Stiftungen haben es nicht leicht in Niedrigzinsphasen. Weil nur die Erträge aus dem Vermögen für die vorgesehenen gemeinnützigen Zwecke verbraucht werden dürfen, gibt es auch weniger zu verteilen. Es müssen also andere Lösungen her, um mit dem gestifteten Kapital zu wirtschaften. Die Räte der Anneliese-Bilger-Stiftung haben gezeigt, dass das geht. Weil der Kapitalmarkt seit Jahren nicht mehr viel Gewinn verspricht, haben sie auf eine Immobilie gesetzt. Entstanden sind Mietwohnungen in der Hilzinger Straße. Diese wurden zu moderaten Preisen an Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen vergeben, die nicht sozial bedürftig sind. Wie groß die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Gottmadingen ist, wurde im Dezember 2019 deutlich, als 200 Bewerber zur Wohnungsbesichtigung vor dem Haus Schlange standen.

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Die Stiftung schafft bezahlbaren Wohnraum

Ein Tropfen auf den heißen Stein, könnte man meinen, aber für die Bilger-Stiftung genau die richtige Entscheidung. Das zeigen die Bilanz und der Wirtschaftsplan, die Gemeindekämmerer Andreas Ley den Stiftungsräten jetzt vorlegte. Danach errechnete der Kassenchef im Vermögensplan für 2021 Erträge in Höhe von 170 000 Euro und Ausgaben in Höhe von 123 000 Euro. Daraus ergibt sich einen Gewinn von 47 000 Euro. „Bei den schwindenden Zinsen ist das eine gute Prognose“, erklärt Andreas Ley.

Mieteinnahmen statt Zinserträge

Bei den Erträgen stehen die Mieteinnahmen mittlerweile ganz oben. 67 100 Euro erwirtschaftet die Stiftung aus Mieten. Davon 43 000 Euro alleine aus dem neuen Mietshaus in der Hilzinger Straße. Dazu kommen 12 800 Euro Dividende und 15 000 Euro aus der Auflösung von Sonderposten. Dem gegenüber stehen aber auch Aufwendungen wie Bewirtschaftungskosten in Höhe von 21 465 Euro oder Verwaltungskosten in Höhe von 22 500 Euro.

Investition in das Mehrfamilienhaus erhöht vorübergehend die Pro-Kopf-Verschuldung

Ganz ohne Kredit ging der Hausbau jedoch nicht vonstatten. Er wirkt sich 2021 mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 71 Euro aus. 30 Jahre hat die Stiftung Zeit zur Rückzahlung. Einstimmig billigten die Mitglieder des Stiftungsrates den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr. Die Gemeinde kann sich glücklich schätzen, betrug doch 2020 das Stiftungskapital immerhin 6,14 Millionen Euro.

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Das digitale Tor zur Welt für Bewohner von St. Hildegard

Einem Antrag der Cura Caritas zur besseren digitalen Vernetzung der Pflegeheimbewohner von St. Hildegard begegneten die Räte der Anneliese-Bilger-Stiftung mit großem Wohlwollen, obwohl der geschätzte Bedarf zwischen 100 000 und 120 000 Euro deutlich über die sonst üblichen jährlichen Zuschüsse hinausgeht. „Wir müssen an Rücklagen ran, die für das Spielplatzprojekt vorgesehen waren“, erklärte Bürgermeister Michael Klinger in der jüngsten Sitzung. Möglich sei das, weil das Spielplatzprojekt ohnehin verschoben wurde.

SPD will Senioren die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen

SPD-Fraktionssprecherin Kirsten Graf begrüßt die digitale Aufrüstung im Seniorenheim sehr und untermauerte das mit einer persönlichen Begründung: „Ich würde im Alter nicht auf die Technik verzichten wollen, die heute meinen Alltag prägt“, sagte sie. „Das Internet ermöglicht gerade Senioren die Teilhabe an der Welt.“ Außerdem entspreche der Antrag von St. Hildegard genau dem Stiftungszweck der Bilger-Stiftung. Die hat sich unter anderem der Förderung alter Menschen verschrieben. Über die Zuschusshöhe müsse allerdings noch diskutiert werden.

Nachbargemeinden sollen sich an den Kosten beteiligen, wenn ihre Senioren in St. Hildegard leben

Einen kleinen Haken hat die Sache troztdem. In St. Hildegard wohnen auch viele Menschen aus umliegenden Gemeinden, besonders aus Gailingen und Büsingen. Die dürfen aber laut Satzung ausdrücklich nicht von der Bilger-Stiftung profitieren. Daher schlägt Michael Klinger vor, die Belegung nach Herkunftsorten aufzuschlüssseln und die entsprechenden Gemeinden um eine finanzielle Beteiligung zu bitten. Einstimmig erteilte der Stiftungsrat dazu seine Zustimmung.

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