Eier aus Hilzingen, Äpfel aus Stahringen, Brot aus Radolfzell – auf dem Gottmadinger Wochenmarkt gibt es viele interessante, meist leckere Dinge. Manchmal gibt es dort auch Bürgermeister-Kandidaten – nicht zu essen, aber zu sehen. Und vor allem: zu sprechen. Hat man gehört. Oder nein: Hat man gelesen. In jener Facebook-Gruppe, die Bewerber Roland Kunze leitet. Dort hat er angekündigt, dass er am Freitag wieder auf dem Wochenmarkt präsent sein will. Er lädt zum Gespräch ein – und das trifft sich gut. Denn in den vergangenen beiden Wochen war es dem SÜDKURIER unmöglich, mehr über den Bewerber zu erfahren.

Die Telefonnummer gibt die SPD nicht weiter: Datenschutz.

Als seine Bewerbung bekannt wurde, gab es viele Fragezeichen: Wer ist Roland Kunze? Die SPD muss es wissen, schließlich trat er für die Partei 2019 bei den Kommunalwahlen an. Ortsvereins-Vorsitzender Axel Meyer bestätigt: Kunze ist Mitglied, habe seine Kandidatur aber nicht mit der Partei abgestimmt. Kunzes Telefonnummer könne er leider nicht rausgeben, Datenschutz. Weitere Kontaktversuche scheitern: Kunze lässt über ein anderes SPD-Mitglied ausrichten, dass er im Urlaub ist. Das bestätigt er auch in einer Chat-Nachricht und verspricht: „Werde Sie dann anrufen wenn ich wieder zurück bin.“ Und dann? Nichts.

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Erste Wahlversprechen für die Bürger, kein Termin für den SÜDKURIER

Auf Rückfragen reagiert Kunze spät, auf Bitten um einen Anruf zur Terminabsprache gar nicht. Online gibt er zeitgleich erste Wahlversprechen: Einen SÜDKURIER-Artikel zur Internetversorgung in Ebringen kommentiert er bei Facebook mit den Worten, dass er sich auch für Internet in Randegg und Murbach einsetzen werde.

Andere reagieren prompt auf Rückfragen, Amtsinhaber Michael Klinger erklärt seine Haltung zum Mitbewerber: „Ich werde mir anhören, welche Ideen für Gottmadingen er hat. Ich respektiere jeden Mitbewerber und nehme den Wahlkampf ernst. Das hätte ich ohnehin getan.“

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Am Markttag sollte es klappen mit einem Gespräch. Theoretisch

Zurück zum Markttag. „Von 10 bis 12 Uhr stelle ich mich Ihnen vor und beantworte gerne Eure Fragen. Was kann man in Gottmadingen ändern oder verbessern?“, kündigt Kunze an. Also nichts wie hin. Doch kein Bürgermeisterkandidat weit und breit, Roland Kunze bleibt für den SÜDKURIER ein Phantom. Markthändler haben ihn nicht gesehen – zumindest nicht an diesem Tag, vor zwei Wochen sei er da gewesen. Also Smartphone zücken und nochmal nachfragen: „Können wir jetzt hier sprechen?“ Offenbar nicht, eine Antwort bleibt auch Stunden später aus. Und die Facebook-Ankündigung ist gelöscht.

Was soll man nun anfangen mit einem Bewerber, der sich nicht erklären möchte? Falls er tatsächlich Bürgermeister werden sollte, wird er Rede und Antwort stehen müssen – ob gegenüber Bürgern, Gemeinderat oder Presse.

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