Die Menschen in der Adenauerstraße in Litzelstetten glaubten ihren Ohren kaum. „Ich habe meinen Mann gefragt, woher denn die Musik kommt“, erzählt Gisela Geiger. Der wusste im ersten Moment auch keine Antwort. Dann erkannten die beiden Beethovens „Ode an die Freude“ aus dem Schlusssatz der berühmten Neunten Sinfonie und eilten auf den Balkon. Ein Stockwerk drüber standen Ramona und Uwe Schmid und spielten das Stück. Immer mehr Menschen kamen nach draußen und lauschten andächtig – und applaudierten den Nachbarn. Ein musikalisches Zeichen der Hoffnung.

Video: Schuler, Andreas

„Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt“, heißt es in dem Text, den Friedrich Schiller verfasste. Angesichts von Mindestabstand aufgrund der Corona-Krise derzeit eine symbolische Aussage. Die geplante Aktion „Musiker*innen für Deutschland„, initiiert von den deutschen Musikverbänden, will zum Musizieren anregen und den Menschen Mut schenken. Einige Konstanzer Musikvereine beteiligten sich daran – und ernteten großen Applaus von den Mitmenschen, die die Kurzkonzerte von ihren Balkonen verfolgten. „Vielleicht machen wir das jeden Sonntag“, erzählte Uwe Schmid. Seine Frau hatte sichtlich Spaß an der Aktion. „Ich hatte nicht mal Zeit zum Üben“, sagte sich lachend. Die Nachbarn lachten auf ihren Balkonen laut mit. Was für ein schöner Moment in dieser so traurigen und surrealen Zeit.