Viel Asphalt, Parkplätze auf alten Brachflächen und daneben das reichlich abgeschabte Bahnhofsgebäude, das auch noch in zwei Farben gestrichen ist – es gibt zweifelsohne attraktivere Stellen in Tuttlingen. „Beim Bahnhof besteht ein großes Potenzial nach oben, wenn es man es freundlich ausdrücken will“, so Oberbürgermeister Michael Beck in einer Pressemitteilung.

Nach jahrelangen Vorarbeiten soll Ende 2022 die Sanierung des Gebäudes starten. Laut Stadt handelt es sich dabei um zwei Projekte: Anfang Mai beschloss der Gemeinderat, das Investorenauswahlverfahren zur Bahnhofsentwicklung mit einem Sieger abzuschließen.

Der Investor soll den denkmalgeschützten Bau sowie die direkt angrenzenden Flächen in Absprache mit der Stadt sanieren und bebauen. Die konkreten Pläne hierfür werden in den kommenden Monaten erarbeitet.

2023 kommt ein provisorischer Busbahnhof

Die Stadt selber wird das Umfeld, vor allem den Bahnhofsvorplatz, gestalten. Und hier sind die Planungen bereits so konkret, dass noch Ende diesen Jahres die ersten Vorarbeiten starten können: Südlich des Bahnhofs – also im Bereich des bisherigen grob geschotterten Parkplatzes – wird ein provisorischer Busbahnhof angelegt. Über ihn wird für voraussichtlich zwei Jahre der Busverkehr abgewickelt werden, während auf dem eigentlichen Vorplatz ein neuer Busbahnhof entsteht. Diese Hauptarbeiten beginnen dann voraussichtlich Mitte 2023.

So soll der Tuttlinger Bahnhof künftig aussehen: Eine geschwungene Dachkonstruktion überspannt Teile des Platzes.
So soll der Tuttlinger Bahnhof künftig aussehen: Eine geschwungene Dachkonstruktion überspannt Teile des Platzes. | Bild: Arge Breinlinger Ingenieure Hoch- und Tiefbau GmbH/BHM Planungsgesellschaft mbH/Schaudt Architekten GmbH

Der von der Arge Breinlinger Ingenieure, BHM Planungsgesellschaft und Schaudt Architekten geplante Busbahnhof wird dann auch das Kernstück der Anlage. Neun Bushaltestellen sollen zu Stoßzeiten für einen optimalen Busbetrieb sorgen. Wichtigste Bushaltestelle wird Haltestelle Nummer 8 werden, welche Einstiegspunkt für die Fahrten in Richtung Innenstadt werden soll.

Sie befindet sich direkt am Eingang zum Bahnhofsgebäude und kann so von den Gleisen aus schnell und komfortabel erreicht werden. Überdacht werden die Bussteige von einer filigranen, w-förmig geschwungenen Konstruktion, die dem Ort ein besonderes Flair gibt.

Parkhaus für Dauerparker und Bahnreisende

Ergänzend zum Busverkehr werden rund um den Platz weitere Anlagen gruppiert, die den Umstieg vom Zug auf die unterschiedlichsten Verkehrsmittel erleichtern. Im inneren Bereich des Vorplatzes werden acht Taxi-Stellplätze angelegt. Am Bahnhofsgebäude entstehen Bike-and-Ride-Parkplätze, eine Fahrradabstellanlage sowie eine Bike-Sharing-Station.

Für Dauerparker und Bahnreisende, die ihr Auto über längere Zeit am Bahnhof abstellen wollen, wird durch den Investor ein neues Parkhaus gebaut. Es entsteht auf dem früheren Güterbahnhofs-Gelände, auf dem derzeit noch der Aesculap-Firmenparkplatz ist.

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Der eigentliche Bahnhofsvorplatz wird für den Individualverkehr weitgehend gesperrt. Der Grund: Das derzeitige Nebeneinander von Fußgängern, Bus-, Rad- und Individualverkehr ist oft unübersichtlich, was für Risiken sorgt. Dies soll künftig getrennt werden.

Wer Fahrgäste mit dem Auto zum Bahnhof bringen will, findet künftig in der Eisenbahnstraße Kiss-&-Ride-Stellplätze. Dort gibt es dann auch Behindertenstellplätze sowie Lademöglichkeiten für E-Autos. An der Einfahrt zur Eisenbahnstraße soll außerdem ein Car-Sharing-Punkt eingerichtet werden.

Land fördert Projekt zu 90 Prozent

Alles in allem kostet das Projekt zehn Millionen Euro. Allerdings schießt das Land Baden-Württemberg für den Platzumbau selber 90 Prozent der förderfähigen Kosten zu, was etwa 2,5 Millionen Euro entspricht.

Außerdem soll eine Idee aus der Landesgartenschau-Bewerbung 2017 umgesetzt werden. Ein Durchbruch von der Bahnhofsunterführung soll eine direkte Verbindung zur Donau schaffen – und so Bahnhof, Koppenland und Donauradweg besser miteinander verbinden.

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Dieses Ziel ist jetzt in greifbare Nähe gerückt: Die Bahn, mit der die Planung eng abgestimmt werden musste, hat endgültig ihre Zustimmung erteilt, und das Land fördert den knapp eine Million Euro teuren Durchbruch mit einem Zuschuss von 90 Prozent der förderfähigen Kosten, was etwa 780.000 Euro entspricht. Voraussichtlich bereits im Frühjahr 2023 kann gebaut werden.