Beim Blick aufs neue Jahr blickt der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich zugleich zurück – wegen Corona. „Wir fahren auf Sicht. Das erste Quartal wird sein wie das letzte“, so seine Einschätzung. „Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Quartal auf jeden Fall mit Einschränkungen leben müssen.“ Vielleicht gebe es im zweiten Quartal Lockerungen, wenn die Kombination aus Impfungen und geringerem Ansteckungsrisiko in der wärmeren Zeit die Infektionszahlen stark sinken lasse. Und was ist mit der Fasnacht? „Wir werden mit Sicherheit keine Massenveranstaltungen haben. Aber ich denke nicht, dass nichts stattfindet“, so Friedrich. Es sei ja nicht verboten, im Häs durchs Dorf zu laufen, man müsse sich halt an die Regeln halten. „Ich denke, es wird kreativ.“

Thema Verkehr: Parkverbot und Querungshilfen

Einige Verbesserungen soll es im kommenden Jahr geben. Das vom Gemeinderat jüngst beschlossene Parkverbot in der Radolfzeller Straße habe er bereits bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt, so Friedrich. „Wir hoffen, dass es eine relativ schnelle Entscheidung gibt.“ Es gebe schließlich eine breite Basis in der Gemeinde, die Entscheidung werde begrüßt auch von der Feuerwehr, der Lokalen Agenda und vielen Bürgern. Und es sei insofern nichts Neues, weil es das zuletzt schon sechs Wochen gab wegen der Schienenersatzverkehrs mit Bussen.

Das alte Technologiezentrum ist abgerissen worden. Nun soll eine Erschließungsstraße gebaut werden und dann beginnt der Tiefbau für das neue Wohn- und Gewerbequartier.
Das alte Technologiezentrum ist abgerissen worden. Nun soll eine Erschließungsstraße gebaut werden und dann beginnt der Tiefbau für das neue Wohn- und Gewerbequartier. | Bild: Zoch, Thomas

Drei neue Querungshilfen hat die Behörde bereits zugesagt: eine Ampel an der Konstanzer Straße zwischen Hafnerstraße und Parkplatz sowie Zebrastreifen im Bereich altes Technologiezentrum und beim Kinderhaus Kaltbrunn. „Ich gehe davon aus, dass das 2021 umgesetzt wird“, so Friedrich. Die Gemeinde habe Geld im Haushalt für die nötigen Vorarbeiten wie das Verlegen von Stromleitungen. Und die Umsetzung müsse dann mit der Straßenbehörde abgestimmt werden. Bei der Ampel müsse noch der genaue Standort festgelegt werden. Dazu müssten sich die Behörde und Polizei die Situation vor Ort noch mal anschauen, was derzeit aber nicht möglich sei. Im Lockdown gebe es keine Verkehrsschau, so der Bürgermeister. Die Gemeinde will zudem mit einem weiteren Tempodisplay für die Radolfzeller Straße plus Schallmessfunktion die Verkehrssituation noch mehr selbst kontrollieren.

B 33-Ausbau wird weiter voranschreiten

Auf jeden Fall voran gehen dürfte es beim B 33-Ausbau. „Ich sehe gefühlt auf der Strecke von Allensbach bis Hegne nicht einen, sondern 25 Bagger“, meint Friedrich. „Ich glaube, dass die mit Nachdruck arbeiten.“ Es gebe mittlerweile nur noch circa 400 Meter Straße bei Hegne, wo keine Baustelle sei. Eine besonders große wird es 2021 für den Anschlussknoten-Ost geben – mit Umleitungsstrecken und Provisorien. Doch dafür werde voraussichtlich im zweiten Quartal der neue Knoten-Mitte ab- und angeschlossen, so Friedrich: „Das ist ein richtiger Meilenstein.“ Dann könne der Verkehr wieder ein ganzes Stück weiter auf der vierspurigen B 33 rollen. Er erwarte, dass es dann auch zu weniger Staus komme und dadurch der Umgehungsverkehr im Ort etwas abnehme. Die Pförtnerampel an der westlichen Ortseinfahrt werde man aber weiter benötigen.

Das Bahnhofsgebäude soll nun im neuen Jahr endlich saniert werden. Die Gemeinde sei startklar, so der Bürgermeister. Es fehle nur noch eine Zuschusszusage vom Land.
Das Bahnhofsgebäude soll nun im neuen Jahr endlich saniert werden. Die Gemeinde sei startklar, so der Bürgermeister. Es fehle nur noch eine Zuschusszusage vom Land. | Bild: Zoch, Thomas

Beim vom Landkreis geplanten Radweg von Kaltbrunn zum Wildpark hatte zuletzt das Landratsamt (LRA) den Vorschlag gemacht, die Straße vom Müllerhof bis zum Waldbeginn parallel zum Radwegbau auszubauen. „Ich weiß nicht, was das bringen soll“, so Friedrich. Er habe noch mal mit dem LRA gesprochen, und nun gebe es die Idee, in diesem knapp einen Kilometer langen Abschnitt gar nichts zu machen – weder Straße verbreitern noch Radweg bauen. Dann müssten zwar die Radler hier weiter auf der Straße fahren, aber diese sei in diesem Bereich relativ gerade und übersichtlich, meint Friedrich. Auf jeden Fall würden der Flächenverbrauch und die Kosten verringert. Diese Idee wolle er so bald wie möglich im Ortschafts- und Gemeinderat diskutieren lassen. Aber er könne nicht sagen, ob der Baubeginn des Radwegs im nächsten Jahr sein werde. Das hänge auch von den Kreisfinanzen ab.

Großprojekt Wohnen nimmt Fahrt auf

Ein Großprojekt im Bereich Wohnbau steht auf dem Gelände des ehemaligen Technologiezentrums an, das im vergangenen Jahr abgerissen worden ist. Die neue Wohnbaugesellschaft von Gemeinde und Sparkasse Reichenau will dort nebst Gewerberäumen gut 20 Wohnungen schaffen. „Ziel ist es, im ersten Quartal mit den Arbeiten zu beginnen“, so der Bürgermeister. Aktuell werde mit der Nachbarschaft abgeklärt, wann und wie die Baustraße gemacht werden soll, die später die Zufahrt zur Tiefgarage sein soll. Danach könne man mit der Baugrube beginnen – wenn möglich mit offiziellem Spatenstich. Wann das sein werde, sei noch nicht absehbar. Geplant sei aber, dass erst Mitte 2023 das Projekt abgeschlossen wird. Die Gemeinde nehme daher noch keine Bewerbungen für Wohnungen entgegen.

Im Neubaugebiet am Mühlbach seien derweil schon viele Leute eingezogen, so Friedrich. „Die Anlage ist belebt.“ Und im Neubaugebiet auf dem ehemaligen Broziat-Aeal würden die Häuser nun Stück für Stück bezogen.

Adler-Areal weiter in der Diskussion

Fürs von der Gemeinde geplante Neubaugebiet bei Kaltbrunn solle der Bebauungsplan bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen werden, erklärt Friedrich. Dann könnte die Erschließung 2022 beginnen und grob geschätzt Im Sommer 2022 der erste Hausbau starten. Zunächst müsse aber ein naturschutzrechtliches Gutachten wegen der Streuobstwiese am westlichen Rand des Areals gemacht und hierfür Vögel im Frühsommer gezählt werden. Der Bürgermeister gibt sich zuversichtlich beim Thema Gutachten: „Wir gehen davon aus, dass alles im grünen Bereich ist.“

Zu Beginn des neuen Jahres will der Bürgermeister im Gemeinderat diskutieren lassen, was aus dem ehemaligen Gasthaus Adler werden soll. Die eigentlich gewünschte Hotelnutzung des Areals hat nicht geklappt.
Zu Beginn des neuen Jahres will der Bürgermeister im Gemeinderat diskutieren lassen, was aus dem ehemaligen Gasthaus Adler werden soll. Die eigentlich gewünschte Hotelnutzung des Areals hat nicht geklappt. | Bild: Zoch, Thomas

Beim Dauerthema Adler soll bald darüber diskutiert werden, was aus dem Areal nun werden soll. Dazu wolle er im Januar im Gemeinderat Ideen vorstellen, so Friedrich. Die von der Gemeinde ursprünglich gewünschte Hotelnutzung ist praktisch gestorben. „Es sieht relativ schlecht aus.“ Die bisherigen Interessenten hätten Vorstellungen gehabt, die sich hier nicht realisieren ließen, erklärt er. Und jetzt müssten Hoteliers wegen Corona noch mal anders kalkulieren, das mache es nicht einfacher.

Kultur: Das Prinzip Hoffnung

Die neue Seegartenbühne ist längst fertig, aber wegen Corona konnte bisher nichts darauf stattfinden. Der Bürgermeister betont aber: „Die Seegartenbühne wird, so wir es dürfen, 2021 auf jeden Fall bespielt. Ich bin überzeugt, im Sommer wird wieder was möglich sein.“ Und wenn es vielleicht nur kleinere Konzerte mit Hygienekonzept seien. „Wir sind absolut gewillt, die Kultur wieder in Allensbach einziehen zu lassen“, so Friedrich. Und man wolle auch die Eröffnung der Bühne feiern, wenn es irgendwie möglich sei – notfalls erst am Saisonende.

Die neue Seegartenbühne hätte bereits in diesem Jahr eröffnet werden sollen. Corona machte dies unmöglich. Nun soll es hoffentlich 2021 so weit sein. Bilder: Thomas Zoch
Die neue Seegartenbühne hätte bereits in diesem Jahr eröffnet werden sollen. Corona machte dies unmöglich. Nun soll es hoffentlich 2021 so weit sein. | Bild: Zoch, Thomas

Was auf jeden Fall 2021 endlich gemacht werde, seien die Arbeiten an der alten Schule, wo das Museum und die Bücherei sind, kündigt Friedrich an. Am Westgiebel werde ein Außenaufzug angebaut. Und die Torkel im Untergeschoss an der Ostseite werde saniert, das werde eine schöne Sache, meint der Bürgermeister. Die Maßnahme werde zuvor noch im Januar oder Februar im Gemeinderat vorgestellt. Alte Einbauten sollen entfernt werden, erklärt Friedrich schon mal, und die Türen Glaselemente bekommen. Dann könne die Torkel künftig als Räumlichkeit genutzt werden und nicht nur als Abstellraum.

Steg-Erneuerung für die Marienschlucht

Schon länger geplant ist auch die Sanierung des Bahnhofgebäudes. Sowohl an der Außenfassade wie in Innenräumen sollen Risse gekittet, Teile erneuert, Putz- und Malerarbeiten gemacht werden. Die Gemeinde sei startklar, so der Bürgermeister. Man warte nur noch auf den Zuschussbescheid aus dem Tourismusförderprogramm des Landes, den er im März erwarte.

Und auch bei der Marienschlucht werde sich baulich endlich etwas tun, kündigt Friedrich an. Zuletzt habe die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen bereits an der Stegerneuerung gearbeitet. Dieser werde 2021 in Betrieb genommen. Und im nächsten Jahr werde die Wegverbindung nach Wallhausen wieder hergerichtet. „Das heißt, ich habe dann wieder eine Möglichkeit des Wanderns im Schluchtbereich.“

Bauantrag für das neue Kinderhaus ist eingereicht

Ein weiteres Großprojekt, der Bau des neuen Kinderhauses bei der Bodanrückhalle, soll ebenso endlich beginnen. Den Bauantrag habe er kürzlich beim Landratsamt eingereicht, so der Bürgermeister, mit der Genehmigung rechne er aber frühestens im März. Dann könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden und der Baubeginn im Herbst sein, die Fertigstellung wäre dann fürs Frühjahr 2023 geplant.

Parallel dazu solle im nächsten Jahr der Bebauungsplan dafür abgeschlossen werden. Nach der ersten Offenlage hat sich nur der unmittelbare Anwohner über die Baumaßnahme beschwert und Änderungen gefordert, was der Gemeinderat aber abgelehnt hat. Mit weiteren Problemen rechne er nicht, so Friedrich. „Wir haben schon alles im Vorfeld abgearbeitet.“ Spätestens im Juni soll zudem der Ausbau des Kindergartens in der Höhrenbergstraße fertig sein. Damit hofft die Gemeinde, künftig allen Eltern den gewünschten Platz bieten zu können.

Der DLRG-Ortsverein und der Kraftsportverein konnten ihre 50-Jahr-Jubiläen 2020 nicht feiern. Vielleicht gibt es dazu im nächsten Jahr die Möglichkeit.

Die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres

12. Januar: Ilse Willauer stirbt im Alter von 89 Jahren. Sie war Mitbegründerin des Vereins Mein Platz im Alter und von 1984 bis 1994 Gemeinderätin.

19. Januar: Feierliche Investitur des neuen katholischen Pfarrers Marcus Maria Gut.

30. Januar: Der Narrenverein Alet feiert sein 111-Jahr-Jubiläum mit einem Straßenfest und am 8. Februar mit einem Überraschungsabend, an dem unter anderem SÜDKURIER-Chefredakteur Stefan Lutz ein starkes Debüt auf der Alet-Bühne gibt.

Februar: Der Kinderschutzbund startet mit einer neuen Krippengruppe in der Schule.

Ende März: Die Bahn beginnt mit der Sanierung der fünf maroden Bahnübergängen zwischen Allensbach und Markelfingen (bis Ende November).

Ende März: Auch in Allensbach gibt es die ersten Corona-Infektionen, am 1. April sind es bereits fünf Fälle. Anfang April kommt es zu einem größeren Ausbruch in der Schmieder-Klinik.

9. April: Der Kreisarchäologe Jürgen Hald stößt bei einer Rettungsgrabung östlich von Allensbach auf die Fundamente des Galgens, der hier bis ins späte 18. Jahrhundert stand. Bis in den Juli wird die frühere Richtstätte frei gelegt.

Juni: Die neue Seegarten-Bühne ist fertig gestellt. Die ursprünglich geplante Eröffnung und Nutzung wird verschoben.

1.Juli: Der erste gemeinsame Mietspiegel mit Konsanz und Reichenau erlangt Gültigkeit.

18. September: Das neue Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr wird in Dienst gestellt.

Anfang Oktober: An der B 33 ist nun auch im Osten von Allensbach Baubeginn.

2. Oktober: Die neue Agenda-Gruppe Wir in Kaltbrunn wird gegründet.

6. Oktober: Das Kloster Hegne weiht den Anbau am Pflegeheim ein, der wegen einer neuen Heimverordnung nötig wurde.

12. Oktober: Die neue Agneda-Gruppe Verkehr uns Mobilität wird gegründet.

11.11.: Die Fasnet wird still eröffnet. Weil das übliche Zeremoniell am Mühlebach nicht stattfinden kann, hängen einige anonyme Narren an der Alet-Brücke närrische Banner auf.

26. November: Hans Schieß stirbt im Alter von 86 Jahren. Er war von 1975 bis 1994 Gemeinderat.

1. Dezember: Die Gemeinde kauft das Haus Rathausplatz6.