Schön anzusehen ist sie, die Engener Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und den schmalen Gassen. Doch die historische Altstadt kann mehr als nur schöne Kulisse sein. In den Jahrhunderten seit ihrer Erbauung ist sie zum Schauplatz von Geschichte und vieler Geschichten geworden. Von einigen dieser Geschichten im historischen Kontext erzählen die Erlebnisführungen in Engen. Und von diesen spannenden und lehrreichen Exkursionen in die Stadtgeschichte gibt es jetzt eine ganz neue. „Fromme Frauen oder falsche Nonnen? Die Beginen in Engen“ lautet ihr Titel. Was die Teilnehmer auf dieser Führung erwartet, das verrieten die beiden ausgebildeten Stadtführerinnen Bettina Sobisch und Dunja Harenberg bei einem Pressegespräch gemeinsam mit Aline Herzog vom Bürgerbüro, die die Führungen koordiniert und Bürgermeister Johannes Moser.

Eine Geschichte von mutigen Frauen

Weiß gewandet mit einem sogenannten Kabiskopf als Kopfbedeckung schlüpfen die beiden Stadtführerinnen in die Rolle der beiden Beginen, Schwester Verena alias Bettina Sobisch und Schwester Madeleine alias Dunja Harenberg. Sie nehmen ihre Zuhörer mit ins Jahr 1643. Die beiden Schwestern sind nach den letzten Wirren des Dreißigjährigen Krieges aus dem befreundeten Kloster St. Katharinental in Diessenhofen nach Engen zurückgekehrt. Gemeinsam mit den Teilnehmern machen sie einen Rundgang um das Kloster St. Wolfgang, das damals noch Sammlung hieß. Auf ihrem Rundgang berichten die beiden von der Geschichte und dem Lebensalltag der Beginen. Diese waren grob beschrieben Frauen, die gemeinsam in der Sammlung wohnten und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgten, da sie nicht verheiratet waren. Vier Frauen gründeten die Sammlung in Engen, die letztlich 400 Jahre bestehen blieb. Sie unterstanden dem Pfarrer, waren aber keine Nonnen. Dagegen war das charakteristische Gebäude St. Wolfgang, das heute unter anderem Kindergarten und Museum beherbergt, tatsächlich gerade einmal 80 Jahre lang ein Kloster, beschrieben Dunja Harenberg und Bettina Sobisch.

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Führung mit historischem Anspruch

„Wir haben nicht wirklich etwas erfunden bei der Führung“, so Bettina Sobisch. Die Figur der Schwester Verena sei historisch belegt und auch Schwester Madeleine sei keine ausgedachte Figur, wenn auch ein wenig verändert. Sechs Jahre dauerte die Entwicklung der Führung. Die Idee kam Bettina Sobisch bei einer Veranstaltung zum Konzil-Jubiläum in Konstanz. Die Geschichte der Beginen, die sich ohne die Oberhand der Kirche zusammenfanden, die letztlich den Grundstein für unsere heutige Sozialversorgung legten und teilweise sogar als Hexen verbrannt wurden, nahm Sobisch in ihren Bann. Sie recherchierte und stieß schließlich auf das Denkbüchlein der Subpriorin Verena Reiterin, die darin das Wirken der Engener Beginen für die Nachwelt aufgeschrieben hat. Bettina Sobisch und Dunja Harenberg lernten sich beim Theaterprojekt „Engen und seine Herren“ von Stadtführerin Sylvia Speichinger kennen. Gemeinsam machte sich die beiden an die praktische Umsetzung der Führung. „Das ist viel, viel Arbeit. Aber immer mit viel Spaß verbunden“, so Harenberg. Herausgekommen ist eine etwa zweistündige, unterhaltsame wie lehrreiche Führung.