Unaufhörlich frisst sich der Bohrkopf durch den Untergrund vor Liggersdorf. „Im Moment sind wir auf einer Tiefe von zehn Metern“, sagt Bohrmeister Hansjürgen Furth von der Firma Max Wild. Meter für Meter schiebt sich der Spülkopfbohrer nach vorne und schafft somit Platz für die Hauptleitung für den Erdgasanschluss zwischen Mindersdorf und Liggersdorf. Auch Bürgermeister Florian Zindeler ist an diesem Morgen auf der Baustelle vor Ort, um sich einen Überblick über den Fortgang der Arbeiten zu verschaffen. Zufrieden nickt er: „Wir liegen mit allen Arbeiten im Zeitplan. Es gibt keine Probleme beim bisherigen Ablauf“, betont er.

Ein Blick zurück

Im Februar hat ein Bagger bei den Geigeshöfen den Anfang für die Verlegung der Erdgasleitung nach Mindersdorf gemacht. Nur wenige Monate zuvor – im September 2018 – hatten Bürgermeister Zindeler und die Thüga Energienetze einen Konzessionsvertrag bis 2039 unterschrieben. Dieser besagt, dass bis 2021 rund 20 Kilometer Erdgasleitungen in den Ortsteilen verlegt werden sollen, die eine Heizung mit Erdgas in allen Haushalten ermöglichen. Eine Besonderheit dabei: Im Ortsteil Deutwang wurden von der Gemeinde im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt bereits rund 2000 Meter Netz vorverlegt, die nun von der Thüga Energienetze übernommen wurden. „Es wäre ein Frevel gewesen, wenn wir die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt nicht genutzt hätten“, erklärt Zindeler. Für alle anstehenden Arbeiten wird die Thüga laut Rainer Gehl, stellvertretender technischer Leiter Energienetze bei der Thüga, einen kleinen einstelligen Millionenbetrag investieren.

Aktuell werden durch den Einsatz eines Spülkopfbohrers die Leitungen für den Erdgasanschluss von zwischen Mindersdorf und Hohenfels verlegt.
Aktuell werden durch den Einsatz eines Spülkopfbohrers die Leitungen für den Erdgasanschluss von zwischen Mindersdorf und Hohenfels verlegt. | Bild: Matthias Güntert

„Ziel ist es in diesem Jahr, dass Mindersdorf und Deutwang versorgt sind“, sagt Bürgermeister Florian Zindeler. In Mindersdorf finde gerade der Ausbau von Nebenstraßen und das Herstellen von Hausanschlüssen statt. „Die Hauptleitungen sind dort verlegt“, so Zindeler. Das Gleiche gelte für Deutwang. Derzeit wird die Hauptleitung nach Liggersdorf verlegt. Laut Bohrmeister Hansjürgen Furth werde dafür mithilfe eines Spülkopfbohrers Erdreich rausgespült. „Wir haben zwei Gruben ausgehoben, eine Anfangsgrube und die Zielgrube, und arbeiten uns nun Stück für Stück nach vorne“, so Furth. Der bereits bestehende Kanal werde so von 170 Millimeter auf 300 Millimeter vergrößert, um Platz für alle Leitungen zu schaffen.

So geht es weiter

Laut Bürgermeister Florian Zindeler werde der Schwerpunkt 2020 in Liggersdorf liegen. „2021 sind dann Kalkofen und Selgetsweiler an der Reihe“, so Zindeler weiter. Reiner Gehl zeigte sich auf SÜDKURIER-Nachfrage optimistisch, dass die Arbeiten bis 2021 fertig sein sollen. Dies untermauerte auch der Hohenfelser Rathauschef: „Das Ziel 2021, alle Hauptleitungen samt dem größten Teil der Anschlüsse realisiert zu haben, halte ich nach wie vor für realistisch.“ Reiner Gehl ergänzt: „Der Fertigstellungstermin kann eingehalten werden. Die Akzeptanz für die durch die Bauarbeiten entstehenden Unannehmlichkeiten der Bürger von Hohenfels ist nach meiner Einschätzung sehr hoch. Es wird überall Verständnis für die Bauarbeiten gezeigt.“

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Glasfaser gleich mit

Der Ausbau des Erdgasnetzes wird laut Bürgermeister Florian Zindeler einen weiteren Vorteil bieten: Denn im Zuge dessen werden die restlichen Lehrrohre für einen leistungsstarken Glasfasernetzausbau verlegt. „So schaffen wir Synergien“, sagt Zindeler. Soll heißen: Wenn die Straße schon aufgerissen wird, soll so viel Infrastruktur im Untergrund bedacht werden, wie möglich. „Alles andere wäre ein Schildbürgerstreich“, sagt er. Aktuell könnten 45 Prozent aller Haushalte bereits schnelleres Internet bestellen, 55 Prozent würden allerdings noch fehlen. Besonders betroffen davon sind laut Zindeler Kalkofen, Selgetsweiler und Mindersdorf. Am Ende wird die Gemeindeverwaltung zwischen vier und fünf Millionen Euro für den Ausbau des Glasfasernetzes aus eigener Tasche investiert haben. „Wir haben dort aber eine Verantwortung, die diese Ausgabe rechtfertigt“, macht Zindeler deutlich.

600 Anschlüsse wären möglich

Reiner Gehl von der Thüga rechnet vor, dass die Energienetze nach Fertigstellung des Erdgasausbaus rund 600 Anschlüsse ermöglichen könnte. Derzeit liegen bereits 80 Anträge hierfür vor. 250 sind in der ersten Ausbaustufe geplant. In Sachen Glasfaser könnten im derzeitigen Ausbau rund 400 Bürger an das Netz angeschlossen werden. Über 200 Bestellung gibt es schon jetzt, so Bürgermeister Florian Zindeler.

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Wenn die Straße auf ist

Florian Zindeler spricht davon, dass noch weitere Kosten auf die Gemeindeverwaltung zukommen könnten. „Der Gemeinderat muss im Einzelfall überlegen, ob man bei einer bereits offenen Straße etwaige Sanierungen an den Wasserleitungen oder an den Kanälen vornimmt“, sagt er. Dadurch könne man Kosten einsparen, denn man müsse nicht noch einmal graben. „Das wird uns vielleicht den ein oder anderen Euro mehr kosten, aber es macht Sinn, solche Arbeiten zu verbinden.“

Zindeler steht hinter dem Projekt

Florian Zindeler freut sich indes auf die Fertigstellung der Maßnahmen im Zuge des Erdgasanschlusses. Denn sie würden auch dafür sorgen, das Hohenfels als Zuzugsort attraktiv werde. „Wir müssen es schaffen, dass der ländliche Raum dem urbanen Stadtbereich in Sachen Infrastruktur in nichts nachstehen muss.“ Er sei sich sicher, dass es wichtig ist, solch ein Angebot gerade für junge Familien zu schaffen. „So bleiben wir auf dem Markt attraktiv.“