Als „städtebaulichen Sündenfall“ bezeichnete Bürgermeister Michael Klinger das Baugesuch von Thomas Brachat für ein Sechsfamilienhaus auf dem Gelände des Gasthofs Löwen im Gottmadinger Ortsteil Ebringen. Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Auch die Verwaltung hält den kubischen Baukörper mit Flachdach nicht für dorfgerecht. Und die Mehrheit der Mitglieder im Technik- und Umwelt-Ausschuss sieht das genauso.

Der Wirtshaus-Ausleger schmückt das Haus in der Thaynger Straße 7 in Ebringen und zeugt von einer langen Tradition des Löwen. Einen modernen Anbau mit Flachdach können sich die Gottmadinger Gemeinderäte an dieser Stelle nicht vorstellen.
Der Wirtshaus-Ausleger schmückt das Haus in der Thaynger Straße 7 in Ebringen und zeugt von einer langen Tradition des Löwen. Einen modernen Anbau mit Flachdach können sich die Gottmadinger Gemeinderäte an dieser Stelle nicht vorstellen. | Bild: Trautmann, Gudrun

Der Bauherr gibt sich verhandlungsbereit

Offenbar hatte es im Vorfeld der Sitzung schon ziemlich viele Gespräche zwischen dem Bauamt und dem Bauherren gegeben. Das zeigte sich in der Wortmeldung in der Bürgerfragestunde, in der sich der Investor Thomas Brachat zu Wort meldete und sich für weitere Änderungen offen zeigte. „Ich bin nicht fixiert auf diese Bauform“, sagte Brachat. „Ich warte auf Vorschläge der Verwaltung.“ Doch das, so Michael Klinger sei nicht Aufgabe der Verwaltung, sondern die des Architekten.

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Wohungsbau nicht um jeden Preis

Worum geht es? Das Gasthaus Löwen nimmt eine ziemlich prominente Stellung am Ortseingang von Ebringen ein. Das Dorf mit seinen etwas mehr als 200 Einwohnern ist gekennzeichnet durch zahlreiche ältere Gebäude mit Satteldächern und neueren Einfamilienhäusern mit ähnlichen Dachformen. Etliche ältere Gebäude bestehen aus einem Haupthaus mit angebautem Ökonomieteil. So stellt sich auch die Situation beim Löwen dar. Nun soll der Ökonomieteil abgerissen und durch einen kubischen Anbau mit Flachdach ersetzt werden. Sechs Wohnungen möchte der Investor in diesem Neubau unterbringen. Angesichts des knappen Angebots an Wohnraum käme das den Gemeinderäten sehr entgegen. Allerdings nicht um jeden Preis.

Würde ein moderner Flachbau die Dorfidylle in Ebringen stören? Die Mehrheit der Mitglieder im Ausschuss für Technik und Umwelt sieht den Dorfcharakter in Gefahr.
Würde ein moderner Flachbau die Dorfidylle in Ebringen stören? Die Mehrheit der Mitglieder im Ausschuss für Technik und Umwelt sieht den Dorfcharakter in Gefahr. | Bild: Trautmann, Gudrun

Was sich einfügt, ist zu einem Teil auch eine Geschmacksfrage

Weil es für das Gebiet in dem gewachsenen Dorf keinen Bebauungsplan gibt, muss der Gemeinderat nach Paragraph 34 entscheiden. Der besagt, dass sich das neue Gebäude in die Umgebung einfügen muss. Aus Sicht der Verwaltung ist das nicht gegeben. „Der Baukörper ist höher als alles, was es sonst in Ebringen gibt“, erklärte der Bauamtsleiter Urban Gramlich den Gemeinderäten. Und auch das Flachdach wäre eine Ausnahme im Dorf. Die genehmigende Behörde im Landratsamt sei da offener, räumt Gramlich ein.

Für Gemeinderat Walter Beyl (FWG) steht jedoch fest: „Das passt nicht in das idyllische Ebringen.“ Und auch Bernhard Gassner (SPD/UL) teilt die Meinung der Verwaltung, dass das Gebäude im Eingangsbereich des Dorfes wie ein Fremdkörper wirken werde. „Wenn wir das so laufen lassen, brauchen wir über weitere Gestaltungen nicht mehr zu diskutieren“, wird Michael Klinger ganz ernst und schlägt vor, für das Gelände einen Bebauungsplan aufzustellen. Das würde den Baubeginn deutlich verzögern. Bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung lehnten die Räte den Bauantrag ab.

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