Es sind Tausende Patienten, die Dagmar Schmieder und die Schmiederkliniken in dankbarer Erinnerung behalten. Sie haben Multiple Sklerose, hatten einen Schlaganfall oder einen schweren Unfall mit Hirnverletzung. Die Klinik verlassen sie in aller Regel Wochen später in deutlich besserem Zustand und können sich vorstellen, ihr Leben trotz großer Einschränkungen lebenswert zu gestalten.

Die erste Herausforderung für Dagmar Schmieder

Leicht waren gerade die Anfänge ihrer beruflichen Laufbahn nicht, daraus macht Dagmar Schmieder keinen Hehl. Die erste Herausforderung sei der Aufbau des Klinikstandorts in Konstanz gewesen. „Wir hatten das Gelände in Konstanz gekauft, aber mein Vater sagte mir schon: ‚Ich werde das nicht mehr machen können‘“. Bis zum Tod ihres Vaters sei sie zwar bereits eng in die Geschäfte eingebunden gewesen, hätte aber nur gemacht, was er ihr übertragen habe. Nun war sie allein verantwortlich.

Patienten kommen heute mit schwereren Krankheitsbildern in die Reha

„Mit dem Standort in Konstanz hatten wir den Platz, dass wir die Schweregrade erhöhen und die Frührehabilitation anbieten konnten“, berichtet Schmieder im Rückblick. Dieser Schritt erwies sich bis heute als zukunftsweisend. Immer wieder hat Dagmar Schmieder betont, dass die Patienten, die aufgenommen werden, immer schwerere Krankheitsbilder aufweisen. Dafür muss eine neurologische Reha-Klinik eingerichtet sein. „Es war eine große Umstellung für die Ärzte, als wir in den 1990ern begannen, beatmete Patienten aufzunehmen“.

Die Schmiederkliniken wachsen

Ein weiterer großer Schritt war die Erweiterung des Unternehmens: „An einem Wachstum Richtung Schweiz habe ich mir die Zähne ausgebissen“, berichtet Schmieder, die kein Problem hat, auch Sackgassen im Management zu benennen. Statt in die Schweiz erweiterten die Schmiederkliniken ihre Standorte zuerst im Landkreis (auf Gailingen und Allensbach folgte Konstanz) und machten dann den Schritt in die Ballungsräume. Standorte in Stuttgart, Gerlingen und Heidelberg wurden eröffnet. „Hätten wir diesen Schritt nicht getan, hätten es andere gemacht“, analysiert Dagmar Schmieder die Lage. „Das waren tolle Herausforderungen“.

Dagmar Schmieder wurde im Jahr 2016 im Schloss Ludwigsburg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Dagmar Schmieder wurde im Jahr 2016 im Schloss Ludwigsburg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. | Bild: Volker Knopf

Wie der Sohn das Unternehmen in die Zukunft führen will

Paul-Georg Friedrich, Dagmar Schmieders Sohn, übernimmt ab sofort den Vorsitz der Geschäftsführung der Schmiederkliniken. An der Geschäftsführung beteiligt sind außerdem seine Schwester Lisa Sophia Friedrich, Ulrich Sandholzer und ab Dezember Patrick Mickler. „Ein großes Ziel ist es, eine gute Kontinuität zu schaffen und ein medizinischer Leuchtturm in der neurologischen Reha zu bleiben“, formuliert Friedrich sein Vorhaben. Gleichzeitig gelte es, zukunftsorientiert zu sein und etwa die digitale Entwicklung voranzutreiben.

„Es gibt Applikationen, die Patienten nach der Reha nutzen können und die ihnen helfen“, erläutert Friedrich. Mit diesen Anwendungen beschäftige sich der Vorstand bereits heute. „Wir müssen in diesen Bereichen innovativ bleiben“.

Welche Schwierigkeiten die Zukunft bietet

Einfacher wird das Geschäft mit der Rehabilitation nicht werden. Als eines der größten Probleme sieht Friedrich die Preis-Kosten-Schere. Die Tagessätze, die Kranken- und Rentenkassen zahlen, stiegen nicht im selben Umfang wie die Kosten, vor allem die Personalkosten.

Eine der größten Herausforderungen der Zukunft ist es, gutes Personal zu finden. „Um schwerstbetroffene Patienten zu behandeln, brauchen wir hochqualifizierte Ärzte, Pfleger und Therapeuten“, sagt Friedrich und seine Mutter kommt zurück auf das vom Sohn formulierte Ziel: „Das gelingt nur, wenn man Leuchtturm bleibt. Die Besten werden mit den besten Mitarbeitern ausgestattet sein.“ Der Markt gebe es her, dass sich das medizinische Personal seine Arbeitsorte aussuchen könne.

Stadt würdigt die Leistung Schmieders

Oberbürgermeister Uli Burchardt betont die Bedeutung der Rehabilitationseinrichtung für Konstanz. Die Kliniken seien mit verantwortlich für die überaus hochwertige medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Bodenseeregion, schreibt er. „Mit unternehmerischem Geschick, aber auch dem richtigen Gespür für die Entwicklungen im Rehabilitationsbereich hat Dagmar Schmieder es verstanden, die Kliniken zu einem herausragenden Leuchtturm in der Neurologischen Rehabilitation zu etablieren“, schreibt Burchardt über ihre Lebensleistung.

Als „tragende Säule in der Rehabilitation“ bezeichnet auch Landrat Zeno Danner die Schmiederkliniken. Dagmar Schmieder habe wesentlich zum Erfolg des Unternehmens und der überregionalen hohen gesundheitspolitischen Bedeutung beigetragen, das Haus sei nun bei ihrem Sohn Paul-Georg Friedrich und ihrer Tochter Lisa Sophia Friedrich in guten Händen.

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Mehr Raum für Kultur und Gesundheit

Ganz lassen wird Dagmar Schmieder auch jetzt nicht von den Geschäften. Als Vorsitzende der Professor Friedrich Schmieder Stiftung wird sie an den strategischen Schritten des Unternehmens weiter beteiligt sein. Ein wenig mehr Zeit für die „schönen Dinge“ dürfte dennoch drin sein. Ihr Kalender werde nur noch ein Viertel so voll sein wie im Moment, sagt Schmieder, und die gewonnene Zeit werde sie zu nutzen wissen: zum einen für Sport und die eigene Gesundheit und zweitens für das gesellschaftliche Leben.

Auch mal ein Besuch bei der Buchmesse

„Es gibt so viele Anlässe, auf die ich für den Beruf verzichtet habe“, sagt sie, „ich will mich mehr einbringen in gesellschaftliche Diskussionen und freue mich auf kulturelle Veranstaltungen“. Einen Besuch bei der Frankfurter Buchmesse, die sie auch in diesem Jahr verpasst habe, will sie sich in Zukunft nicht nehmen lassen.