Die Ergebnisse der Baugrundübersichtserkundung für die erste Erweiterung des Bebauungsplans Josenberg-Kratellen in Kalkofen wurden in der Hohenfelshalle Liggersdorf mit Spannung erwartet. Denn eine mögliche Bebauung dort ist umstritten und die Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet. Eines ihrer Argumente: Der Grund sei nicht zur Bebauung geeignet, da der Josenberg rutsche.

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Diplom-Geologe und Projektleiter Thomas Veigel von der Firma HPC aus Radolfzell informierte den Gemeinderat und die interessierten Zuhörer. Er kam zu dem Schluss, dass am Josenberg ähnliches Bodenmaterial wie vielerorts in der Region vorliege und betonte, aus Sicht seines Unternehmens sei bei normaler Wohnbebauung kein Einfluss auf die bestehende Bebauung zu erwarten. Auch Grundwasserströme würden sich nicht ändern, da bei den Probeschürfen kein Grundwasser angetroffen wurde.

Bild: privat

Wie die Erkundung abgelaufen ist

Der Experte erläuterte das Vorgehen der Erkundung. Das 1,96 Hektar große geplante Baugebiet am östlichen Ortsrand von Kalkofen sei in ein grobes Raster geteilt worden. Für die elf Schürfe kam ein schmaler Bagger auf Gummiketten zum Einsatz, um den Flurschäden klein zu halten. Jeder Schurf wurde eine Zeit lang offengelassen, um beurteilen zu können, ob sich Sickerwasserschichten zeigen, und wie sich der Boden verhält.

Aus den einzelnen Schichten wurden Bodenproben entnommen. Wenn möglich, ziehe man Schürfe Bohrungen vor, erklärte Veigel: „Sie sind günstiger als Bohrungen und ich bekomme einen wesentlich größeren Aufschluss. Ich sehe im Gegensatz zur Bohrung unkomprimiert die Bodenschichtung.“

Anwohner am Josenberg in Kalkofen haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie wollen die Erweiterung des Bebauungsplans und damit eine mögliche Bebauung am Hang verhindern. Dieses Bild entstand im Januar 2020.
Anwohner am Josenberg in Kalkofen haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie wollen die Erweiterung des Bebauungsplans und damit eine mögliche Bebauung am Hang verhindern. Dieses Bild entstand im Januar 2020. | Bild: Löffler, Ramona

Die Ergebnisse der Untersuchung

Der Baugrund bestehe aus Mutterboden, einer Verwitterungsschicht, der Grundmoräne (Gletscherablagerungen) und enthalte im nordöstlichen Bereich Schotter, so Veigel. „Bei den vorhandenen Böden muss mit der Bildung von Stau- und Schichtenwasser bis zur Geländeoberkante gerechnet werden. Die planmäßige Versickerung von Niederschlagswasser ist nicht möglich“, heißt es in dem Bericht.

Auf Nachfrage aus dem Gremium sagte Thomas Veigel, bei feinkörnigen Böden fließe Niederschlagswasser oberflächlich ab. Grundsätzlich sei eine Versickerung in den Kiesflächen möglich. „Aber wo fließt das Wasser hin? Wir kennen das Volumen der Kiesrinne nicht“, gab er zu bedenken.

Gemeinderat Karlheinz Lehmann fragte, ob Zisternen verpflichtend sein sollten und man damit nicht dem Hang einen Gefallen täte. Eine Zisterne sei nur ein Zwischenspeicher, sie diene nicht der Versickerung, erklärte Veigel. Die Auswirkungen auf die geotechnischen Eigenschaften des Hangs durch Zisternen seien vernachlässigbar.

Boden stabil für eine Bebauung

Thomas Veigel wies noch darauf hin, dass die Bodenschichten überwiegend nicht frostsicher seien, was beim Straßenbau berücksichtigt werden müsse. Außerdem sei für den Wiedereinbau von fein- und gemischtkörnigen Böden mit hohem Feinkornanteil unter Verdichtungs- und Tragfähigkeitsanforderungen eine Verbesserung durch entsprechende Bindemittel erforderlich. Zur Standsicherheit des Berges sagte Veigel, bei diesen Böden und dem Gefälle sehe er keine Gefahr eines Grundbruchs. Auch um die Druckverhältnisse brauche sich niemand sorgen. Die Schwere des Baus im Falle von Einfamilienhäusern sei kein Problem.

Der Blick vom Josenberg auf Kalkofen. Die Bodenwellen am Hang weisen laut den Anwohner darauf hin, dass dieser rutschen kann. Dieses Bild entstand im Januar 2020.
Der Blick vom Josenberg auf Kalkofen. Die Bodenwellen am Hang weisen laut den Anwohner darauf hin, dass dieser rutschen kann. Dieses Bild entstand im Januar 2020. | Bild: Löffler, Ramona

Anwohner macht Schürfe für Schäden verantwortlich

22 Tage nach den Baggerschürfen wurde aus dem angrenzenden Wohngebiet ein Schaden in Form von abgeplatztem Deckenputz gemeldet. Laut HPC besteht aber kein kausaler Zusammenhang zwischen den Schürfen und dem Schadbild im Gebäude am Josenberg. Thomas Veigel bedauerte den Schaden, hob aber hervor, dass beim Herstellen und Verfüllen der Schürfe keinerlei Arbeiten ausgeführt worden seien, bei denen Erschütterungen erzeugt worden seien, die schädliche Einwirkungen auf ein Gebäude gehabt haben könnten.

Gemeinderat Günter Leute erklärte, auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche würden Räder eines Traktors einen wesentlich höheren Bodendruck erzeugen als die Baggerketten. „Da müsste schon lang durch die landwirtschaftlichen Geräte ein Schaden entstanden sein.“ Die Erschütterung durch Räder sei deutlich höher und die Fahrzeuge führen viel dichter an die Gebäude heran.

Bürgerinitiative lässt eigenes Gutachten erstellen

Anwohner sagten, ein von ihnen beauftragter Gutachter habe sein Gutachten noch nicht fertiggestellt. Bürgermeister Florian Zindeler antwortete, Verwaltung und Gremium seien offen und würden sich dann ein Bild von dem anderen Gutachten machen. Er fasste zusammen, die grundsätzliche Einschätzung des Gebiets sei gut. Man sei dadurch einen Schritt weiter. Jetzt könne man sich mit dem städteplanerischen Bereich befassen, einen Entwurf erarbeiten und später mit den Bürgern in den Diskurs gehen.