Tim Liam Heim aus Nenzingen ist stolz, denn er hat soeben ein riesiges Saurierskelett in einem Ausgrabungsfeld aus Kies freigelegt. „Zuerst dachte ich, es sei ein Jura-Krokodil“, sagt der Achtjährige. „Aber dann habe ich gemerkt, dass es ein Plateosaurus ist.“

Tim Liam ist ein selbsternannter Dino-Spezialist und er möchte gerne Paläontologe werden. Darum ist das Urweltmuseum, das an Fronleichnam ganz neu in Bodman eröffnet hat, für ihn so etwas wie das Paradies auf Erden. Er ist viel mehr als nur begeistert: „Das Museum ist so cool, weil es hier so viele tolle Skelette gibt, schöne Animationen und weil hier so viel für Kinder ist. Ich vergebe fünf von fünf Sternen.“

Die alte Schlosstorkel bietet einen historischen Rahmen für die Exponate aus der Urwelt. Rechts vorne ist ein Teil der historischen Torkelpresse zu sehen, die dem Gebäude den Namen gibt.
Die alte Schlosstorkel bietet einen historischen Rahmen für die Exponate aus der Urwelt. Rechts vorne ist ein Teil der historischen Torkelpresse zu sehen, die dem Gebäude den Namen gibt. | Bild: Constanze Wyneken

Viele Besucher am ersten Tag

Neben Tim Liam und seinen Eltern haben noch viele andere Besucher am Feiertag den Weg in das neue Museum in der historischen Schlosstorkel gefunden, die Johannes von Bodman für die Errichtung des Urweltmuseums zur Verfügung gestellt hat. Die Verbindung zwischen historischem Ort und urzeitlichen Exponaten macht das Museum zu etwas ganz Besonderem, sowohl für Bodmaner als auch für Touristen. Die Torkel wurde 1772 erbaut und bis etwa 1960 zum Pressen des gräflichen Weines genutzt.

An großen Stahlstreben sind die teils bis zu 800 Kilogramm schweren Schieferplatten mit Einschlüssen aus der Urwelt so angebracht, dass sie aussehen, als hingen sie an den Wänden. Doch sie sind einerseits zu schwer, um aufgehängt zu werden, andererseits erlaubt auch der Denkmalschutz keine Beschädigung der Wände.

Rolf Bernhard Hauff und seine Lebensgefährtin Elisabeth Kaiser vor der Seelilie.
Rolf Bernhard Hauff und seine Lebensgefährtin Elisabeth Kaiser vor der Seelilie. | Bild: Constanze Wyneken

Rolf Hauff betreibt das Museum in Holzmaden und nun auch das neue in Bodman. Fossilien und deren Präparation haben es der Familie angetan: Bernhard Hauff, der Urgroßvater des heutigen Besitzers Rolf Bernhard Hauff, hat 1936/37 das erste Urweltmuseum in Holzmaden mit seinen ersten Fossilfunden gegründet, die er schon vor der Jahrhundertwende für seine damalige Sammlung präpariert hatte.

Mit 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist das Urweltmuseum in Holzmaden Deutschlands größtes privates Naturkundemuseum. Aus ihm wurden einige Exponate nach Bodman gebracht, um dort dauerhaft auf 250 Quadratmetern und zwei Etagen der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Der Ichthyosaurier in der Schieferplatte dürfte, so Museumsbetreiber Rolf Hauff, zwischen 600 bis 800 Kilogramm wiegen. Darum hat er seinen Platz auch im Erdgeschoss des Schlosstorkels gefunden.
Der Ichthyosaurier in der Schieferplatte dürfte, so Museumsbetreiber Rolf Hauff, zwischen 600 bis 800 Kilogramm wiegen. Darum hat er seinen Platz auch im Erdgeschoss des Schlosstorkels gefunden. | Bild: Constanze Wyneken

Zu bestaunen sind in Bodman Fossilien aus der Urwelt wie Ichthyosaurier, Plesiosaurier, Krokodile, Flugsaurier, Ammoniten, Belemniten und nicht zuletzt die verschlungenen Seelilien, die zwar so aussehen wie Blumen, die aber in Wirklichkeit Lebewesen waren.

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Besucher sind sehr beeindruckt

„Ich habe richtig Herzklopfen bekommen, als ich vor der großen Seelilie stand“, sagt Anna-Maria Eisengräber aus Stahringen, die mit Enkelin Larissa (12) durch das Museum geht. „Ich bin so beeindruckt von der Verbindung der vergangenen Ewigkeit mit der zukünftigen Ewigkeit, die durch diese Fossilien übermittelt wird. Es ist sehr berührend.“

Auch im Obergeschoss der historischen Schlosstorkel, geht die Ausstellung weiter. Eine neu eingebaute Treppe führt dorthin.
Auch im Obergeschoss der historischen Schlosstorkel, geht die Ausstellung weiter. Eine neu eingebaute Treppe führt dorthin. | Bild: Constanze Wyneken

Mit Hilfe animierter Zeitverläufe wird gezeigt, wie der Bodensee sich im Laufe der vergangenen Jahrmillionen verändert hat und sich zukünftig verändern wird. In Kombination mit bunten Schautafeln neben den Modellen, Präparationen oder Rekonstruktionen, über digitale Medien mit QR-Codes ablesbar oder in Filmen, sind die Besucher im Museum in der Lage, sich vorzustellen, wie die Urwelttiere in Wirklichkeit ausgesehen haben könnten.

Könnten? Ja, denn ganz genau können so etwas auch die Wissenschaftler nicht wissen, erklärt Reintraut Graf, die organisatorische rechte Hand von Rolf Hauff: „Die Wissenschaft kann sich immer nur an dem orientieren, was man kennt und daraus folgern, dass ein Tier beispielsweise diese oder jene Farbe gehabt haben, oder sich in einer bestimmten Weise verhalten haben könnte.“