Professor Thomas Schnabel hat beim Geschichts- und Heimatverein einen Vortrag gehalten. Ehrenvorsitzender Günther Rath begrüßte den "Freund und immer gern gesehenen Referenten" im Ewald-Huth-Saal im Münsterzentrum.

Zufall oder Absicht? Thema des Vortrages von Schnabel war Eugen Bolz, Staatsmann und Widerstandskämpfer, der – wie Ewald Huth – nach abgelehntem Gnadengesuch von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Ewald Huth am 1. November 1944, Eugen Bolz am 31. Januar 1945 zusammen mit Tausenden Verurteilten, obwohl der Zweite Weltkrieg zu diesem Zeitpunkt schon als verloren galt.

Thomas Schnabel bezeichnete Bolz als "herausragende Persönlichkeit, Parlamentarier und gläubigen Katholik" des 20. Jahrhunderts. "Es bedarf der Wiederwahrnehmung von Eugen Bolz, auch im Hinblick auf das Wahlergebnis der Bundestagswahl", sagte Schnabel.

Der 1881 in Rottenburg geborene Jurist Bolz begann seine politische Karriere 1912 als Mitglied des Reichtags für den Wahlkreis Ellwangen-Aalen und wurde 1913 Mitglied des Württembergischen Landtags. Weitere Stationen waren das Reichsentschädigungsamt in Brüssel, Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung in Stuttgart, bevor er 1919 württembergischer Justizminister wurde. Er war Mitglied der Nationalversammlung in Weimar, württembergischer Innenminister und bis 1933 Staatspräsident, bevor die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung das Amt übernahmen.

Bolz mahnt Finanzlage an

"Für Eugen Bolz waren die Finanzen immer das wichtigste Thema", erläuterte Schnabel. Schon 1920 habe Bolz schon auf die trübe Finanzlage hingewiesen und die schlechte Finanzlage angemahnt. Württemberg hatte in der Zeit mit zwölf Reichsmark die geringste Pro-Kopf-Verschuldung im Land. "Das könnte man fast unserem Finanzminister schicken", scherzte Schnabel.

Als sich der Widerstand gegen Hitler formte, war Bolz bereit in einer neuen Reichsregierung das Kultusministerium zu übernehmen. Das Attentat auf Hitler schlug fehl, Eugen Bolz wurde am 27. August 1944 nach Berlin überführt und in einer siebenstündigen Verhandlung zum Tode durch Enthaupten verurteilt.

"Wir freuen uns schon auf weitere spannende Vorträge von Ihnen", bedankte sich der Vorsitzende des Geschichts – und Heimatvereins, Werner Echle, bei Thomas Schnabel.