Nach fünfjähriger Vorbereitungszeit war Museumsleiter Velten Wagner am Ziel angelangt: Am 1. März wurde die Sonderausstellung „Hölle & Paradies. Der Expressionismus um 1918“ im Städtischen Museum Engen eröffnet. Gut zehn Tage später trat das Veranstaltungsverbot wegen Corona in Kraft – das Museum musste die Türen schließen. „Das war ein Schock“, gesteht Velten Wagner, „nach der großen positiven Resonanz bei der Vernissage dann plötzlich das Ende.“

Die Vernissage der Sonderausstellung war ein großer Erfolg: Viel Publikum versammelte sich am 1. März im Städtischen Museum.
Die Vernissage der Sonderausstellung war ein großer Erfolg: Viel Publikum versammelte sich am 1. März im Städtischen Museum. | Bild: Christel Rossner

„Es ist eine sehr belastende Situation. Es wurde so viel Energie in diese Ausstellung gesteckt. Der Lohn der Arbeit ist die positive Energie, die Resonanz der Besucher, und die bleibt jetzt aus“, umschreibt es Wagner. Nach dem Schock war der Kurator direkt beschäftigt: „Ich musste die Leihgeber kontaktieren, um eine Verlängerung möglich zu machen.“ Werbung musste ebenfalls storniert werden. „Und jetzt gilt es, eine neue Perspektive zu entwickeln“, so Wagner.

Museumsbesuch am Bildschirm

Wie gut dem Museum das gelingt, lässt sich auf der Videoplattform Youtube beobachten. Denn inzwischen wurde ein Video fertiggestellt, das den Zuschauer auf eine virtuelle Tour durch die Ausstellung nimmt.

Mit den Sonderausstellungen hat sich das Engener Museum in der Kunstszene einen Namen über die Region hinaus gemacht. Wagners Exkurse durch die Kunstgeschichte zeigen neue Perspektiven auf. Mit „Hölle & Paradies“ rückt er die Zeit von 1914 bis 1924 in den Fokus, die man als Expressionismus der Zweiten Generation bezeichnet. Ganz neu sei das nicht: „Aber eine Ausstellung in diesem Umfang hat es noch nicht gegeben. Auch die Dichte an noch nie gezeigten und neu entdeckten Kunstwerken ist außergewöhnlich hoch“, erläutert er.

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Insgesamt hat er 113 Kunstwerke von 33 Künstlern zusammengetragen. Auch wenn die Ausstellung zurzeit nicht besucht werden kann, hätten sich die fünf Jahre Vorbereitung gelohnt: „Ich habe fast ausschließlich private Leihgeber gewinnen können, die vom Konzept der Sonderausstellung sofort überzeugt waren.“

Alles beginnt mit einem Bild

Ausgangspunkt für ihn war das Bild des Heiligen Sebastian von Curt Lahs, das für die Plakate und den Buchtitel verwendet wurde. Auch wenn es nur ein kleines Aquarell sei, bringe es das Leiden, die Hoffnungen und die Utopien dieser Zeit auf den Punkt. Es sind die Jahre der gesellschaftlichen Extreme zwischen Hunger und Verheißung, Zukunftsängsten und hochgespannten Idealen.

Künstler setzen stilistische Neuerungen wie Kubismus, Futurismus und einen expressiven Naturalismus zur Intensitätssteigerung ihrer Bildsprache ein. Man möchte die Gesellschaft mit den ästhetischen Mitteln der Kunst erneuern. Die Ausstellung zeuge von dem erstaunlichen Stilpluralismus, den es innerhalb dieser Bewegung gab, erklärt Velten Wagner.

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Nach der Entdeckung des Sebastian vor fünf Jahren in einer Privatsammlung habe er diese Ausstellung machen müssen. So lange auf etwas hinzuarbeiten, erfordere viel Energie, die positive Resonanz sei dann der Lohn. „Der fällt bei dieser Sonderausstellung weg“, so Wagner. Er hofft auf ein Ende der Corona-Krise: Die Dauer der Ausstellung wurde verlängert.

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