Es ist ein anderer Anblick als noch vor Monaten. Das Gerüst vor den Vonovia Blöcken in der Schwaketenstraße 98 bis 104 ist abgebaut. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit sieht es aus, als erreiche die scheinbar endlose Sanierung in der Schwaketenstraße ein Ende. Trotzdem wird an den meisten Hauseingängen noch gearbeitet, Handwerker gehen aus und ein. Abgebaut sind auch die Badcontainer, die monatelang vor den Blöcken standen und die die Mieter nutzen sollten, während ihre Badezimmer saniert wurden.

Der Blick auf die Vonovia-Blöcke im Jahr 2018: mit Baugerüst und Toilettencontainern.
Der Blick auf die Vonovia-Blöcke im Jahr 2018: mit Baugerüst und Toilettencontainern. | Bild: Oliver Hanser

Was immer noch nicht gemacht ist

Noch nicht erledigt sind Arbeiten an der Elektrik. Im Hauseingang 102 ist das sichtbar: Die Strangleitungen im Treppenaufgang sollen demnächst verputzt werden, berichtet Mieterin Sigrid Königsmark, außerdem müssen die Leitungen in den Wohnungen noch mit den neuen Strangleitungen verbunden werden. Zudem muss in allen Wohnungen die Rufanlage mit der Klingel verbunden werden. „Dafür gibt es schon Termine“, sagt Königsmark. Wieder ein Termin, an dem sie zuhause bleibt und sich nach den Handwerkern richtet. Im Haus 104 sind die Arbeiten bereits weiter vorangeschritten.

Die noch nicht verputzten Strangleitungen im Block Nummer 102.
Die noch nicht verputzten Strangleitungen im Block Nummer 102. | Bild: Oliver Hanser
In der Schwaketenstraße 104 haben die Handwerker die Elektroleitungen bereits verputzt.
In der Schwaketenstraße 104 haben die Handwerker die Elektroleitungen bereits verputzt. | Bild: Oliver Hanser

Welche Miete jetzt gefordert wird

Im Moment bezahlen Mieter noch eine um 20 Prozent geminderte Miete, darauf hatten sich Vonovia und der Mieterbund geeinigt. Bei Matthias Oehlschläger wurde aber bereits die 100-Prozent-Miete für Oktober wieder abgebucht. Er legte Widerspruch ein und kontaktierte den Bauleiter. Dieser sagte zu, dass es bei der geminderten Miete bleibe, solang die Arbeiten nicht komplett abgeschlossen seien.

Mieter bangen wegen der Mieterhöhung

Dramatischer ist das Thema Mieterhöhung. Den Bewohnern ist bereits vor der Modernisierung mitgeteilt worden, welchen Betrag sie voraussichtlich nach Ende der Sanierung zahlen müssen. Für Sigrid Königsmark, die in einer Zwei-Zimmer-Wohnung wohnt, wird die neue Miete um 200 Euro steigen. Matthias Oehlschläger muss für seine kleinere Wohnung 100 Euro mehr zahlen.

„Kein Mieter soll ausziehen müssen“

Königsmark macht sich Sorgen: „Für mich als alleinstehende Rentnerin ist das schwierig. Ich hoffe, dass für mich die Aussage gilt, dass ältere Mieter nicht ausziehen müssen“, ergänzt sie. Vonovia-Vorstandsvorsitzender Rolf Buch hatte in einem Interview gesagt, kein älterer Mieter solle nach einer Sanierung ausziehen müssen, wenn ihm die Zahlung Probleme bereite.

Was das mit den Bewohnern macht

Der Rückblick offenbart nicht viel Positives. Königsmark nimmt der Firma Vonovia vor allem übel, dass Absprachen so häufig nicht eingehalten worden seien. So hatte Vonovia zugesagt, dass die Mieter ihre Balkonmöbel in Containern zwischenlagern können, während die Balkone saniert wurden.

Sigrid Königsmark auf dem fertig sanierten Balkon. Die Fenster sind energetisch saniert, die Mieter kritisieren aber, dass sie kleiner sind als früher.
Sigrid Königsmark auf dem fertig sanierten Balkon. Die Fenster sind energetisch saniert, die Mieter kritisieren aber, dass sie kleiner sind als früher. | Bild: Oliver Hanser

„Die Container hat es nie gegeben“, sagt Sigrid Königsmark. Sie habe ihre Möbel im Keller untergestellt. Irgendwann entdeckte sie, dass die Schränke, die sie dort lagerte, verschwunden waren. Eine Entsorgungsfirma hatte sie versehentlich mitgenommen. „Das hat mich sehr geärgert“, sagt Königsmark.

Zweieinhalb Monate zum Sanieren der Bäder

„Das Highlight war die Badsanierung“, sagt Matthias Oehlschläger mit bitterer Ironie. „Elf Tage Bauzeit waren angekündigt, gedauert hat es zweieinhalb Monate“, erinnert er sich. Der lange Zeitraum ohne Bad und Toilette gehören für ihn zu den belastendsten Momenten. Als unangenehm empfinde er auch die vielen Termine, die er mit Handwerkern vereinbaren müsse. Das geschehe auch jetzt noch. „Oft musste ich dafür Urlaub nehmen.“

Erleichtert sind die beiden, dass das meiste geschafft ist. „Es war ein großes Glück, als das Gerüst abgebaut wurde“, sagt Königsmark, „endlich hatten wir wieder Licht“. Auch Freiheit, Freiheit vom Baulärm und die Freiheit, die eigene arbeitsfreie Zeit wieder nach eigenem Geschmack gestalten zu können.

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Was Vonovia dazu sagt

Die Mieten sollen in diesem Jahr nicht mehr erhöht werden, schreibt Vonovias Pressesprecherin Bettina Benner auf Anfrage. Allerdings sollen die Mieter ab November wieder die volle Miete zahlen. Deutlich positioniert sich das Immobilienunternehmen bei der Frage der Mieterhöhung: Welcher Mieter welchen Mehrbetrag künftig zahlen müsse, könne Vonovia pauschal nicht sagen. Es bleibt beim Versprechen: „Kein Mieter soll wegen der Mietanpassung nach der Modernisierung seine Wohnung verlieren“.

Höchste Priorität habe die Fertigstellung der restlichen Baumaßnahmen. Die Elektro- und die Malerarbeiten im Treppenhaus sollen im November abgeschlossen werden, ebenso die Abarbeitung der Mängel. Ab diesem Zeitpunkt gebe es auch keinen Grund mehr für eine Mietminderung.

Fehler, die Vonovia einräumt

Wie begründet Vonovia die vielen Pannen? Der Ausgangspunkt der Sanierung sei der Legionellenbefall in den Leitungen gewesen, schreibt Pressesprecherin Benner. Vonovia habe sich dann entschlossen, umfassend zu sanieren, inklusive der Dämmung der Fenster, Türen und der Fassade – danach sollten die Mieter Ruhe haben. Im Bauablauf habe es manchmal gehakt, räumt Benner ein. So habe die Strangsanierung in den Wohnungen länger gedauert, Fenster wurden anders als geplant alle an einem Tag geliefert. „Für all diese Unannehmlichkeiten bitten wir um Nachsicht.“ Vonovia arbeite daran, die Arbeitsabläufe zu verbessern.

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