord oder nach Kreuzlingen Hafenbahnhof. Zu möglichen Kosten liegen noch gar keine Aussagen vor, und bisher ist auch nur das Land bereit, bei nachgewiesenem Nutzen einen Zuschuss für Seilbahnen zu geben – der Bund entscheidet nach 2019 neu. Insgesamt lassen sich aus dem Zwischenfazit im bisher rund 70 000 Euro teuren Rambøll-Gutachten doch einige Zweifel am Sinn einer Seilbahn herauslesen.

11. Eine Hochbahn vom Schänzle zur Altstadt

Eine nochmals andere Idee wird im Rathaus gar nicht verfolgt. Mit keiner Silbe erwähnt ist in all den Unterlagen eine Idee, die der Architekt Christian Ensinger und der Designer Herwig Schneider präsentieren. Sie schlagen vor, eine automatisierte Hochbahn vom Schänzle-Nord über den Rhein und durch die Rheingutstraße (Haltstelle an der HTWG) zur Laube und weiter über die Bodanstraße zum Bahnhof zu bauen. Die Idee wurde in den vergangenen Jahren schon mehrfach aufgeworfen, und die Befürworter bringen geringe Betriebskosten, hohe Sicherheit und eine Anbindung vieler Orte mit großen Passagieraufkommen vor. Eine Kostenschätzung oder eine unabhängige Aussage zur Machbarkeit gibt es noch nicht.

Was wo geplant ist

 

  • A - Mobilpunkt und Parkhaus Schänzle-Nord: 1800 Stellplätze für Autos, Fahrad- und E-Bike-Verleih, Autos für Kurzzeitnutzung (Carsharing), Fernbus-Bahnhof. Fertig etwa 2021.
  • B - Parkhaus Paradies-West: Bei der Schänzlehalle, bis zu 900 Stellplätze. Neue Buslinie in die Altstadt.
  • C - Tiefgarage Döbele: Wegen des schlechten Baugrunds rechnet die Verwaltung mit nur noch 900 Plätzen. Teils für die Bewohner des neuen Stadtquartiers, Rest öffentlich.
  • D - Wasserbus Schänzle-Altstadt: Der Steg am Bodenseeforum ist schon gebaut, E-Antrieb bevorzugt.
  • E - Ausbau des Seehas zur S-Bahn: Allenfalls für 2035. Probleme sind der eingleisige Engpass mit Rheinbrücke und die vielen Bahnübergänge.
  • F - Bahnhofplatz als Tram-Halt: Nach Umsetzung des C-Konzepts vielleicht Start einer Stadtbahn zur Uni, Fähre und nach Wollmatingen. Wegen Platznot und Kosten unwahrscheinlich.
  • G - Einfahrtssperren: Bei Überlastung Rotlicht mit Blitzer an der Europastraße, Gartenstraße, Reichenaustraße, Alte Rheinbrücke (rote Punkte auf dem Bild). Braucht Verkehrsmanagement mit Personal und Technik.

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