Es fehlen viele Krippenplätze – aber das große Thema Kindergartenbedarfsplan steht über den Sommer in der Warteschleife. Denn in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der auch fast alle Leiterinnen der Kinderbetreuungseinrichtungen der Doppelgemeinde anwesend waren, stellte sich heraus, dass die Zahlen in der Ratsvorlage nicht mit der aktuellen Situation übereinstimmen.

Krippenleiterin sieht steigenden Bedarf

Zum Beispiel war für die Kinderkrippe Schneckenhäuschen angegeben, dass es fast keine Not gebe. Leiterin Inge Bergmann hakte in der Sitzung jedoch gleich ein und sagte, dass bei der 16-Uhr-Gruppe sieben Kinder und bei der 14-Uhr-Gruppe fünf auf der Warteliste stünden. Es handle sich sowohl um Kinder aus Ludwigshafen, als auch aus Bodman. Sie rechnet für 2020 sogar mit 16 bis 17 Kindern, die keinen Platz bekommen.

Es sei zwar nicht immer so, doch sie gehe davon aus, dass ein Kind durchschnittlich im Alter von einem Jahr in die Krippe komme. „Plätz werden erst frei, wenn ein Kind in den Kindergarten wechselt“, sagte sie.

Sanierungsbedarf beim katholischen Kindergarten

Auch der Kindergarten Bodman hat Bedarf: Es stehen sieben Kinder auf der Warteliste für Krippenplätze, erklärte Leiterin Melanie Schulz-Schulze. „Der Bedarf für eine weitere Krippen-Gruppe in der Gesamtgemeinde ist klar da“, fasste sie alles zusammen.

Der katholische Kindergarten Ludwigshafen könne derzeit den Bedarf für vier Kinder, die im Alter von drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hätten, nicht bedienen, erklärte dessen Leiterin Claudia Böttinger.

Bei dieser Einrichtung kommt hinzu, dass das Gebäude 1968 gebaut wurde, marode Leitungen hat und sanierungsbedürftig ist, wie Weckbach erläuterte. Es sei die Frage, ob ein Anbau Sinn mache. Im August stünden dazu Gespräche mit der Kirche an.

Im Gemeinderat kommen auch Eltern zu Wort

Im Lauf der Diskussion gab es eine Ausnahme: Bürgermeister Matthias Weckbach unterbrach die Ratssitzung, um Eltern, die sich nicht in der Einwohnerfrageviertelstunde gemeldet hatten, eine Gelegenheit zu geben, etwas zu sagen. Eine Mutter wies darauf hin, dass die Verlegung des Stichtags von September auf Juni bei der Planung zu bedenken sei. Eventuell gingen so Kinder erst später zur Schule und wären länger im Kindergarten.

Eine andere Mutter schlug zur Entzerrung des Problems vor, Zweijährige anteilig in Kindergartengruppen zu nehmen. Melanie Schulz-Schulze sagte dazu, dass Plätze im Kindergarten Bodman durch den Anbau möglich wären. Gemeinderat Robert Hermann (CDU) fand es lohnenswert, über diesen Ansatz nachzudenken, um etwas Luft zu schaffen, bis eine Erweiterung in Ludwigshafen möglich sei.

„Es ist nicht alles auf die Schnelle machbar“

Matthias Weckbach wies darauf hin, dass es nicht einfach so möglich sei, neue Plätze aus dem Boden zu stampfen, da dies hohe Unterhaltungskosten nach sich ziehe. Von diesen tragen Land und Gemeinde 80 Prozent und die Eltern 20 Prozent. Er erklärte ganz direkt, dass es momentan keine weitere Krippengruppe geben werde. Die Ressourcen von Bodman-Ludwigshafen seien begrenzt, weil in der Gemeinde so viel gebaut werde. „Es ist nicht alles auf die Schnelle machbar“, sagte er.

Der Rat vertagte das Thema Bedarfsplanung schließlich auf Antrag von Alessandro Ribaudo (CDU). Hermann pflichtete ihm bei: „Es kann nicht sein, mit falschen Zahlen zu planen.“ Diese sollen nun in engem Austausch mit den Kitaleiterinnen überprüft werden. Das Gremium beschäftigt sich dann nach der Sommerpause wieder mit dem Bedarf an Betreuungsplätzen. Das Ziel der Gemeinde: Eltern eine Kinderbetreuung anzubieten, die dem Bedarf entspricht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt.

Warum die Beiträge steigen

  • Betreuung: Trotz Vertagung der Bedarfsplanung entschied der Gemeinderat eine Erhöhung der Elternbeiträge für die Kleinkindbetreuung in Bodman-Ludwigshafen. Sie steigen um rund drei Prozent gemäß den Empfehlungen von Verbänden. Beispielsweise steigt der Monatsbeitrag im Kindergarten bei 30 Stunden Öffnungszeit für das erste Kind von 103 auf 106 Euro und für das zweite Kind von 52 auf 54 Euro. In der Krippe sind es zum Beispiel bei 30 Stunden Öffnungszeit ab September 324 statt bisher 315 Euro für das erste Kind. In der Krippe Schneckenhäuschen liegt das erste Kind in der Ganztagsbetreuung ab September bei 394 Euro (bisher 383 Euro), beim zweiten Kind bei 236 Euro (bisher 230 Euro).
  • Essen: Auch die Essenspauschalen steigen, und zwar aufgrund von höheren Einkaufspreisen. Zuletzt gab es 2016 eine Anhebung der Pauschalen. Robert Hermann (CDU) hatte hier eine Rückfrage, ob durch den Anteil der Eltern das reine Essen gedeckt sei. Weckbach erklärte aber, dass es eine sehr komplizierte Berechnung sei. Bei einem Bodmaner Beispiel verändern sich die Pauschalen so: Bei fünf Tagen Kindergarten pro Woche gibt es eine Steigerung von 62 auf 70 Euro (15 Prozent) und bei zwei Tagen Kindergarten von 25 auf 28 Euro (12 Prozent). (löf)

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