Oft schon war der Rote Löwen in St. Georgen ein Zankapfel. Die einen nennen ihn ein Millionengrab, andere finden sinnvoll, dass ein historisches Gebäude in ein Schmuckstück verwandelt werden soll. Denn das ist in St. Georgens Beton-Innenstadt in den vergangenen Jahrzehnten schließlich nicht oft passiert.

Bürgermeister fordert Sachlichkeit

Dieses Mal ging es in der Diskussion des Gemeinderates aber nicht ums große Ganze, sondern um ein Detail. Genauer gesagt um einen Teppichboden, der die wohl emotionalste Rats-Debatte des Jahres auslöste. Und diese dauerte – fast anderthalb Stunden.

Die Holzbalken unter dem Dach, hier sind sie auch von außen zu sehen, sollen im Inneren für eine markante Atmosphäre sorgen.
Die Holzbalken unter dem Dach, hier sind sie auch von außen zu sehen, sollen im Inneren für eine markante Atmosphäre sorgen. | Bild: Ganter, Patrick

Sie ging so weit, dass der Bürgermeister zur Sachlichkeit auffordern musste. „Wir sollten wieder auf ein Maß kommen, wo wir ganz normal miteinander diskutieren können“, sagte Michael Rieger in der Sitzung am Mittwoch.

Denkbar knappe Abstimmung

In Aufregung versetzte das Gremium die Frage, ob der besagte Teppichboden den geplanten Holzboden im großen Saal unter dem Dach ersetzen soll. Dort sollen künftig Vorträge, Konzerte und weitere Veranstaltungen stattfinden. Kurzum: Es wird die gute Stube der Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Und der Teppichboden, übrigens ein weinroter, wird es werden. Elf von 21 Mitglieder des Gemeinderates haben dafür gestimmt – denkbar knapp.

Dafür oder dagegen?

Vorangegangen war ein Schlagabtausch zwischen den Teppich-Befürwortern und denen, die eher für einen Holzdielen-Boden waren.

Für den Teppich war beispielsweise Beate Rodgers (CDU): „Ich finde rot passt zum Roten Löwen. Das ist eine festliche Farbe und ein festlicher Saal. Den Aspekt vom Schallschutz finde ich auch wichtig.“

Unten links ist ein Bürgercafé geplant. Direkt an den großen Fenstern sind Sitzbänke geplant.
Unten links ist ein Bürgercafé geplant. Direkt an den großen Fenstern sind Sitzbänke geplant. | Bild: Ganter, Patrick

Dagegen war Hedwig König (Freie Wähler), die vor allem Argumente aus ihrer Zeit als Rektorin der Realschule heranzog. Denn dort gibt es nahezu ausschließlich Teppichböden. Sie sprach über die Hygiene dieser Böden, nannte klebende Kaugummis als Beispiel, die kaum mehr wegzubekommen sind. „Das würde für mich gegen einen Teppichboden sprechen“, sagte sie.

Axel Heinzmann (Grüne) sah die Stadt mit der Entscheidung für den Teppich gar auf dem Weg „back to the 80´s“ (“zurück in die 80er“).

Was kostet das eigentlich?

Für große Verwirrung sorgte eine Frage von Dirk Schmider (Grüne). Er wollte wissen, wie groß denn der Preisunterschied zwischen Holz und Teppich ist. Bislang war die Kalkulation nämlich von Holz ausgegangen, was deutlich teurer ist.

Die Antwort? Offenbar gar nicht so leicht. Es vergingen einige Minuten. „Da muss man ja Mathematik-Professor sein“, kommentierte Peter Fichter (SPD) die währende Suche nach der Lösung. Und die war: Der Teppich kostet rund 38.000 Euro weniger. Bei etwa 84.000 Euro hätte der Dielenboden gelegen.

Das Möbelkonzept für den Roten Löwen, um das es nach Sitzungsvorlage eigentlich hauptsächlich hätte gehen sollen, überzeugte den Gemeinderat. Es kommt von der Firma Smow aus Villingen und kostet rund 156.000 Euro für das gesamte Gebäude. Hinzu kommen rund 77.000 Euro für die Küchen.