Zwei Orte, ein Thema: Braucht die Verwaltung einen Klimamanager? Und wie soll sich die Gemeinde generell aufstellen? Eigentlich betrifft dies alle Orte im Raum Stockach, aber bisher haben noch nicht alle Gemeinderäte darüber beraten. Ein Haken sei ohnehin, dass nicht jede Gemeinde selbst agieren könne, hieß es kürzlich in einer digitalen Ratssitzung in Bodman-Ludwigshafen. Für Fördermittel müssten sich mehrere Orte aufgrund der Einwohnerzahlen zusammenschließen. Aber wie sieht es bisher aus, was wollen Bodman-Ludwigshafen und Eigeltingen und wie geht es weiter?

Wie es Bodman-Ludwigshafen aussieht

Das Energiemanagement und Wärmeplanung in Bodman-Ludwigshafen stand kürzlich im Mittelpunkt einer langen Debatte im Gemeinderat. Gerd Burkert, der Geschäftsführer der Energieagentur Kreis Konstanz, stellte zunächst in einer Präsentation die Situation und Fördermöglichkeiten für eine Stelle vor, die sich mit diesem Thema befassen würde. Der Zuschuss bei dieser Stelle läge laut Burkert bei 50 Prozent. Aus dem Gremium kamen jedoch viele kritische Stimmen über den Zeitpunkt und die Notwendigkeit, obwohl Burkert betonte, dass eine solche Stelle eines Tages Pflicht werden könnte. Jetzt gebe es noch den Vorteil, Geldmittel zu erhalten. „Ich empfehle, das mitzunehmen, wenn es das noch gibt“, sagte er.

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Burkert, der dies schon in zahlreichen Gemeinden vorgestellt hat, sprach über die Themengebiete klimaneutrale Verwaltung, Energiemanagement und Wärmeplanung. Er sprach auch den Klimawandel an und stellte ausführlich die verschiedenen Möglichkeiten von Förderungen bei der Schaffung einer Stelle in der Gemeinde vor. Radolfzell habe zum Beispiel eine Vollzeitstelle eingerichtet, sagte er. Es sei auch möglich so etwas zeitnah zu machen.

Zur Wärmeleitplanung erklärte er, dass diese für große Kreisstädte verpflichtend sei. Kleine Kommunen erhielten momentan eine Förderung und die Pflicht komme in ein paar Jahren auch. Aufgrund der Einwohnerzahlen sei es aber notwendig, dass sich drei Kommunen in einer sinnvollen geografischen Lage zusammenschließen – oder alternativ gemeinsam mit der Stadt Stockach.

Fragen und eine lange Diskussion

Bürgermeister Matthias Weckbach erklärte, der Eigenanteil einer Wärmeleitplanung zusammen mit Stockach läge bei 3800 Euro. Das sei für die Menge der Informationen nicht viel. „Ich halte das für wichtig“, sagte Weckbach. Auf Alessandro Ribaudos (CDU) Frage, was die Gemeinde erhalten würde, antwortet Burkert, es entstehe ein Energienutzungsplan, der unter anderem zeige, wo es Sinn mache, Nahwärme oder anderen reinzunehmen. So könnte der Verbrauch in ganzen Quartieren optimiert werden. Er finde es wichtig, zu schauen, wo Zusammenführungen bei der Energie möglich seien. Auf weitere Fragen erklärte er, dass Neubauten oft keine Wärmeplanung mehr hätten, da sie sehr gut gedämmt seien. Der Fokus liege auf Verbesserungen bei Bestandsgebäuden.

Die Notwendigkeit und Umsetzung der Wärmeleitplanung war zwar für alle Ratsmitglieder unstrittig, die Stellenschaffung aber nicht. Alessandro Ribaudo tat sich damit schwer. Er wollte die Gespräche darüber und einen Beschluss lieber auf die Klausurtagung des Rats im April verschieben. Auch Michael Koch (CDU) und Petra Haberstroh (Freie Wähler) wollten dies noch nicht so schnell entscheiden. Matthias Weckbach betonte, es würde nie wieder so einfach, Personal in diesem Bereich aufzustocken. Christoph Leiz (Grüne) sagte ebenfalls, mit dieser Stelle sollte nicht gewartet werden: „Wir brauchen diese Stelle.“

Das Gremium beschloss letztendlich einstimmig die gemeinsame Wärmeleitplanung mit Stockach, aber vertagte die Entscheidung über eine Stelle schließlich auf eine zeitnahe Sitzung.

Aktuell ist Bürgermeister Alois Fritschi der Klimamanager der Gemeinde Eigeltingen. Nach der nächsten Gemeinderatssitzung wird ...
Aktuell ist Bürgermeister Alois Fritschi der Klimamanager der Gemeinde Eigeltingen. Nach der nächsten Gemeinderatssitzung wird vielleicht eine geförderte Stelle ausgeschrieben. Bild: Susanne Schön

Entscheidung in Eigeltingen kommt noch

Das Thema Klimaneutralität ist nicht ganz so komplex, wie es auf den ersten Blick scheint. Es geht um kommunalen Energieverbrauch – Privatpersonen und Gewerbe werden nicht betrachtet. Doch ist auch hier sei die Datensammlung umfangreich und müsse im laufenden Pandemiebetrieb bewältigt werden. Gerd Burkert, der Geschäftsführer der Energieagentur Kreis Konstanz hielt im Gemeinderat einen Vortrag zum Thema. Es werde zur CO²-Bepreisung kommen und diese voraussichtlich stetig steigen.

Darum sollte bei der Sanierung von Gebäuden nicht nur auf Quote geachtet werden sondern auf Qualität. Denn diese würde die Betriebskosten auf Jahrzehnte senken, während die Baukosten nur 20 bis 30 Prozent der Kosten beim Berechnungszeitraum von 30 Jahren betrügen. Betrachtet werden energetische Sanierungen sowie Energiestoffe für Elektrik und Heizung.

Zur klimaneutralen Kommunalverwaltung gehören neben der Betrachtung des Energieverbrauchs der Liegenschaften auch der bei der Straßenbeleuchtung, der Wasserver- und entsorgung, des Fuhrparks sowie der Dienstreisen und des Berufsverkehrs der Mitarbeiter. Dazu komme bei den Kommunen der Vorbildcharakter für Privatpersonen und Unternehmen, betonte Gerd Burkert die Strahlwirkung kommunaler Entscheidungen: „Die Vermeidung von Emissionen hat absoluten Vorrang vor Kompensation.“

Klimaneutralität soll sich verbessern

Gerd Burkert stellte auch verschiedene Förderprogramme vor. Zudem warb er für Photovoltaik Freiflächenanlagen und regte an: „Wer Bestandswald aus der Bewirtschaftung nimmt, spart acht bis 9,5 Tonnen CO² pro Hektar und Jahr.“ Ob der Komplexität des Themas wurde der Beschluss zur Teilnahme an verschiedenen Förderprogrammen auf das kommende Jahr gelegt. Doch Bürgermeister Fritschi betonte: „Die Gemeinde möchte sich im Rahmen der Klimaneutralität deutlich verbessern.“

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Er hob zudem hervor: „Wir haben drei Biogasanlagen, zwei Holzhackschnitzelheizungen, welche auch kommunale Gebäude nutzen, einen Solarpark und viele private und kommunale Photovoltaikanlagen. Wir erzeugen mehr Energie als wir verbrauchen.“ Doch bei der Bürokratie, die bei den Förderanträgen fällig wird, werde ihm schwindelig. Gerd Burkert war sich sicher: „Noch wird die Teilnahme am Klimapaket großzügig gefördert, doch irgendwann wird es Pflicht.“

„Die Themen Energie und Klima gewinnen mit der neuen Regierung deutlich an Bedeutung“, blickte der Bürgermeister in die Zukunft, der aktuell der Klima- und Energiemanager der Gemeinde Eigeltingen ist. Hauptamtsleiter Daniel Schweizer hilft ihm dabei und hat schon Daten der kommunalen Liegenschaften gesammelt. Diese werden nun begutachtet und benötigte beziehungsweise sinnvolle Maßnahmen priorisiert. Die Umsetzung dauere aber voraussichtlich fünf Jahre. Über die Umstellung der Kommune auf Elektromobilität wurde nicht gesprochen, aber Eigeltingen hat bereits eine Schnellladesäule direkt neben dem Rathaus. Im Januar soll der Gemeinderat dann über die Teilnahme an weiteren Förderprogrammen entscheiden.