Wenn die Eichendorff.Schüler und -lehrer im Spätsommer in das neue Schulhaus umgezogen sind, wird ein Gelände im Dorf frei, das jede Menge Möglichkeiten für den dringend erforderlichen Wohnungsbau bietet.

Aber wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Das weiß die Gottmadinger Stadtplanung ebenso wie der Gemeinderat. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, die Bürger in wichtige Projekte einzubinden. Dafür wurde die sogenannte Spurgruppe gebildet. Sie soll verschiedene Nutzungsformen und Anforderungen an das Gelände ausloten. So soll ein klareres Bild entstehen, welches Wohnkonzept für Gottmadingen sinnvoll ist.

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Virus bremst Spurgruppe aus

Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen zur Kontaktbeschränkung konnte die Spurgruppe jedoch nicht so häufig tagen wie gewünscht. 2020 fand kein Eichendorff-Café statt. Die Infoveranstaltung für Baugruppen wurde verschoben. Die Spurgruppe ist in Verzug. Um aber die bewilligten Fördermittel des Landes nicht zu verwirken, ist Eile geboten. Immerhin wurde der Förderzeitraum bis Juni 2021 verlängert.

Ein Übersichtsplan zeigt das Quartier 2020 inmitten der gewachsenen Umgebung.
Ein Übersichtsplan zeigt das Quartier 2020 inmitten der gewachsenen Umgebung. | Bild: Gudrun Trautmann

Wichtige Entscheidungen stehen an

Doch nun müssen erste Grundsatzentscheidungen getroffen werden. Bürgermeister Michael Klinger spricht von Leitplanken. „Die müssen wir jetzt festzurren“, sagt er. Entsprechend lautet auch die Einladung für die nächste Ratssitzung am 19. Januar. Dann werden die gewählten Vertreter zu entscheiden haben, nach welchem Verfahren das Gelände weiter entwickelt wird. Grundlage dafür sollen die Ergebnisse aus den Bürgerwerkstätten sein.

Letztlich geht es aber um die Frage, wie viel Einflussmöglichkeiten auf das Konzept sich die Gemeinde erhalten möchte. Es gibt reichlich Ideen und Vorbilder, wie das moderne Zusammenleben verschiedener Generationen in dem Quartier 2020 aussehen könnte.

Menschenleer präsentiert sich der Schulhof der Eichendorff-Realschule in Gottmadingen sehr geräumig. Hier soll neuer Wohnraum entstehen.
Menschenleer präsentiert sich der Schulhof der Eichendorff-Realschule in Gottmadingen sehr geräumig. Hier soll neuer Wohnraum entstehen. | Bild: Gudrun Trautmann

Unter anderem haben sich die Mitglieder der Spurgruppe mit Lebenswert-Entwürfen der Singener Architekten Achatz und Kolb beschäftigt, die raumsparende und generationenübergreifende Wohnformen vorschlagen. Auch die Atriumhäuser Bremen des Rotterdamer Ateliers Kempe Thill könnten den Gottmadingern Anregungen für das Quartier 2020 liefern. Beide Entwürfe beschäftigen sich mit neuen Lebensformen.

Erste Gespräche mit Investoren

Wünschenswert wäre laut Eberhard Koch (FWG) ein Baustart im Jahr 2023. Doch dafür müsse man zügig zu Entscheidungen kommen. Kirsten Graf (SPD/UL) will wissen, ob es bereits Vorgespräche mit Investoren für Senioreneinrichtungen gab. Außerdem werde es einen Kindergarten im Quartier ebenso wie ein Café als sozialen Treffpunkt geben müssen. Es habe lose Gespräche über Gebäudeformen gegeben, berichtet Michael Klinger.

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Es wird nicht ganz leicht werden, die Leitplanken festzulegen, innerhalb derer weitergeplant werden kann. Bevor das Gremium möglichen Investoren Vorgaben ins Aufgabenbuch schreiben kann, muss es herausfinden, was die Gottmadinger überhaupt benötigen. So wird die Frage zu klären sein, ob gemeinschaftliches Wohnen, zum Beispiel in einer Senioren-Wohngemeinschaft, überhaupt gewünscht wird oder ob sich Interessenten für Baugruppen finden würden.

Das Quartier 2020 soll mit seinen Einrichtungen weit in die umgebenden Wohngebiete ausstrahlen. Die in die Jahre gekommene Eichendorff-Realschule wird Mehrfamilienhäusern Platz machen.
Das Quartier 2020 soll mit seinen Einrichtungen weit in die umgebenden Wohngebiete ausstrahlen. Die in die Jahre gekommene Eichendorff-Realschule wird Mehrfamilienhäusern Platz machen. | Bild: Gudrun Trautmann

Michael Klinger will in der ersten Januarsitzung Nägel mit Köpfen machen, um über das weitere Verfahren zu entscheiden. Es geht also um die Frage, ob man das Gelände im Bieterverfahren zum Höchstpreis oder in der Direktvergabe zum Marktpreis an einen Investor vergibt. In einer dritten Variante wäre die Qualität des eingereichten Konzeptes entscheidend. Dabei hätte die Gemeinde als Auftraggeber den größten Einfluss auf inhaltliche Ausrichtung und Gestaltung.

Bürger sollen sich beteiligen

Die Gemeinde Gottmadingen setzt bei großen Themen sehr stark auf Bürgerbeteiligung. Dieses Vorgehen hat sich bewährt. So soll nun auch das Quartier 2020 entwickelt werden. Bereits am 7. Mai 2919 gab es deshalb Nachbarschaftsgespräche mit einem Spaziergang rund um die heutige Eichendorff-Realschule, die nach dem Umzug in das neue Schulgebäude abgerissen werden soll.

Gemeinderat und Verwaltung wollten ausloten, wie sich die Gottmadinger das soziale Zusammenleben im Quartier vorstellen. Eine Spurgruppe erarbeitete weitere Ideen. Die Anregungen sollen nun in das Konzept einfließen. Stadtplaner Markus Toepfer hat nach den Vorschlägen der Spurgruppe in ersten Skizzen aufgezeichnet, wie das frei werdende Gelände mit Mehrfamilienhäusern bebaut werden könnte. Der Gemeinderat will in seiner Sitzung am 19. Januar Beschlüsse zum weiteren Vorgehen fassen.