Inklusion ist ein wichtiges Thema für Bodman-Ludwigshafen. Das machte die Eröffnung der „Toilette für alle“ am Multifunktionsgebäude, das die Gemeinde Mobility-Point nennt, deutlich. Auch die Vertreter verschiedener Vereinigungen, die sich für beeinträchtigte Menschen einsetzen, lobten, dass die Seegemeinde ein Vorreiter ist. Betroffene unter den Gästen hatten ebenfalls viel Lob für das Engagement der Gemeinde.

Diese spezielle Toilette sei erst die dritte, die es im Landkreis Konstanz gebe, erklärte Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg. Die beiden anderen befänden sich auf der Insel Mainau. Das besondere an der Toilette ist unter anderem, dass eine Hebetuch-Konstruktion hilft, Personen mit Behinderung auf die Toilette oder einen Wickeltisch für Erwachsene zu setzen.

Von links: Bürgermeister Matthias Weckbach, Hellmuth Hannemann (Rollstuhl), Jutta Pagel-Steidl, Corinna Mader (Rollstuhl) und Christina ...
Von links: Bürgermeister Matthias Weckbach, Hellmuth Hannemann (Rollstuhl), Jutta Pagel-Steidl, Corinna Mader (Rollstuhl) und Christina Hühn. | Bild: Löffler, Ramona

Bürgermeister Matthias Weckbach schilderte den Anwesenden, wie Hellmuth Hannemann ihn vor vielen Jahren erstmals auf die Notwendigkeit von behindertengerechten Zugängen aufmerksam gemacht habe. Hannemann war 36 Jahre lang Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland im Kreis Konstanz und zehn Jahre lang Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen. Weckbach habe Hannemann dann oft um Rat gefragt und eingebunden. „Er hat mir bewusst gemacht, worauf man achten muss“, so Weckbach.

Das Multifunktionsgebäude in Bodman, das die Gemeinde Mobility Point nennt.
Das Multifunktionsgebäude in Bodman, das die Gemeinde Mobility Point nennt. | Bild: Löffler, Ramona

Wie die „Toilette für alle“ nach Bodman kam

Der Bürgermeister schilderte eine Situation, in der eine Mutter den erwachsenen, auf Windeln angewiesenen Sohn auf einer Wiese am See wickeln haben müssen. Da dies gegen die Würde gehe, sei es notwendig gewesen, etwas zu tun. Dafür erntete er Applaus. Am Multifunktionsgebäude beim Zollhaus in Ludwigshafen gebe es bereits eine behindertengerechte Toilette, doch diese „Toilette für alle“ biete nochmal mehr.

Räte und Vertreter von Verbänden sowie dem Kreisseniorenrat waren bei der Eröffnung dabei. Vorne in der schwarzen Jacke steht Oswald ...
Räte und Vertreter von Verbänden sowie dem Kreisseniorenrat waren bei der Eröffnung dabei. Vorne in der schwarzen Jacke steht Oswald Ammon, der Behindertenbeauftragte für den Landkreises Konstanz. | Bild: Löffler, Ramona

Oswald Ammon, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, habe ihm davon erzählt und die Zuschüsse vermittelt. Weckbach betonte, es sei für alle in der Gesellschaft wichtig, die Verantwortung zu spüren. Er bedankte sich bei allen Beteiligten an der Umsetzung der „Toilette für alle“.

380.000 Betroffene in Baden-Württemberg

Jutta Pagel-Steidl knüpfte mit Lob an seine Worte an: „Die beste Idee nützt nichts, wenn sie nicht auf offene Ohren stößt.“ Das sei in Bodman-Ludwigshafen geschehen. Sie ergänzte, dass 380.000 Erwachsene in Baden-Württemberg auf Windeln angewiesen seien und Bodman-Ludwigshafen 12.000 Euro Zuschuss für die „Toilette für alle“ erhalten habe.

Sie freute sich über den Beitrag der Gemeinde für Inklusion im Alltag und hofft, das andere sich ein Beispiel daran nehmen. Aus Erfahrung wisse sie, dass Betroffene gezielt Ausflüge in Orte machen, wo es solche Toiletten gebe.

Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (links) und ...
Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (links) und Bürgermeister Matthias Weckbach (rechts) schieben Corinna Mader, die sich im Hebetuch befindet, vom Rollstuhl zum Wickeltisch. Corinna Mader von der Ergänzenden unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Weingarten braucht das Hebetuch eigentlich nicht, aber hat sich für das Foto zur Verfügung gestellt. | Bild: Löffler, Ramona

Demonstration des Hebetuchs

Corinna Mader von der Ergänzenden unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Weingarten, wo Betroffene andere Betroffene betreuen, braucht das Hebetuch zwar nicht, aber stellte sich als Model zur Verfügung.

Sie zeigte mit Jutta Pagl-Steidl, ihrer persönlichen Assistentin Christina Hühn und Matthias Weckbach wie das Hochheben funktioniert und warum der Raum für das Manövrieren seine sieben Quadratmeter Größe braucht.

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