Im Fotoalbum des Worblingers Eberhard Oser kann man es genau sehen: Wie rote Pfeile schießen die Red Arrows vor der Kulisse des Hohentwiel in die Höhe. Dann separieren sich zwei Flugzeuge der englischen Kunstflugstaffel und malen ein weißes Herz an den Himmel. Mit beigegebenen Paraffinöl können Farbstreifen am Horizont erzeugt werden. Der begeisterte Flieger erinnert sich genau an die 1980er Jahre, als die Flugtage bis zu 25 000 Besucher anlockten. Es hatte sich ein Rhythmus von zwei Jahren eingestellt, in dem die Hilzinger ihre internationalen Flugtage veranstalteten. Treibende Kraft war damals der im Juli 2011 verstorbene Dietmar Geistmann, der den SÜDKURIER regelmäßig mit Bildern aus der Luft versorgt hatte.

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Angefangen hatte alles jedoch bereits 1965. Der Lehrer und passionierte Hobbyflieger pilgerte von Flugschau zu Flugschau, um interessante Gäste für den Flugtag in Hilzingen zu gewinnen. Bei Geistmann lernte auch Eberhard Oser das Segelfliegen. „Ich war schon immer fasziniert vom Fliegen“, erzählt er.

Eberhard Oser (hier mit seinem Segelflugzeug) hat das Fliegen schon zu seinem Hobby gemacht. In Hilzingen lernte er das Segelfliegen. 1984 half er beim Flugtag beim Würstchengrillen. Später saß er bei den Großveranstaltungen im Tower.
Eberhard Oser (hier mit seinem Segelflugzeug) hat das Fliegen schon zu seinem Hobby gemacht. In Hilzingen lernte er das Segelfliegen. 1984 half er beim Flugtag beim Würstchengrillen. Später saß er bei den Großveranstaltungen im Tower. | Bild: Tesche, Sabine

1984 kam er zum Hilzinger Verein, dem er bis heute eng verbunden ist. „Ich bin zum ersten Mal in den Urlaub geflogen. Und gleich darauf erlebte ich einen Flugtag in Hilzingen. Damals habe ich beschlossen, fliegen zu lernen.“ Rund 2500 Flugstunden hat er seither absolviert. Über die ehrenamtlichen Stunden im Verein, als Helfer bei den Flugtagen und Festen ist es wohl schwer Buch zu führen.

Eberhard Oser war schon in den 1980er Jahren flugbegeistert. Hier befindet er sich auf dem Flughafen in Basel.
Eberhard Oser war schon in den 1980er Jahren flugbegeistert. Hier befindet er sich auf dem Flughafen in Basel. | Bild: privat

Aber Oser erinnert sich an seinen ersten Flugtag im Jahr 1986. „Ich war ganz neu im Verein und am Grill eingeteilt. Ich durfte Würste anritzen“, erzählt er. „Ausgerechnet als die Red Arrows aufstiegen, wollte jemand eine Grillwurst kaufen. Doch am Wurststand war Pause. Alle wollten ja das Schauspiel am Himmel verfolgen. Wir auch.“ Den Platz am Grill konnte Oser schon bald gegen andere Aufgaben eintauschen, und so landete er schließlich auch im Tower.

1986 malen die Flieger der englischen Kunstflugstaffel Red Arrows mit farbigen Kondensstreifen Bilder über den Hegauer Himmel.
1986 malen die Flieger der englischen Kunstflugstaffel Red Arrows mit farbigen Kondensstreifen Bilder über den Hegauer Himmel. | Bild: Markus von Wischetzki

Die Flugtage wurden bei den Flugzeugfans immer beliebter. Aber es gab auch Gegner, die mit dem Rummel um die rasanten Himmelsstürmer und den Lärm nichts anfangen konnten. Das Unglück in Ramstein im August 1988 mit 70 Toten, als auf der US-Airbase bei Kaiserslautern ein brennendes Flugzeug in die Menschenmenge stürzte, veränderte auch die Hilzinger Flugtage. In Deutschland wurde der Verbandskunstflug für militärische Kunstflugstaffeln verboten. Die Zahl der Gegner wuchs.

Es wirkt, als setze die Transall auf dem Gipfel des Hohentwiel auf. Das Foto entstand 1986 bei den Flugtagen in Hilzingen.
Es wirkt, als setze die Transall auf dem Gipfel des Hohentwiel auf. Das Foto entstand 1986 bei den Flugtagen in Hilzingen. | Bild: Markus von Wischetzki

Aus dem Internationalen Flugtag wurde zuerst ein Flugtag, dann ein Flugplatzfest und schließlich ein Drachenfest. „Der letzte Flugtag mit Programm in Hilzingen fand 2013 statt“, berichtet Oser. „Aufgrund steigender Vorschriften seitens des Regierungspräsidiums war es uns einfach nicht mehr möglich einen Flugtag durchzuführen.“ Die Zeiten der Warbirds Messerschmidt Bf-109, Spitfire, Mustang und Corsair waren vorbei. Ab 1990 wurden immer mehr Oldtimer aus Motor- und Segelflug eingeladen.

Historische Flugzeuge, wie diese Messerschmidt Bf-109, waren für die Besucher bei der Flugschau in Hilzingen hochinteressant. Das Gelände der Segelflieger Singen-Hilzingen war gut besucht. Zu den Flugtagen kamen bis zu 25 000 Zuschauer.
Historische Flugzeuge, wie diese Messerschmidt Bf-109, waren für die Besucher bei der Flugschau in Hilzingen hochinteressant. Das Gelände der Segelflieger Singen-Hilzingen war gut besucht. Zu den Flugtagen kamen bis zu 25 000 Zuschauer. | Bild: Markus von Wischetzki

Bis heute profitiert der Verein von den Einnahmen aus den großen Flugschauen. Zwei Hallen konnten gebaut und fünf Segelflugzeuge und ein Motorsegler angeschafft werden. „So ein Flugzeug ist reine Handarbeit“, weiß der erfahrene Flieger und hat sich selbst schon die Fingerkuppen blutig geschmirgelt, weil die Oberfläche spiegelglatt sein muss. Der Hilzinger Verein hat heute 70 Mitglieder, davon 15 Jugendliche. Bereits mit 14 können Flugschüler das Fliegen lernen; mit 16 dürfen sie schon ihre Lizenz erwerben. „Für die zweijährige Ausbildung bis zum ersten Alleinflug verlangen wir eine Jugend-Pauschale von 400 Euro“, sagt Oser. Die gesamte Ausbildung läuft ehrenamtlich.

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