Volkshochschule und Stadtbibliothek sind zwei städtische Angebote, die im Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport angesiedelt sind. Während Corona mussten sich beide Einrichtungen immer wieder neuen Vorgaben und den Einschränkungen anpassen. Und die bereits vor Corona gemachten ersten Schritte in Richtung Digitalwelt wurden jetzt deutlich forciert.

In Villingen sind Volkshochschule und Stadtbibliothek direkte Nachbarn.
In Villingen sind Volkshochschule und Stadtbibliothek direkte Nachbarn. | Bild: Fröhlich, Jens

Volkshochschule

Warum das nötig wurde, wird im Gespräch mit Abteilungsleiterin Ina Schweizer von der Abteilung Volkshochschule (VHS) deutlich. Durch Corona seien der Bildungseinrichtung rund die Hälfte aller Unterrichtseinheiten und Teilnehmer verloren gegangen, bilanziert sie ein schwieriges Jahr. Genaue Zahlen sollen erst mit dem Jahresbericht offengelegt werden. Klar ist aber schon jetzt: Ein Rückgang von 50 Prozent tut weh. Nur sechs Monate sei 2020 Unterrichtsbetrieb eingeschränkt möglich gewesen, unter Einhaltung von Hygienevorschriften, mit mehr Abstand und durch Mehraufwand.

2021 ist Unterricht vor Ort erst wieder seit dem 15. März möglich und auch nur für die Deutsch- und Integrationskurse. „Die Krise in der Bildung betrifft nicht nur Schüler“, ist sich Schweizer sicher. Auch außerschulische Bildungsangebote wurden hart getroffen. „Wir sind nun gefordert, auch die Erwachsenen wieder dabei zu unterstützen, Neues lernen zu können und damit einer Bildungsspaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken“, nennt sie die Herausforderung, die viel Veränderungsfähigkeit voraussetze.

Man versuche daher, das soziale Teilhaben im Lockdown in digitale Teilhabe zu übertragen. „Wir befinden derzeit in einem strukturellen Transformationsprozess, in dem analoge und digitale Angebote weiterentwickelt werden“, so Schweizer. Die Pandemie hat diesem Wandel Schwung verliehen.

Schilder am Eingang der Volkshochschule in Villingen erklären die Corona-Regeln.
Schilder am Eingang der Volkshochschule in Villingen erklären die Corona-Regeln. | Bild: Fröhlich, Jens

Im Wandel

Technisch gesehen ist die VHS für eine Zukunft mit Streaming und Onlineunterricht gerüstet. 61 VHS-Onlinekurse sind bereits im Angebot, täglich werden es mehr. Auch die Akzeptanz für solche Formate seitens den Teilnehmern und den Kursleitern nehme nach verhaltenem Start stetig zu. „Unser Ziel ist es, eine agile VHS zu werden, ohne starre Semesterzeiten und Programmen“, erklärt Schweizer. Angebote sollen modulbasiert über das Jahr verteilt, flexibel und durchweg in Hybridform angeboten werden. Im Detail bedeutet das: Dicke Programmkataloge gibt es künftig nicht mehr. Die Teilnahme an einzelnen Unterrichtseinheiten ist immer sowohl online als auch vor Ort möglich. So können auch Interessierte aus anderen Landesteilen teilhaben, die Zielgruppe wird größer. Kurse finden dann statt, wenn es eine Nachfrage gibt. Auch sollen Nutzer in die Programmgestaltung mit einbezogen werden. Inhalte werden künftig über ein bundesweites VHS-Netzwerk beworben und vermarktet, was am Ende die Chance auf Durchführung der einzelnen Kurse erhöht.

„Wir wollen künftig unser Profil im Bereich Deutschintegration weiter ausbauen und ein Kompetenzzentrum für pädagogische Fortbildung werden“, nenne Schweizer weitere Ziele. Wie wichtig gerade der erste Punkt für die VHS heute schon ist, zeigt Viola Röder auf, die diesen Bereich verantwortet.

Die Volkshochschule bietet Kursteilnehmern kostenlose Schnelltests an. Künftig sollen diese zur Pflicht werden.
Die Volkshochschule bietet Kursteilnehmern kostenlose Schnelltests an. Künftig sollen diese zur Pflicht werden. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

17 Prüfungen in sechs Wochen

Insgesamt fanden zuletzt und trotz Corona insgesamt 18 Deutsch- und Integrationskurse mit täglich 200 Teilnehmern vor Ort statt. Diese konnten geballt in der Zeit vom 15. März bis zur erneuten Schließung durch das neue Infektionsschutzgesetz angeboten und abgeschlossen werden, inklusive Prüfungen und Einbürgerungstests. „Das war eine riesen Herausforderung. In sechs Wochen haben wir 17 Prüfungen nachgeholt mit 160 Teilnehmern“, erzählt Röder. Teilnehmer konnten sich kostenlos testen lassen. Zusätzliche Räume wurden angemietet, um Gruppen zu entzerren.

„Fernunterricht ist in diesem Bereich kaum möglich“, so Röder weiter. Eine Abfrage unter Teilnehmern habe ergeben, dass häufig kein oder zu wenige Endgeräte pro Haushalt zur Verfügung stehen. Während der erneuten Schließung habe sich das bundesweite VHS-Lernportal als gute Überbrückung erwiesen. Allerdings: Nur 50 Prozent der Teilnehmer würden dieses Angebot annehmen, auch sei es kein Ersatz für den Unterricht vor Ort, ist sich Röder sicher. Ein weiteres Problem: „Nach einer längeren Schließung sind Teilnehmer häufig gar nicht mehr erreichbar, sind weggezogen, müssen aus existentieller Not nun arbeiten oder haben andere Pläne.“ Unter dem Strich sei die Nachfrage nach Integrations- und Deutschkursen in der Pandemie aber stark angestiegen, die häufig Grundvoraussetzung für eine Einbürgerung, en Wohnrecht oder eine Arbeitserlaubnis sind. Stolz sei man, dass es in den sechs Wochen nur ein Corona-Fall gegeben habe, ohne weitere Infektionen. Um den Schutz noch weiter auszubauen, soll künftig eine Testpflicht für Teilnehmer gelten, zweimal pro Woche. Diese Tests will die VHS weiterhin kostenlos vor Ort anbieten.

Stadtbibliothek

Auch an den Bibliotheken ging die Pandemie nicht spurlos vorüber, „auch wenn diese in den Verordnungen häufig überhaupt nicht explizit genannt wurden“, blickt Volker Fritz zurück, Leiter der Abteilung Stadtbibliothek. „Wir haben uns daher einfach an die Vorgaben für den Einzelhandel gehalten und diese übernommen.“ So auch aktuell wieder. Bibliotheken seien in der aktuellen Notbremsenverordnung wieder nicht benannt. Daher habe die Stadtbibliothek seit dem 16. März auch wieder für Personen mit einem Termin geöffnet. Dieses Angebot wird rege genutzt. Seit Mitte März wurden rund 1000 Termine gebucht, die jeweils 30 Minuten dauern. „Anfangs wurden wir überrannt, nun ist es etwas zurückgegangen“, so Fritz. Termine können in der Zeit von Dienstag bis Freitag jeweils von 10 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr online oder telefonisch gebucht werden.

Abteilungsleiter Volker Fritz sammelt bestellte Bücher ein, die später abgeholt werden können oder sogar geliefert werden.
Abteilungsleiter Volker Fritz sammelt bestellte Bücher ein, die später abgeholt werden können oder sogar geliefert werden. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

2020 waren beide Häuser während der Lockdowns viele Wochen komplett geschlossen. „Die Bibliothek als dritter Ort zwischen zuhause und Beruf ist in der Pandemie als Aufenthaltsort, als Lernort oder als Treffpunkt für viele Menschen weggefallen“, bedauert Fritz. Doch Corona habe nicht nur negative Auswirkungen. Im Team sei viel besprochen worden. Konstruktiv und flexibel konnte so auf Beschränkungen reagiert werden. Wechselschichten wurde eingeführt und es gab kostenlose Online-Schnupperausweise. Das gesamte Digitalangebot wurde ausgebaut. Die Online-Nutzungszahlen hatten sich teilweise verdreifacht. Ein Erfolg war auch der schnell installierte Lieferservice und ergänzend der Abholservice. Beide Angebote bestehen bis heute. Speziell für Schüler gebe jetzt Lerntipps, eine virtuelle Abisprechstunde oder eine Onlinevorlesestunde. Am Ausbau solcher Digitalangebote will Fritz und sein Team nun weiterarbeiten, auch wenn es ihm viel lieber wäre, ab einer Inzidenz von 50 wieder ganz normal öffnen zu können. Motivation zum Weitermachen geben die vielen positiven Rückmeldungen: „Wir haben große Dankbarkeit der Menschen gespürt.“