Endlich geht wieder was. Alexander Growe gehört mit seinem Reisebüro zu jenen Unternehmen, die unter den Folgen der Corona-Pandemie am meisten gelitten haben. Doch seit etwa drei Wochen ist das Geschäft wieder angelaufen. Dennoch bleibt der Vorsitzende des Gottmadinger Gewerbevereins verhalten optimistisch. „Im vergangenen Jahr war das noch anders“, sagt der Unternehmer. „Da sind wir sehr optimistisch und mit vielen Ideen für einen Aktionstag light in den Sommer gestartet. Doch dann mussten wir alles absagen.“ Diese Erfahrung sei ein sehr schmerzhafter Lernprozess gewesen. Deshalb gibt es für dieses Jahr keine Pläne in diese Richtung. Ehrlich räumt er ein: „Als Vorsitzender war ich nicht bereit, die Verantwortung für so eine Veranstaltung zu übernehmen und ins Ungewisse zu planen.“

Für einen Aktionstag fehlt in diesem Jahr der Mut

Eine Umfrage unter den 139 Mitgliedern bestätigte Growe in seiner Zurückhaltung. Nur jeder zweite Teilnehmer der letzten Gewerbeschau im Jahr 2019 habe sich überhaupt bereit erklärt an einem Aktionstag 2021 mitzumachen. Das schmälere die Attraktivität dieser Veranstaltung erheblich. „Außerdem wussten wir nicht, welche Ersatzhighlights wir hätten anbieten können“, schildert Growe das Dilemma. „Kinderschminken, Holzbasteln oder die Oldtimerbusfahrt dürfen wegen der Corona-Abstandsregeln immer noch nicht stattfinden.“

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Nach den Corona-Lockerungen stehen die Zeichen auf Aufbruch

Ein Zeichen des Aufbruchs will der Verein aber dennoch setzen. Zusammen mit der Sparkasse will der Verein auf seinen 15. Geburtstag hinweisen. Dazu werden 100 Gottmadinger Geschenkgutscheine zum Preis von 50 Euro mit einem Wert von 65 Euro verkauft. Damit können die Besitzer in 100 Gottmadinger Geschäften einkaufen. Der Gewerbeverein übernimmt die Differenz von 15 Euro pro Schein. „Das ist unsere Art, die Kunden nach dem langen Lockdown willkommen zu heißen“, sagt Alexander Growe.

Reisebranche und Gastgewerbe besonders von der Pandemie getroffen

Als Vertreter der Reisebranche hat ihn – wie auch das Gastgewerbe – der Lockdown besonders hart getroffen. Bis vor drei Wochen bestand sein Geschäft hauptsächlich in Umbuchungen und der Verarbeitung von stornierten Reisen. Doch seit die Impfungen voranschreiten, wächst auch die Sehnsucht der Menschen nach Reisen wieder. Jetzt würden schon Reisen nachgefragt, deren Ziele noch gar nicht von der Liste der Risikoländer gestrichen sind. Aber fast täglich ändere sich das. „Die Kunden buchen jetzt, obwohl manche Länder noch gar nicht offen sind“, sagt Growe.

Schweizer Kunden sind in Gottmadingen sehr willkommen

So wie seine Kollegen im Gewerbeverein, profitiert Growe stark von den Schweizer Nachbarn. „Seit der Lockerung kommen dreimal so viele Schweizer nach Gottmadingen zum Einkaufen“, hat er beobachtet. „Davon profitieren wir alle. Wir hätten hier keine so große Vielfalt an Geschäften, wenn wir die Schweizer Kunden nicht hätten.“ Daher werde man sie am 1. August, zum Schweizer Nationalfeiertag, in Gottmadingen mit einem besonderen Gruß willkommen heißen.

Ständiger Wechsel von Corona-Verordnungen hat die Nachbarn verunsichert

Jenseits der Grenze sei die Verunsicherung in Bezug auf die jeweils geltenden Corona-Regeln allerdings immer noch sehr groß. Sobald ein gültiger Corona-Schnelltest erforderlich ist, würden viele Schweizer ihren Besuch in Deutschland verschieben. Je mehr Menschen doppelt geimpft sind, umso mehr werde der Austausch über die Grenze wieder zur Normalität werden, ist Alexander Growe überzeugt.

Einige Branchen erlebten in der Pandemie einen Boom

Dass das Prinzip Hoffnung bei den Gewerbetreibenden zurückgekehrt ist, zeigen die zaghaften Überlegungen rund um einen Weihnachtsmarkt 2021. Der ist nach den stark gesunkenen Corona-Infektionen nicht mehr unrealistisch. Man sei mit dem Rathaus im Gespräch, erklärt der Vorsitzende. Aus dem Kreis der Mitglieder hat er auch nicht nur Klagen gehört. Das Handwerk habe sich zum Teil vor Aufträgen nicht retten können und die drei örtlichen Fahrradhändler haben in der Pandemie sogar einen echten Boom erlebt.

Regionalität wird jetzt stärker geschätzt

In der Krise habe sich der Gewerbeverein als starke Gemeinschaft erwiesen. Man habe sich gegenseitig geholfen. Und viele hätten die Qualitäten der Regionalität neu entdeckt. Deshalb engagiert sich der Verein auch in der neuen Eichendorff-Realschule. „Wir sammeln Geld für schöne, hilfreiche Lernmittel“, erzählt Growe. „Zum Beispiel für besondere Stühle in der Lernlandschaft.“ Ab einem Betrag von 250 Euro würden die Sponsoren auf einer Tafel namentlich erwähnt. Einige Zusagen gebe es schon.