Diese Sitzung des Gemeinderates dürfte in die Geschichtsbücher der Gemeinde eingehen. „Ich bin gerührt, wie viele Leute heute Abend in die Schlossberghalle gekommen sind“, sagte Gerhard Graf, der Vorsitzende des Fördervereins Aqualino. „Damit habe ich nicht gerechnet. Das Thema interessiert die Bevölkerung also. Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der heute Abend kam.“

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  • Fakten und Emotionen: Das Thema der Finanzierung des Unterkirnacher Hallenbads Aqualino ist aber kompliziert. So kompliziert, dass vielen der 300 Zuhörer, die am Dienstagabend in die Schlossberghalle zur Sitzung des Gemeinderates kamen, die ausführliche Erklärung von Bürgermeister Braun zu lange war. „Wir wurden von dem Vortrag erschlagen“, war von mehreren Bürgern zu hören. Eigens, um mit dem Vorschlag das Thema Hallenbad einleiten zu können, hatte Andreas Braun sogar die Tagesordnung geändert. Für viele der Anwesenden an diesem Abend sind die Zahlen aber auch nicht das alleinig Ausschlag gebende. Die Gemeinde haben einen sozialen Auftrag für Kinder, die schwimmen lernen sollen, für Senioren und für Vereine, die das Bad regelmäßig nutzen, lautet ihre Sicht der Dinge.
Der Gemeinderat Unterkirnachs verlegt seine Sitzung vom Rathaus in die Schlossberghalle. Es kommen 300 Zuhörer. Bild: Cornelia Putschbach
Der Gemeinderat Unterkirnachs verlegt seine Sitzung vom Rathaus in die Schlossberghalle. Es kommen 300 Zuhörer. | Bild: Cornelia Putschbach
  • Protest: Am Dienstagabend waren die Befürworter eines Weiterbetriebs des Hallenbads in der Schlossberghalle eindeutig in der Überzahl. Durch ihre Präsenz jetzt am Tag der Abstimmung des Gemeinderates über die Zukunft des Bades wollten sie Druck ausüben. Etwa 50 Kinder hatten die Befürworter des Bades mitgebracht. Einige der Kinder hielten Plakate in die Höhe. Darauf war zum Beispiel zu lesen: „Lasst uns nicht im Regen stehen. Wir wollen weiter baden gehen.“ Andere Kinder wiederum hatten sogar Spardosen dabei, die sie dem Bürgermeister zum Ende der Sitzung überreichten. Doch abseits von dieser emotionalen Schiene galt es im Rahmen der Sitzung nach dem Vortrag des Bürgermeisters zahlreiche Fragen und Anregungen aufzunehmen und zu beantworten.
  • Viele Fragen: Über das Netzwerk Facebook waren im Vorfeld in einer Unterkirnacher Gruppe Fragen gesammelt worden. Diese beantwortete der Bürgermeister zunächst und erklärte dabei unter anderem, das Defizit sei über die Jahre gewachsen. Grund sei unter anderem ein Anstieg von Energiekosten. Schwimmkurse und Unterricht für Schüler könnten in umliegenden Bädern oder im Rahmen von Projekttagen stattfinden. Damit sei die Schule einverstanden. Nachbarkommunen seien nicht bereit sich am Defizit zu beteiligen.
Gerhard Graf, der Vorsitzende des Fördervereins Aqualino ergreift zum Ende der Sitzung das Wort. Er sagt die aktive Mitarbeit des Fördervereins bei der Erarbeitung eines Konzepts zu. Viele Zuhörer haben den Saal unmittelbar nach der Abstimmung des Gemeinderates bereits verlassen.
Gerhard Graf, der Vorsitzende des Fördervereins Aqualino ergreift zum Ende der Sitzung das Wort. Er sagt die aktive Mitarbeit des Fördervereins bei der Erarbeitung eines Konzepts zu. Viele Zuhörer haben den Saal unmittelbar nach der Abstimmung des Gemeinderates bereits verlassen. | Bild: Cornelia Putschbach
  • Förderverein bewegt sich: Am Tag vor der Sitzung habe der Förderverein sich jetzt erstmals bereit erklärt, sich durch Sachausgaben am Defizit zu beteiligen, berichtete der Bürgermeister aber auch. In einer Konzeption habe er die mögliche Reduzierung von Personalkosten dargestellt und erstmals auch „eine mögliche Ausrichtung des Fördervereins in Richtung Trägerschaft“ in Aussicht gestellt.
  • Gemeindehaushalt: „Keinem hier fällt die Entscheidung leicht“, leitete schließlich Bürgermeister Andreas Braun die erste Abstimmung des Abends ein. Einstimmig votierte der Gemeinderat dabei dafür, dass der Verlust des Bades in Höhe von ungefähr 200 000 Euro jährlich in diesem Jahr nicht aus dem Gemeindehaushalt zu bestreiten sei. Allerdings wollte das Gremium auch für die vorgesehenen Ausgaben zur Dachsanierung der Sporthalle und der Schlossberghalle mit etwa 430 000 Euro einen Sperrvermerk im Haushalt gesetzt wissen.
Mit Plakaten machen Kinder deutlich, dass sie am Aqualino hängen und gerne weiter hier schwimmen gehen möchten.
Mit Plakaten machen Kinder deutlich, dass sie am Aqualino hängen und gerne weiter hier schwimmen gehen möchten. | Bild: Cornelia Putschbach
  • Gemeindewerke: Mit dieser Entscheidung ging es nun in die zweite Phase der Entscheidungsfindung. Weil das Aqualino nicht von der Gemeinde selbst sondern von den Gemeindewerken Unterkirnach GmbH betrieben wird, galt es nun zum Beschluss des Wirtschaftsplans dieser Gesellschaft zu klären, wie die Gesellschaft den Verlust des Bades abfangen kann. Vorerst kann dies durch Griff in die mit gut 500 000 Euro vorhandenen Rücklagen erfolgen. Allerdings koste der Betrieb des Bades jeden Monat 18 000 Euro rechnete der Bürgermeister vor.
  • Zu wenig Zeit: Die Zeit war für den mittlerweile 140 Mitglieder zählenden Förderverein zu gering, um ein Konzept auf die Beine zu stellen, entgegneten der Verein und mehrere Bürger während der Sitzung. Die Befürworter einer baldigen Schließung kritisierten die Forderung nach mehr Zeit: Nein, man habe das Thema bereits seit Monaten im Gemeinderat diskutiert. Auch in der Presse sei es immer wieder präsent gewesen. Die Bürgerdialoge seien bei weitem nicht auf die jetzige Resonanz gestoßen.
300 Zuhörer, und damit weit mehr als erwartet, sind in die Schlossberghalle gekommen, um die Entscheidung des Gemeinderats zum Forberstand des Hallenbades Aqualino zu verfolgen.
300 Zuhörer, und damit weit mehr als erwartet, sind in die Schlossberghalle gekommen, um die Entscheidung des Gemeinderats zum Forberstand des Hallenbades Aqualino zu verfolgen. | Bild: Cornelia Putschbach
  • Die Entscheidung: Letztlich entschied sich der Gemeinderat aber mit elf zu zwei Stimmen, einer Konzeptgruppe die Zeit zur Erarbeitung von Vorschlägen zu geben. Förderverein, Gemeinderäte und Verwaltung werden bis Anfang Juli die Möglichkeiten zusammentragen. Am 21. Juli ist es dann neuerlich am Gemeinderat zu bewerten, ob die Vorschläge der Konzeptgruppe ausreichen oder ob das Bad doch kurzfristig geschlossen werden soll.