Schon wieder haben Zollbeamte die Vonovia-Baustelle in der Schwaketenstraße kontrolliert und mehrere Verstöße festgestellt – zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Diesmal seien es mindestens 15 Zöllner „in voller Montur mit Schutzwesten und Waffen“ gewesen, erinnert sich Corina Jäger. Sie wohnt in einem der Gebäude, die seit Mitte 2018 saniert werden, und bildet mit vier anderen Mietern eine Initiative, um auf die aus ihrer Sicht schlechten Wohnbedingungen aufgrund der Baustelle hinzuweisen.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit habe die Bauarbeiter am Mittwoch überprüft, schreibt das Hauptzollamt Singen in einer Pressemitteilung: „Die Zöllner trafen dabei auf der Baustelle wieder neun illegale Beschäftigte an.“ Ihnen fehlten gültige Aufenthaltstitel, ohne die sie in Deutschland nicht arbeiten dürften. Die betroffenen Arbeiter seien dem Ausländeramt übergeben worden und müssten Deutschland verlassen, heißt es weiter.

Bereits am 1. August hatte der Zoll die Baustelle kontrolliert und „über 30 Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Ausländerrecht“ eingeleitet.

Vonovia: Von nichts gewusst

Bei dem Wohnkonzern Vonovia will man von den Versäumnissen der beauftragten Baufirmen nichts gewusst haben. „Wir wussten vor den Kontrollen nicht, dass dort Menschen illegal arbeiten“, teilt Vonovia-Pressesprecherin Bettina Benner auf Anfrage mit. Man verurteile das und werde die Untersuchungen „vollumfänglich unterstützen“, ergänzt sie.

Die beiden Vonovia-Gebäude in der Schwaketenstraße, die derzeit saniert werden. Beim dem Haus auf der linken Seite mit den Nummern 104 bis 108 wurde das Gerüst teilweise bereits entfernt. Das Haus rechts daneben mit den Nummern 98 bis 102 ist noch eingerüstet.
Die beiden Vonovia-Gebäude in der Schwaketenstraße, die derzeit saniert werden. Beim dem Haus auf der linken Seite mit den Nummern 104 bis 108 wurde das Gerüst teilweise bereits entfernt. Das Haus rechts daneben mit den Nummern 98 bis 102 ist noch eingerüstet. | Bild: Jonas Schönfelder

Vonovia habe für Bauarbeiten, die der eigene technische Dienst nicht selbst ausführen könne oder für die er nicht genügend Kapazitäten habe, externe Fachunternehmen beauftragt. Ein Subunternehmen aus dem Bereich Fassadendämmung habe wiederum einen Personaldienstleister beauftragt, um das Fehlen eigener Arbeitskräfte auszugleichen, erklärt Benner. Laut aktuellem Wissensstand seien alle illegal Beschäftigten bei diesem einen Subunternehmen angestellt gewesen, schreibt sie.

Vonovia gibt Subunternehmen die Schuld

Bei der Frage nach der Verantwortung verweist Vonovia auf die beauftragten Subunternehmen. Alle beauftragten Firmen müssten sich zur Einhaltung der Allgemeinen Vertragsbedingungen für Bauleistungen verpflichten. In dem Dokument, das auch auf der Internetseite des Wohnungsunternehmens einsehbar ist, heißt es unter anderem: „Der Auftragnehmer trägt die volle Verantwortung in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht, dass bei der Baumaßnahme keine illegalen Arbeitskräfte beschäftigt werden und keine Schwarzarbeit (...) geleistet wird.“

Welche Konsequenzen zieht Vonovia aus dem Fall?

„Wenn ich jemanden beauftrage, muss ich davon ausgehen, dass Verträge eingehalten werden“, ergänzt Pressesprecherin Benner. Man habe „die Arbeit mit diesen Firmen beendet.“ Die betroffenen Firmen und mögliche Subdienstleister würden außerdem von neuen Vergaben ausgeschlossen werden.

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Zudem habe Vonovia veranlasst, dass die externen Firmen die Unterlagen über ihr Personal vor Baubeginn zur Prüfung zur Verfügung stellten, so Benner. So solle in Zukunft sichergestellt werden, dass sich nur legales Personal auf den Vonovia-Baustellen befindet.

Die Nachfrage des SÜDKURIER, ob Vonovia vor den Zoll-Kontrollen die externen Arbeitskräfte überprüft hat, bleibt unbeantwortet.

Zoll ermittelt weiter

„Es werden weitere Ermittlungen stattfinden“, sagt der Pressesprecher des Hauptzollamts Singen, Mark Eferl. Dafür würden auch Geschäftsunterlagen der betroffenen Bauunternehmen ausgewertet, was aber eine gewisse Zeit dauere. Ein Baustopp sei nicht verhängt worden, wozu der Zoll rechtlich auch gar nicht in der Lage sei, betont Eferl.

Wann wird die Baustelle fertig?

Ob der geplante Termin für das Ende der Baustelle eingehalten werden kann, ist fraglich. Vonovia plant mit einer Fertigstellung der rund 10 Millionen Euro teuren Sanierung im Spätsommer, der kalendarisch am 22. September endet. Wie Vonovia schriftlich mitteilt, seien die Fassadenarbeiten an den Häusern mit der Nummer 98, 100 und 102 bereits abgeschlossen.

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Anwohnerin Corina Jäger bestreitet das und zeigt dem SÜDKURIER bei einem Termin vor Ort die Fassade des Hauses 102, die noch nicht vollständig mit Dämmwolle beklebt sei. Sie glaubt nicht an ein zeitnahes Ende der Bauarbeiten: „Nach der Fassade geht es erst richtig los“. Sie verweist auf offen sichtbare Stromleitungen in den Fluren und unsaubere Arbeiten an der Fassade, die noch ausgebessert werden müssten.