Die Richtung steht jetzt fest: Der katholische Kindergarten St. Michael muss neu gebaut werden und die Gemeinde braucht spätestens ab 2022 mehr Plätze für die Kinderbetreuung. Bis dahin gibt es Übergangslösungen, die der Gemeinderat am Dienstag beschlossen hat.

Bettina Donath von der Gemeindeverwaltung stellte in der Sitzung die aktuellen Platzbelegungen, Wartelisten und Prognosen vor. Sie wies aber direkt darauf hin: „Das kann schnell überholt sein.“ Die Liste prognostiziert für 2021 einen Mangel von elf Plätzen in Ludwigshafen.

Zahl der Kinder steigt

„Die Tendenz setzt sich bis 2022 fort“, so Donath. Es habe viele Geburten gegeben. „Wir müssen handeln, um die Kinder zu versorgen“, sagte sie. Auch die Verschiebung des Stichtags für die Einschulung „könnte uns auf die Füße fallen“. Im Notfall müssten Kinder von Ludwigshafen nach Bodman in den Kindergarten, wo es noch Krippenkapazität gebe. Alessandro Ribaudo (CDU) betonte, dass die Gemeinde jetzt nicht in Panik verfallen sollte: „Aber wir sollten das lösen, bevor es gesamtgemeindlich rot wird.“

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Da aber derzeit im Kindergarten Bodman neun Kinder auf der Warteliste für die Krippe stehen, gibt es die Idee zur Unterbringung von Zweijährigen in Kindergartengruppen. Bettina Donath wies aber darauf hin, dass ein Kind unter drei Jahren rechnerisch zwei Plätze belegt und eigentlich den Krippenbeitrag bezahlen müsste. Zudem könnten maximal zwei bis drei so junge Kinder in eine Kindergartengruppe gehen.

Melanie Schulz-Schulze, die Leiterin des Kindergartens Bodman, die anwesend war, warf ein, dass die Rahmenbedingungen mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) abgesprochen werden müssten.

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Bettina Donath sprach noch über eine Elternumfrage im katholischen Kindergarten in Ludwigshafen. Diese habe vor allem den Wunsch nach mehr Ganztagbetreuung ohne Pause ergeben, erklärte sie. „Regelgruppen sind nicht mehr so nachgefragt“, sagte sie. Die Plätze mit verlängerten Öffnungszeiten in St. Michael seien ausgebucht und auch Kinder, deren Familien ins Neubaugebiet Haiden ziehen, seien jetzt bereits dort aufgenommen.

Wunsch nach Ganztagesbetreuung

Laut der Umfrage gebe es zum Beispiel den Wunsch nach Ganztagesbetreuung für 20 Kinder. „Das ist schon jede Menge“, bemerkte sie dazu, betonte aber auch, dass erst Preise kalkuliert werden müssten und Eltern noch keine genannt bekommen haben. Das kam auch in der weiteren Diskussion im Gremium auf: Robert Hermann (CDU) warf die Frage ein, ob die Wünsche später noch dem Bedarf entsprechen, wenn die Eltern erfahren, was die Betreuung kosten würde.

Schule und Kindergarten in Bodman.
Schule und Kindergarten in Bodman. | Bild: Gerhard Plessing

„Wir sollten den Wunsch der Eltern sehen. Sie haben teilweise nicht den Platz, den sie wollen“, sagte Weckbach. Melanie Schulz-Schulze fügte aus ihrer Erfahrung hinzu, dass die Eltern nicht so arbeiten könnten, wie sie es wollen, weil sie nicht den passenden Betreuungsplatz für die Kinder hätten.

Kindergartengebäude ist marode

Entstehender Mangel an Betreuungsplätzen ist jedoch nicht das einzige Problem in Ludwigshafen. Bürgermeister Matthias Weckbach fasste den baulichen Zustand des katholischen Kindergartens zusammen: „Die Leitungen sind marode und es gibt Setzungen am Gebäude. Was punktuell gemacht wurde, reicht nicht.“ Er habe bereits ein Gespräch mit Pfarrer Nikolaus Böhler und dem Pfarrgemeinderat gehabt. Es soll nun ein Konzept erstellt werden, um zu sehen, wie es weitergehen könnte. Es gebe zwar Raumreserven in der Sernatingen-Schule, aber die Zahlen zeigten, dass eine richtige Lösung notwendig sei.

„Es gibt dringenden Handlungsbedarf“, so Weckbach. Die Gemeinde habe bei der Schule zwar bereits ein Grundstück getauscht und eines dazu gekauft, doch diese 1200 Quadratmeter wären nicht ausreichend. Beim Thema Neubau des Kindergartens an dessen Standort hänge alles vom erzbischöflichen Ordinariat ab. „Es kommt alles auf Freiburg an“, sagte Weckbach. Weckbach bezifferte die Kosten für ein neues Gebäude mit 2,5 bis vier Millionen Euro.

Der Beschluss des Gemeinderats

Der Gemeinderat entschied schließlich, den Kindergarten Bodman, die Kinderkrippe Schneckenhäuschen, den Katholischen Kindergarten St. Michael und die Awo-Spielstube in die kommunale Bedarfsplanung aufzunehmen. Es folgt nun die Prüfung, zweijährige Kinder in Bodman in Kindergartengruppen aufzunehmen und dies rechtlich zu klären. Gleichzeitig gehen die Gespräche mit der Erzdiözese weiter. Außerdem sollen eine Krippen- sowie eine Kindergartengruppe in Räumen der Sernatingen-Schule eingerichtet werden.

Esther Moll (Freie Wähler) betonte am Ende noch, dass sie die Zustände im Kindergarten kenne. „Wir sollten im Hinterkopf behalten, dass er vielleicht früher wegfällt.“

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