Die Stadt Villingen-Schwenningen muss dringend Kindergartenplätze bereitstellen. Sie ist gesetzlich verpflichtet, eine Grundversorgung zu garantieren. Aktuell fehlen 162 Plätze für über Dreijährige und 202 für unter Dreijährige, deren Eltern sie für nächstes Jahr angemeldet haben. Nun will das zuständige Amt für Jugend, Bildung, Sport und Integration in einem Kraftakt drei neue Einrichtungen schaffen: in der Junghans-Villa, auf dem früheren Kasernen-Gelände Mangin einen Betriebskindergarten und in Schwenningen in der Alleenstraße einen Ersatz für die Wilhelmspflege. Nur der Neubau des Pauluskindergartens in Schwenningen wird definitiv ein freier Träger, die evangelische Kirchengemeinde, übernehmen. Drei weitere Einrichtungen werden erweitert. Der Jugendhilfeausschuss stimmte dem grundsätzlich zu.

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Selbst wenn jetzt alles optimal läuft, werden die neuen oder erweiterten Kindertagesstätten erst 2022/23 in Betrieb gehen, wie Amtsleiter Stefan Assfalg gestern im Ausschuss erläuterte. Doch noch ist offen, ob alle Gelder in den Haushaltsberatungen bewilligt werden.

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Dabei soll die Junghans-Villa angemietet, das Gebäude in der Alleenstraße gekauft und für maximal neun Gruppen ausgebaut werden sowie der frühere französische Kindergarten auf dem Kasernengelände ebenfalls gekauft werden. Unstrittig war eigentlich nur, dass die Stadt beim künftigen Betriebskindergarten als Träger auftritt. Bei der Kindertagesstätte in der Alleenstraße – immerhin Nachfolgerin der Wilhelmspflege – und bei der Junghans-Villa sollte die Entscheidung offen gelassen werden, meinten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Hier hätten auch freie Träger Interesse, betonte Alfred Zahn, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes VS. Er befürchtete, dass in dieser Notsituation die freie Träger zurückgedrängt werden sollen.

Geht es nur um Grundversorgung?

Pfarrer Michael Schuhmacher kritisierte, dass nun ausschließlich das Augenmerk auf die Grundversorgung gelegt werde. Doch viele Familien forderten auch andere Betreuungsformen. Das sei in der Tat ein Dilemma, erläuterte Katharina Hirt (CDU). „Wir müssen diese Kröte nun schlucken und schnell Plätze schaffen.“ Danach könnte an Sonderformen, zum Beispiel Ganztagesplätze, gedacht werden.

In der Pflicht, gesetzlichen Auftrag zu erfüllen

Der gesetzlich Auftrag stände klar im Vordergrund, betonte Oberbürgermeister Jürgen Roth. Im Übrigen sei es einer Mutter in einer Bürgersprechstunde kaum zu vermitteln, dass ihr Kind keinen Platz erhalte, während das Kind einer anderen Mutter noch zwei Stunden länger betreut werde.

Erst am Anfang

Die Stadtverwaltung hatte auch bereits die Gruppen für unter- und über Dreijährige fix eingeplant. Auch davon nimmt das Amt nun Abstand, es könnte auch zu einem späteren Zeitpunkt noch bestimmt werden, erläuterte Assfalg. Die Euphorie, dass nun schnell zusätzliche Plätze zur Verfügung stehen, bremste Roth: „Wir sind erst am Anfang des Zeitstrahls.“

Das ist geplant

  • Ein Betriebskindergarten auf dem früheren Kasernengelände Mangin ist für zunächst zwei Gruppen geplant.
  • In der Junghans-Villa soll eine Einrichtung für vier Gruppen entstehen.
  • Die Kindertagesstätten im Schwalbenhaag und in Pfaffenweiler sollen erweitert werden.
  • In Schwenningen ist der Neubau des Pauluskindergartens für fünf Gruppen vorgesehen.
  • In der Alleenstraße soll ein Ersatz für die Wilhelmspflege mit neun Gruppen aufgebaut werden.
  • Eine Außenstelle der Kindertagesstätte Helene Mauthe ist geplant.

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