„Es ist untersagt, in Beherbergungsbetrieben Gäste zu beherbergen, die sich in einem Land-, Stadtkreis oder einer kreisfreien Stadt innerhalb der Bundesrepublik Deutschland aufgehalten oder darin ihren Wohnsitz haben, in dem der Schwellenwert von 50 neu gemeldeten SARS-CoV-2-Fällen pro 100.000 Einwohner in den vorangehenden sieben Tagen (7-Tage-Inzidenz) überschritten wurde.“ – so beginnt die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg im Bezug auf das Beherbergungsverbot. Einzig Gäste, die ein maximal 48 Stunden altes negatives Corona-Ergebnis vorzeigen können, sind von der Regelung ausgeschlossen.

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Während sich die meisten Bundesländer jüngst dieses Verbot beschlossen haben, gilt es in Baden-Württemberg bereits seit dem 15. Juli. Derzeit sind unter anderem die Berliner Bezirke Mitte, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg sowie Bremen, der Landkreis Vechta (Niedersachsen), Esslingen (Baden-Württemberg) und außerdem die Städte Hamm, Hagen und Remscheid (beide Nordrhein-Westfalen) und auch Frankfurt Risikogebiete.

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Für zwei Hoteliers aus Villingen-Schwenningen gab es mit dem Verbot bislang keine Probleme. „Die Menschen sind in der Regel sehr gut informiert. Gäste aus Risikogebieten fragen meist erst gar nicht wegen eines Zimmers an“, sagt Marco Frank, General Manager des „Holiday Inn“ zwischen Villingen und Schwenningen. Auch Benjamin Braunöhler, im Management des Romantikhotels „Rindenmühle“ tätig, sagt Ähnliches: „Die Gäste, die wir abweisen mussten, kann ich an einer Hand abzählen“. Es habe beispielsweise einen Gast aus Luxemburg gegeben, dem das Hotel das Übernachten untersagen musste. Sonst sei das Beherbergungsverbot bislang aber kein Problem gewesen.

„Nicht praktikabel“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Baden-Württemberg (Dehoga) kritisiert die Verordnung dagegen scharf, wie Pressesprecher Daniel Ohl im SÜDKURIER-Gespräch sagt. „Diese Maßnahme ist einfach nicht praktikabel in seiner jetzigen Form.“ In der Zwischenzeit ist die Politik nämlich dazu übergegangen, Risikogebiete kleinteiliger auszuweisen.

„Für die Mitarbeiter bedeutet das, dass sie bei jedem Gast genau nachfragen müssen, wo sich jemand gerade aufgehalten hat“, sagt Ohl weiter. Es könne ja beispielsweise sein, dass jemand in einem Risikogebiet wohnt, sich in den Wochen vor dem Hotelaufenthalt aber in einem Nicht-Risikogebiet aufgehalten hat. Mit der Regelung würden Hotel-Mitarbeiter schlicht überfordert werden.

„Das macht keinen Sinn“

Im Ziel, so der Pressesprecher, die Pandemie einzudämmen, stimmt der Dehoga natürlich überein. Das Beherbergungsverbot sei jedoch widersprüchlich. „Menschen aus Risikogebieten dürfen bei Verwandten oder Freunden übernachten, aber nicht in Hotels? Das macht keinen Sinn“, sagt Ohl weiter. Es brauche verständliche und nachvollziehbare Regeln, die auch funktionieren. Sind das Verordnungen nämlich nicht, sinke die Akzeptanz von Normen.

Auch, was die Bestrafung bei Nicht-Einhaltung anbelangt, übt der Dehoga Kritik. Ohl: „Es kann nicht sein, dass der Hotelier die Verantwortung übernehmen muss. Die muss klar beim Reisenden liegen.“