Villingen-Tannheim – Der Mann mit der Sonnenbrille swingt. Seine Band groovt. Karl Friedrich Fürst zu Hohenzollern bewohnt eines der stattlichsten Schlösser Deutschlands. Für die Arbeit mit schwer kranken Kindern der Nachsorgeklinik in Tannheim schlüpft er in die Rolle des Sängers. 160 Gäste sind am Montag bei Villingen-Schwenningen zur Wohltätigkeitsgala zusammengekommen. Der adlige Sänger ist dabei nur eine der vielen bemerkenswerten Facetten des neunstündigen Zusammenkommens. Harald Wohlfahrt, Deutschlands dienstältester Drei-Sterne-Koch, arbeitet ebenso seit dem frühen Nachmittag in der Küche wie Douce Steiner, dekoriert mit zwei Michelin-Sternen, oder Dirk Hoberg vom „Ophelia“ im Konstanzer Riva-Hotel, ebenfalls mit zwei Sternen dekoriert.

Schöne Details schmücken den Abend: Der aus Furtwangen stammende Zwei-Sterne-Koch Sebastian Zier, der einst im Vöhrenbacher „Engel“ lernte, kehrt zurück für diesen Abend. Douce Steiner, 17 Gault-Millau-Punkte und zwei Sterne, ist wie seit vielen Jahren dabei, ebenso wie die Sommelière Na-thalie Lumpp oder das Ehepaar Marder aus Albbruck mit einer ganzen Batterie unterschiedlicher Destillate.

Ohne Honorar treten alle an, die Musicalsängerin Sabrina Weckerlin aus Furtwangen ebenso wie die Konzertpianistin Henriette Gärtner. Oder wie über 50 Schüler und Lehrkräfte der Villinger Hotelfachschule, die statt Tanz in den Mai an diesem Abend extrem lange einen blendenden Service in den zwei Speisesälen des Tannheimer Hauses leisten. Ziel allen Einsatzes und aller Anstrengungen: Möglichst viel Geld für die Arbeit der Klinik zu erwirtschaften.

111 000 Euro kommen, auch dank einer üppigen Schnell-Spende spät in der Nacht von der Sparda-Bank, zusammen. Das Geld wird für die Arbeit im Tannheimer Therapiehaus dringend gebraucht: Das Haus muss sich mit Aktionen wie diesen auch finanzieren, die Pflegesätze lassen eine jährliche Lücke von über einer halben Million Euro.

Harald Wohlfahrt wirkt seit seinem Abschied von seiner früheren Wirkungsstätte entspannt. Er kocht jetzt im „Aida“. Das Restaurant im Baden-Badener Festspielhaus habe 180 Veranstaltungen im Jahr, sei nicht täglich geöffnet, was ihm, so erklärt er, Raum für seine Firma lasse. Wohlfahrt realisiert mit einem Kompagnon Spezialevents. Vor wenigen Tagen habe er mit seinem Team eine 500-köpfige Gesellschaft auf einem Mosel-Schiff bekocht, erzählt er. Weshalb kommt er immer nach Tannheim zur Gala zum Kochen? „Ist doch klar“, sagt er. „Für diesen guten Zweck ist jeder Aufwand gut.“

Das Benefiz-Menü

Randolf Merkel und Rainer Gaiselmann, Tannheimer Klinik: Canapés-Variationen.

Sebastian Zier und Moses Ceylan, „Einstein“, St. Gallen: Gebeizter Saibling im Apfel-Sauerampfersud, serviert in einem Kohlrabi.

Harald Wohlfahrt, Baden-Baden: Marinierte Black-Tiger-Garnelen gebacken auf Ananas-Mango-Chutney und Wasabi Mayonnaise.

Stéphan Bernhard, „Le Jarin de France“, Baden-Baden: Bonbon von Seewolf mit Ingwer und Limone, grünem Spargel und Kokos-Birnen-Curry-Schaum.

Dirk Hoberg, „Ophelia“, Konstanz: Lammschulter mit Zwiebeln und Sellerie; Zitronensorbet.

Douce Steiner, „Hirschen“, Sulzburg: Getrüffelte Bresse-Poularde mit Gemüsekugeln.

Nico Sackmann, Hotel Sackmann, Baiersbronn-Schwarzenberg: Emmerreis-Müsli mit Waldbeeren, geeister Ziegenmilch, Balsamicogelee gepicklete Magareten-Kapern.

August Guter, Brigachtal, Petits Fours.