Manches ist sichtbar, anderes meisterhaft im Verborgenen: Die Sanierung der historischen Schlosstorkel ist fast fertig. Die notwendige neue Treppe ins künftige Museumsgeschoss steht. „Die Sanierung der Torkel als Denkmal ist abgeschlossen. Jetzt laufen die Anpassungs- und Einrichtungsarbeiten für das Museum“, fasste Architekt Tobias Jaklin bei der Begehung zusammen. Aber es sei noch ein Stützpfeiler im Erdschoss notwenig. So sieht es nun im Gebäude und bei den Plänen für das Fossilienmuseum aus:

Die sanierte Schlosstorkel im Dezember 2019. Die Tür in der Gaupe sieht provisorisch aus, ist aber schon die richtige. Das Holz wird nachdunkeln. | Bild: Löffler, Ramona

Erdgeschoss und Treppe:

An vielen Stellen haben Pfeiler, Balken und Fachwerk Holzprothesen erhalten, nachdem faules Holz entfernt wurde. Tobias Jaklin verglich dies mit einer Krone beim Zahnarzt. Abgesehen vom Einbau der Treppe und einem Holzpfeiler, der in ihrer Nähe noch eingebaut werden muss, gebe es hier keine baulichen Änderungen. Die Treppe besteht laut Jaklin aus Eiche und Nadelholz – dieselben unbehandelten Hölzer, die sich überall in der Torkel wiederfinden. Im Innenraum ist alt und neu erkennbar, während die Ersatzstücke an der Außenfassade lasiert wurden.

Die neue Treppe schlingt sich um eine historische Mostpresse. Die Treppe besteht aus Hölzern, wie sie überall in der Torkel zu finden sind. Alles sollte zusammenpassen. Das Holz wird nachdunkeln. | Bild: Löffler, Ramona

Die Originalsubstanz sei vollständig erhalten und die charakteristischen Fachwerköffnungen in der Fassade bleiben. Die Torkel habe die höchste Stufe nach Paragraf 12 des Denkmalschutzgesetzes, so der Architekt. Momentan laufen Arbeiten wie die Elektroinstallation für die Beleuchtung der Ausstellungsstücke. „Und die Toiletten werden noch gerichtet“, ergänzte Jaklin.

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Das Obergeschoss:

Hier ist alles fertig und bereit für den Einzug der Fossilien. Diese sollen im neuen Jahr nach der Sanierung des Torkelbaums im Erdgeschoss kommen, erzählte Johannes von Bodman. Er und Jaklin hoben die Besonderheit der Zwischendecke von Erd- und Obergeschoss hervor. Diese war wurmstichig. Zudem benötigte das Gebäude eine statische Verstärkung. „Der Zimmerer und der Statiker haben festgestellt, dass die Statik grenzwertig ist“, erklärt Jaklin.

Hier im Obergeschoss der Torkel wird die Fossilienausstellung einziehen. Die Decke wurde weitgehend nach oben hingeöffnet. So ist das historische Gebälk fast komplett zu sehen. | Bild: Löffler, Ramona

So kamen Flachstahlbänder auf den historischen Boden des Obergeschosses und darüber der neue Fichtendielen, die – wie früher – eine schmale und eine breite Seite haben, weil das Holz so gewachsen ist. Sie wurden wechselseitig verlegt. Das sei die kunstfertige sowie zurückhaltende Lösung gewesen, um das Gebäude mit minimalem Aufwand zu stützen. „Der Statiker hat sich virtuos hineingedacht“, lobte Jaklin.

Über das Holz erzählte er, dass Zimmerer Rolf Hummel selbst in den Wald gehe und sich die Bäume aussuche.

Sanierung des Torkelbaums:

Die großen Eichenhölzer, auf denen der rund 30 Tonnen schwere Torkelbaum (Weinpresse) liegt, sind teilweise faul. Nach der Sanierung des Gebäudes ist deshalb noch eine Sanierung an seinem Namensgeber notwendig. Kleine hydraulische Geräte sollen den Torkelbaum anheben, damit die Balken getauscht werden können, erklären Johannes von Bodman und Tobias Jaklin. Die Arbeiten sollen gleich im Januar beginnen.

Johannes von Bodman sieht sich eine der Schadstellen unter dem mächtigen Torkelbaum (Weinpresse) an. Hier beginnt bald die Sanierung. Dazu wird der Torkelbaum angehoben. | Bild: Löffler, Ramona

Neue Details zum Fossilienmuseum:

Rolf Hauff, Betreiber des Urzeitmuseums in Holzmaden, der in der Torkel ein Fossilienmuseum einrichtet, konnte beim Termin nicht anwesend sein. Doch Johannes von Bodman verriet neue Details zum Museum. So wird zum Beispiel die Torkelstube eingebunden, sagt er. Dort entstehe entweder ein Eingangsbereich oder Museums-Shop.

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Ein kleiner Raum hinter der neuen Treppe zum ersten Stock werde ein Bereich für Kinder. „Sie können dort in einem Sandhaufen Fossilien ausgraben“, sagte Johannes von Bodman. Die Eröffnung des Museums sei im nächsten Jahr, aber einen Termin konnte er noch nicht nennen. Das Erdgeschoss wird Eingangsbereich sein und der Torkelbaum sowie zwei Mostpressen bleiben. Es solle vielleicht auch ein Film zu sehen sein, wie die Torkel funktioniert hat. Der Hauptteil der Fossilienausstellung zieht in das Obergeschoss ein.

Johannes von Bodman (hinten) und Architekt Tobias Jaklin (vorne) stehen in einem der hinteren Räume der Torkel. Dieser soll später im Museum als Raum für Kinder dienen, die dort selbst im Sand Fossilien ausgraben dürfen. | Bild: Löffler, Ramona

Keine Gastronomie mehr:

Eigentlich war der ursprüngliche Gedanke, dass wieder eine Gastronomie in die Torkelstube einzieht. Doch dies habe sich geändert, erklärt Johannes von Bodman. Die Räume würden nun in das Fossilienmuseum von Rolf Hauff eingebunden.

Das war die Torkelstube. Hier wird es keine Gastronomie mehr geben, sondern dies wird zum künftigen Fossilien-Museum gehören. | Bild: Löffler, Ramona

„Wir wollten eigentlich eine Gastronomie, aber es hat sich kein passender Interessent gefunden. Es hätte aber ohnehin Überschneidungspunkte mit dem Museum gegeben.“ Ein Beispiel seien die Toiletten. Nun könne Hauff alles im Gesamten so einrichten, wie er es möchte. „Es ist schön, wenn alles zusammengehört.“

Auszeichnung:

Johannes von Bodman und die beteiligten Handwerker haben einen der Bundespreise für Handwerk in der Denkmalpflege erhalten. Neben der Auszeichnung mit Urkunde gab es 500 Euro. In der Pressemitteilung hieß es: „Für die bisher geleisteten mustergültigen Reparaturarbeiten an Holzwerk und Dachhaut, Fachwerkgefachen und Putzflächen mit ihren charakteristischen Lüftungsöffnungen in Zierformen wird Johannes von Bodman ausgezeichnet.“

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