Nach Ostern sollte eigentlich der Ausbau der kaputten Münsterglocke erfolgen, die einer Gießerei in Holland repariert wird. „Der vorgesehende Zeitplan lässt sich aber nicht halten“, erklärt Münstermesner Andreas Turner. Die Stadt wolle ja den Münsterplatz sanieren, „was dringend notwendig ist“, so Turner. Aber so müsse man die Sanierungsarbeiten und den Glockenausbau koordinieren, außerdem sei im Juli ja das große Stadtfest „9 am Münster„ geplant: „Auch da ist es schlecht, wenn der Platz durch das Gerüst eingeschränkt ist“. Hier werde jeder Zentimeter gebraucht. Also ist der Ausbau und die Reparatur der Glocke frühestens für Ende Juli geplant. Wann allerdings die Sanierung des Münsterplatzes genau startet, ist noch unklar. Wie Pressesprecherin Oxana Brunner auf Anfrage erklärte, ist für den 24. März eine Vorlage mit dem Projektbeschluss für den Technischen Ausschuss geplant, erst danach können die Arbeiten vergeben werden. Also könnte die Sanierung genau mit dem geplanten Ausbau der Münsterglocke zusammenfallen.

50 000 Euro Spenden

Seit Monaten läuft eine Spendenaktion, um die notwendige Reparatur zu finanzieren. Vor allem der Ausbau und der Transport der mit 5,5 Tonnen mächtigen Glocke ist aufwändig und damit teuer. Rund 200 000 Euro sind für die gesamte Maßnahme jetzt veranschlagt, berichtet Christian Stöber von der Verrechnungsstelle der katholischen Kirchengemeinden. Aktuell sind 50 000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen, weitere Spenden sind aber erwünscht, da die Kosten noch steigen können. Die Finanzierung ist komplex, wie Stöber erklärt: „Es gibt einen Eigenanteil der Kirchengemeinde, Zuschüsse aus Freiburg und als wichtiger Baustein die Spenden.“

Durch dieses Fenster soll die Glocke herausgewuchtet werden.
Durch dieses Fenster soll die Glocke herausgewuchtet werden. | Bild: Greiner, Anja

Turm wird eingerüstet

Für den Ausbau des Glocken-Kolosses ist es notwendig, den Nordturm einzurüsten. An der Seite zur Volkhochschule und zur Bibliothek hin, erfolge der Abtransport. Hier muss der Turm für den Ausbau der Glocke geöffnet werden. Der Glockenstuhl wird demontiert, die Schalung eines der Fenster muss geöffnet werden, der Mittelstab und das Mauerwerk drumherum werden herausgebrochen und dann muss die Glocke mit einem Kran aus dem Turm gehoben werden. „An dieser Stelle sind die Balken etwas weiter auseinander“, erklärt Andreas Mesner. Das Gerüst soll aus Kostengründen stehenbleiben, bis die dann reparierte Glocke aus Holland wieder da ist. Wie lange die Reparatur genau dauert, weiß Andreas Turner auch nicht. „Ich hoffe, dass die Glocke ungefähr drei Monate nach dem Ausbau wieder zurück ist.“ Wenn der Ausbau also nach dem Stadtfest zeitnah Mitte Juli erfolgt, könnte die Glocke frühestens Mitte Oktober wieder in voller Pracht erklingen.

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Reparatur in Holland

Firmen, die eine solch diffizile Aufgabe erledigen können, gibt es nicht gerade viele: Bei einer deutschen Gießerei, erzählt Turner, seien die Auftragsbücher voll gewesen. Eine österreichische Firma in Insbruck hätte abgelehnt, als sie vom Gewicht der Villinger Glocke hörten: Mit 5,4 Tonnen „war denen die Glocke viel zu schwer“, erzählt Turner. Dort werden Glocken bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen saniert. So kommt die Münsterglocke jetzt nach Holland, zur Glockengießerei Eijsbouts. Dort wird die Glocke auf 450 Grad erhitzt, dann wird eine Metalllegierung, deren Zusammensetzung exakt dem Glockenmaterial entsprechen muss, eingeschweißt. So bleiben keine Schweißnähte zurück, die den Klang beeinträchtigen könnten. Dann muss die Glocke bis zu drei Wochen abkühlen.

Neue Steuerung

Wenn die Glocke wieder im Turm hängt, bekommt sie eine neue Steuerung, künftig wird sie mit einem Synronantrieb zum Läuten gebracht, bislang wurde sie nur von einem einseitigen Antrieb in Schwingung versetzt. Die neue Methode entlaste die Glocke, so Andreas Turner. Während die Glocke in Holland in der Gießerei ist, soll auch der Glockenstuhl instand gesetzt werden. „Das ist dringend notwendig, weil vieles nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht“, erklärt der Mesner.

Zur Erinnerung

Mit einem Durchmesser von zwei Metern und einem Gewicht von 5,4 Tonnen ist die Christusglocke im Villinger Münster eine der größten Kirchenglocken im Südwesten. Im April 2018 hat Andreas Turner einen langen Riss entdeckt.

Münstermesner Andreas Turner zeigt den Riss in der großen Glocke, die im Nordturm des Münsters hängt.
Münstermesner Andreas Turner zeigt den Riss in der großen Glocke, die im Nordturm des Münsters hängt. | Bild: Hoffmann, Claudia

Das Spendenkonto

Wer für die Sanierung der großen Christusglocke spenden möchte, kann das Geld unter dem Stichwort große Glocke Münster auf folgendes Konto der Katholischen Kirchengemeinde Villingen überweisen: DE 08 6949 0000 0000 1465 01. Villingen hat die große Glocke 1954 anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Belagerung der Stadt durch Marschall Tallard im Jahr 1704 gestiftet.

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