Konstanz Dauerstau in der Konstanzer Innenstadt: Wie die Stadt ihr Verkehrsproblem lösen möchte (Teil 1)

Parkplätze, S-Bahn, neue Buslinie - der Technische und Umweltausschuss berät über Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation. Die wichtigsten Ideen im ersten Teil unseres Überblicks.

An diesem Wochenende war es mal wieder so weit: Erster Advent, erster Samstag mit Weihnachtsmarkt, erster Spitzen-Verkehrstag in Konstanz. So deutlich wie selten wurde klar, dass Konstanz ein Problem hat. Lange Schlangen vor den Parkhäusern und am Nachmittag das Geduldsspiel rund um die Grenzübergänge. Auswege aus der Situation suchen Politik und Verwaltung mit einem neuen Anlauf: Dazu berät der Technische und Umweltausschuss in einer Sondersitzung über ein dickes Paket an Ideen und Maßnahmen, wie Konstanz kurz-, mittel- und langfristig aus der Staufalle fahren will. Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick.

1. Mehr als 3000 zusätzliche Auto-Stellplätze

Konstanz steht voraussichtlich vor dem größten Parkhaus-Bauprogramm jemals. Bisher gibt es entlang des Altstadtrings sowie auf dem Döbele rund 2750 Stellplätze, die meisten davon in Parkhäusern und Tiefgaragen. Diese Zahl will die Stadtverwaltung mehr als verdoppeln, wie aus den Planungsunterlagen hervorgeht. Demnach rechnen die Planer für das Döbele mit künftig 900 Stellplätzen in einer Tiefgarage. Viele von ihnen sind für die künftigen Bewohner des Quartiers bestimmt, aber die Zahl der öffentlichen Stellplätze (bisher 335, teils in der Nacht für Anwohner reserviert) wird steigen.

1800 Stellplätze sollen beim Mobilpunkt am Schänzle Nord entstehen, 1000 davon für Bewohner der neuen Gebäude sowie für Mitarbeiter der Betriebe. Und es soll ein weiteres Parkhaus mit bis zu 900 Plätzen bei der Schänzlehalle entstehen. Es soll nicht nur Besuchern von Sportveranstaltungen dienen, sondern ausdrücklich auch Tagesbesuchern, die hier dann auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können. Während das Döbele und auch das Riesen-Parkhaus am Schänzle Nord als gesetzt gelten, ist über den Neubau auf der Paradieser Seite auch wegen grundsätzlicher Fragen zum Thema Ökologie, Auto und Stadtentwicklung eine hitzige Debatte zu erwarten.

2. Größeres Angebot und gestaffelte Gebühren

Tagesbesucher sollen konsequent außerhalb der Altstadt parken und öffentlich weiterfahren. Der massive Ausbau der Parkmöglichkeiten außerhalb der Altstadt (mehr oder weniger entlang der Europastraße / Bundesstraße 33) soll eine Verkehrsverlagerung ermöglichen. Bisher allerdings wird der Großparkplatz am Bodenseeforum kaum genutzt, in den Pendelbussen zum Zentrum sitzen laut Stadtverwaltung im Schnitt gerade einmal 7,5 Fahrgäste. Jetzt sollen neue Tarife außerhalb der Altstadt Anreize setzen und Langzeit-Parker von der Fahrt in die Innenstadt abschrecken.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, dass das Parken im Zentrum immer teuer wird, je länger das Auto stehen bleibt. Bis drei Stunden soll es künftig sechs Euro, bis vier Stunden dann schon zehn Euro und dann für jede weitere Stunde fünf Euro kosten. Zugleich soll das Parken am Schänzle nur fünf Euro für den ganzen Tag kosten, einschließlich Busfahrt ins Zentrum. Keine Aussagen treffen die Unterlagen zur Frage, ob sich das Parken möglicherweise in Wohngebiete im Paradies oder in Petershausen verlagert. Bisher hatte die Stadtverwaltung eine Erhöhung der Parkgebühren auch deshalb kritisch gesehen, weil die Strafzettel gemäß Bußgeldkatalog so billig sind, dass manche das Risiko bewusst eingehen.

3. Die Stadt will aktiv Verkehrsmanagement betreiben

Wenn die Stadt dicht ist, werden Zufahrten für Besucher auch für längere Zeiträume gesperrt. Sprengstoff liegt auch im Begriff Verkehrsmanagement. Was bisher die die Verkehrskadetten leisten (für bis zu 250 000 Euro im Jahr) soll künftig die Technik erledigen. Zu den Ideen der Stadtverwaltung gehören fallweise auf Dauer-Rot geschaltete und Blitzer-überwachte Ampeln an wichtigen Innenstadt-Zufahrten.

Zu den Vorschlägen von Verkehrsplaner Stephan Fischer gehören elektronische Verkehrszeichen-Brücken über der Straße, die Fahrspuren mit einem roten Kreuz sperren, ähnlich wie in Tunnels. Sie sollen zugleich eine einfache Wegweisung zu noch freien Stellplätzen außerhalb des Altstadtrings bieten. Ebenalls empfohlen werden Pförtner-Ampeln, die den Autoverkehr anhalten und Busse vorfahren lassen. Die Anschaffungskosten von mehreren Millionen Euro können demnach mit Einsparungen bei den Verkehrskadetten verrechnet werden. Das System soll allerdings erst in Betrieb gehen, wenn die bis zu 3000 zusätzlichen Stellplätze geschaffen sind.

4. Bei Zoll-Stau kann die Stadt nicht viel machen

Der Ball liegt auch in Bern und Berlin. Die neuen Dokumente zeigen auch in bisher einmaliger Offenheit, dass die Zollabfertigung eine wesentliche Ursache für die Staus ist. Die Stadtverwaltung schlägt eine zweite Spur auf dem Autobahnzoll vor und einen Verzicht auf das Abstempeln der Grünen Zettel am Emmishofer Zoll. Während am großen Zoll einen zusätzliches Personal und ein Umbau nötig wären und die Schweiz beides bereitstellen müsste, wäre am Emmishofer Zoll Berlin am Zug. Laut den Unterlagen will die Stadt einen entsprechenden Antrag beim Bundesfinanzministerium stellen. Was aber kommt, ist ein Pavillon am Parkplatz Bodenseeforum. Dort sollen sich Schweizer direkt ihre Grünen Zettel abstempeln lassen können. Im Frühjahr 2018 soll der neue Service eingerichtet sein, sagte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn dem SÜDKURIER.

5. Neue Buslinien orientieren sich am tatsächlichen Bedarf

Das Liniennetz könnte sich in den nächsten fünf Jahren drastisch verändern. Die Stadtwerke untersuchen in mehreren Wellen im Jahr 2018, welche Busverbindungen gut nachgefragt sind, welche weniger und welche noch fehlen. Diese Quell-Ziel-Untersuchung ist ziemlich kompliziert, liefert aber sehr aussagekräftige Ergebnisse. Zu erwarten ist, dass nicht mehr alle Linien bis in die Innenstadt fahren und mache Passagiere künftig umsteigen müssen. Schon jetzt ist eine ganz neue Stadtbus-Linie in der Diskussion, die vom künftigen Mobilpunkt Schänzle-Nord über das mögliche künftige Parkhaus an der Schänzlehalle auf den Altstadtring führt.

Was wo geplant ist

 

  • A - Mobilpunkt und Parkhaus Schänzle-Nord: 1800 Stellplätze für Autos, Fahrad- und E-Bike-Verleih, Autos für Kurzzeitnutzung (Carsharing), Fernbus-Bahnhof. Fertig etwa 2021.
  • B - Parkhaus Paradies-West: Bei der Schänzlehalle, bis zu 900 Stellplätze. Neue Buslinie in die Altstadt.
  • C - Tiefgarage Döbele: Wegen des schlechten Baugrunds rechnet die Verwaltung mit nur noch 900 Plätzen. Teils für die Bewohner des neuen Stadtquartiers, Rest öffentlich.
  • D - Wasserbus Bodenseeforum-Altstadt: Der Steg am Bodenseeforum ist schon gebaut, E-Antrieb bevorzugt.
  • E - Ausbau des Seehas zur S-Bahn: Allenfalls für 2035. Probleme sind der eingleisige Engpass mit Rheinbrücke und die vielen Bahnübergänge.
  • F - Bahnhofplatz als Tram-Halt: Nach Umsetzung des C-Konzepts vielleicht Start einer Stadtbahn zur Uni, Fähre und nach Wollmatingen. Wegen Platznot und Kosten unwahrscheinlich.
  • G - Einfahrtssperren: Bei Überlastung Rotlicht mit Blitzer an der Europastraße, Gartenstraße, Reichenaustraße, Alte Rheinbrücke (rote Punkte auf dem Bild). Braucht Verkehrsmanagement mit Personal und Technik.

C-Konzept, Hochbahn, Wasserbus - in unserem zweiten Teil lesen Sie mehr über sechs weitere Ideen zur Verbesserung der Verkehrssituation in Konstanz.

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