Nach der Einführung der neuen Busfahrpläne hagelte es in Villingen-Schwenningen Kritik: Zu umständlich, es müsse zu oft umgestiegen werden oder die gewohnte Linie gab es gar nicht mehr. Grundsätzlich wird die Stadtverwaltung an dem neuen Konzept festhalten. Das machte Baubürgermeister Detlev Bührer im Technischen Ausschuss klar. An einigen Punkten soll es jedoch zu Verbesserungen kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Eingeführt hat die Stadtverwaltung mit den neuen Fahrplänen einen durchgängigen Halbstundentakt. Der sei abgestimmt auf den Ringzug, weitere Bahnen oder Busse des Kreises. In dieser Welt gebe es keinen eigenen Schülerverkehr mehr, der sich an den Anfangs- und Endzeiten der Schulen orientiert hatte, betonte Bührer. Jetzt werde immer wieder gefordert – in der Sitzung tat es besonders eindrücklich und emotional der Freie Wähler-Stadtrat Karl-Henning Lichte -, dass Schulverbindungen wieder hergestellt werden sollen. Deren Vorteil: Schüler könnten ohne umzusteigen aus einem Wohngebiet in ihre Bildungsstätte gelangen. Doch das würde das System sprengen, vor allem würden zusätzliche Schülerlinien aber teurer werden: Deswegen werde es die Stadtverwaltung von sich aus nicht vorschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das neue Konzept sei orientiert an Umsteigepunkten. So sei es möglich, von jedem Punkt X in der Stadt an einen Ort Y zu gelangen: „Alle können überall hin fahren“, machte es Bührer deutlich. Allerdings müssten zusätzliche Umstiege einberechnet werden. Dies veranschaulichte der Baubürgermeister an einem Schwenninger Beispiel: Von der Gluck-/Rietenstraße gab es früher eine Direktverbindung zum Klinikum, die jetzt nicht mehr angeboten wird. Stattdessen müssen die Bürger zum Busbahnhof, sie steigen dort um und fahren weiter zum Klinikum. Weil das auch noch 20 Minuten länger dauert, protestierten dort die Bürger energisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Nicht einfacher gemacht wurde es den Fahrgästen, weil die Verkehrsgemeinschaft viele neuen Busfahrer einstellte. Die „wurden auf dem Balkan akquiriert“, sagte Bührer. Daher seien die Fahrer anfangs des Deutschen kaum mächtig gewesen. Wenn Fahrgäste Fragen stellten, seien die nicht immer richtig verstanden worden und wurden daher in die Irre geschickt. Die Verkehrsgemeinschaft betreue aber die Busfahrer in Deutschkursen. Zudem müssten die Neulinge auch die Strecken erst kennen lernen. So sei es vorgekommen, dass noch unkundige Busfahrer den Bus am Deutenberg zwei Mal in eine Sackgasse steuerten. „Es wird besser werden“, versprach Bührer.

...sonst kommt ihr noch zu spät in die Schule!neue Fahrpläne
...sonst kommt ihr noch zu spät in die Schule!neue Fahrpläne | Bild: Richard Schöb

Viel Lob gab es für den verantwortlichen Mitarbeiter, Alexander Schmid, der ein komplett neues System hervorragend managte. Allerdings sei er Alleinkämpfer und könne daher nicht jede Anfrage sofort beantworten. Vor allem werde er nächste Woche einen vierwöchigen Urlaub antreten. In dieser Zeit würden die Mails, die direkt an ihn adressiert sind, nicht beantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren

Bührer verdeutlichte auch, dass größere Veränderungen nicht so einfach zu bewerkstelligen seien. So müsste möglicherweise der Vertrag geändert werden. Außerdem glaube er kaum, dass dies kostenfrei möglich sei.

Gelungenes Konzept – sagen viele Stadträte

Größtenteils lobten die Stadträte das neue System. Am meisten zu schaffen machen ihnen die Schülerverkehre. „Das liegt uns am Herzen“, erläuterte CDU-Mann Dirk Sautter. Er schlug vor, für diese Linien bei Bedarf Rufbusse einzusetzen. Das sei tatsächlich „ein Rettungsanker“, räumte Bührer ein. Helga Baur (Grüne) fand, dass die Mammutaufgabe „gut gelöst“ wurde. Lichte plädierte vor allem für eine Änderung bei den Schülern. Kindern zwischen sechs und acht Jahren sei das Umsteigen nicht zuzumuten, erläzterte der frühere Kinderarzt. Hier müssten wieder eigene Schulbusse eingeführt werden.

Kritik aus der Wöschhalde

Außerdem verwies Lichte auf Proteste aus dem Villinger Wohngebiet Wöschhalde. Hier gebe es inzwischen drei Linien, die mit teils leeren Bussen befahren werden. In einer Straße werden 206 Busbewegungen am Tag gezählt. Außerdem seien Friedhof und die frühere Goldenbühlklinik nicht mehr direkt zu erreichen.Kritisiert werden auch die neuen Haltestellen vor den Häusern. Bührer machte aber klar, dass man sich da auf keine Diskussion einlassen werde: Jeder wolle die Busse, nur die Haltestellen nicht vor der eigenen Tür.

Über 200 Busse

Die täglich über 200 Busse würden nur vor der Haslachschule gezählt, erläuterte Schmid. Das werde verringert, indem die beiden Linien fünf und sechs gekoppelt werden. Doch auch da gebe es schon wieder Einsprüche.

Positive Werbung gefordert

Edgar Schurr (SPD) plädierte dafür, dem neuen Konzept nun zwei bis drei Jahre Zeit zu lassen. Und Baubürgermeister Bührer meinte, es sei Zeit, für den Busverkehr einfach mal „positive Werbung“ zu machen.