Die Frage „Windkraft – ja oder nein“ stehe hier nicht zur Debatte, so UWV-Sprecher Gerhard Steiner in der aktuellen Gemeinderatssitzung in Engen. Vielmehr gehe es darum, was das Beste für Stetten ist, so Steiner weiter. Mit der Bürgerumfrage, die in den kommenden zwei Wochen stattfinden soll, sollen die Bürger im Ortsteil Stetten klarmachen, ob sie für die Alternativlösung mit zwei Windkraftanlagen im Gewann Staufenberg sind oder nicht. Stimmen sie nicht zu, dann wird die Alternative fallen gelassen. Gleichzeitig werden dann, wie ursprünglich geplant, drei Windkraftanlagen auf Tengener Gemarkung im Gewann Brand errichtet.

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Digitale Bürgerversammlung zum Thema

Die Thematik an sich wurde den Stettenern und interessierten Bürgern Mitte Juni im Rahmen einer digitalen Bürgerversammlung noch einmal vorgestellt und Raum zur Diskussion gegeben. Eines der drei geplanten Windräder auf Tengener Gemarkung würde sich in direkter Nachbarschaft von Stetten befinden und damit optische wie auch akustische Beeinträchtigungen für das Dorf mit sich bringen. Alternativ schlug Bürgermeister Moser deshalb vor, nach einem günstigeren Alternativstandort für dieses Windrad auf Engener Gemarkung zu suchen. Die Untersuchung durch die Firma Solarcomplex brachte den Gewann Staufenberg als geeigneten Ausweichstandort hervor. Hier könnten nun zwei Windkraftanlagen gebaut werden, die die Stettener nicht beeinträchtigen und für die Firma Solarcomplex als Projektierer der Tengener Anlage wirtschaftlich interessant sind.

Energie-Autarkie für Engen

Hinzu kommt, dass zwei mögliche Windräder am Staufenberg gemeinsam mit den bereits vorhandenen Engener Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien den gesamten Engener Strombedarf abdecken würden. „Energie-Autarkie ist für Engen schon eine Nummer“, gab Bürgermeister in der Sitzung zu verstehen. Dem stimmte auch CDU-Fraktionssprecher Jürgen Waldschütz zu und gab zu verstehen, dass die Stettener nun eine große Verantwortung zu tragen hätten: „Sie bestimmen, ob wir die Energie haben oder nicht.“ Denn die Zustimmung der Stettener Bürger durch eine Bürgerumfrage ist Grundvoraussetzung für die weitere Arbeit an der Alternativlösung Staufenberg. Ebenso wie die vertragliche Zusicherung seitens der Stadt Tengen, im Gewann Brand dauerhaft keine weitere Windanlage zu errichten. Finanziell würden die Tengener durch Gewinne aus der Verpachtung im Gewann Staufenberg entschädigt werden.

Bürgerumfrage als Briefwahl

Die Unterlagen für die Befragung sollten die Stettener bereits in ihren Briefkästen haben. Die Bürgerumfrage ist kommunalrechtlich nicht normiert, wie das beispielsweise bei einem Bürgerentscheid der Fall ist. Wer umfrageberechtigt ist in Stetten, soll sich aber an der Wahlberechtigung eines Bürgerentscheids orientieren. Das heißt, jeder Stettener, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, darf abstimmen. Das sind derzeit, laut Verwaltung, 226 Stimmberechigte. Die Umfrage erfolgt ausschließlich als Briefwahl. Am Montag, 13. Juli, findet dann eine öffentliche Auszählung im Bürgersaal des Rathauses statt. Neben Bürgermeister Johannes Moser wurden Tim Strobel von der SPD, Gerhard Steiner von der UWV und Martin Schoch von der CDU drei Stadträte als Teil des Gemeindewahlausschusses bestimmt. „Die Umfrage ist ein Privileg für die Stettener“, gab Bürgermeister Moser zu verstehen. Die Verwaltung und der Rat erhoffen sich eine möglichst hohe Beteiligung an der Umfrage, die es in dieser Art zum ersten Mal in Engen gibt.

Diesen Stimmzettel zur Bürgerumfrage bekommen die Stettener in dieser Woche per Post nach Hause. Mit ihm sollen sie über den möglichen Alternativstandort für Windkraft am Staufenberg abstimmen.
Diesen Stimmzettel zur Bürgerumfrage bekommen die Stettener in dieser Woche per Post nach Hause. Mit ihm sollen sie über den möglichen Alternativstandort für Windkraft am Staufenberg abstimmen. | Bild: Kerle, Helene