Wir werden wohl keine Freunde mehr – das Turnen und ich. Das mit uns ging schon im Grundschulalter nicht gut. Als meine Mutter mich für sämtliche Turnkurse anmeldete. Weil Turnen ja Kraft und Koordination fördere.

Kleine Ungeschicklichkeiten

Aber ich blieb unbeweglich und unkoordiniert. Und dann in der Schule? Turnen, Fußball, ein bisschen Leichtathletik – ich habe es gehasst. Und mich manchmal wirklich ungeschickt angestellt.

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Bälle flogen bei mir grundsätzlich nicht weit genug. Speere rutschten mir beim Werfen schon mal aus der Hand – und einer traf auch mal meinen Lehrer. Und beim Turnen? Fühlte ich mich immer noch unbeweglich. Und unkoordiniert. Einzig: Reiten und Schwimmen lagen mir.

Meine Schulzeit ist ziemlich genau zehn Jahre her. Seitdem habe ich nicht mehr geturnt. Zeit also für einen neuen Versuch. Denn: Diesen Sommer habe ich mir in St. Georgen einen sportlichen Selbsttest auf die Fahne geschrieben.

„Mit der Truppe macht das einfach Spaß“

Immerhin: Hat St. Georgen eine rege sportliche Vereinslandschaft. Meine erste Station: Die Turnabteilung des Turnvereins 1863 St. Georgen. Oder genauer: Das Fitnesstraining bei Yvonne Walter.

Nach zehn Jahren ohne turnen, wage ich beim TV St. Georgen wieder einen Versuch. Hier noch vor der Trainingsstunde.
Nach zehn Jahren ohne turnen, wage ich beim TV St. Georgen wieder einen Versuch. Hier noch vor der Trainingsstunde. | Bild: Daniela Biehl

„Mit dieser Gruppe macht das einfach Spaß. Wir lachen so viel“, sagt Walter. Und ich denke: Lachen? Dann kann es ja gar nicht so schlimm werden. Und die Gruppe: Das sind an diesem Abend acht Fitnessbegeisterte in der Vereinshalle des TV St. Georgen. Alle gut trainiert. Mit Muskeln an Stellen, da habe ich nicht einmal Stellen. Ich fühle mich trotzdem als eine von ihnen.

Zwischen Kapitulation und Ehrgeiz

Unsere erste Übung: Zum Takt von Rihannas „Umbrella“ – und nein, nicht der normalen, durchaus langsamen Version dieses Songs, sondern einer gefühlt um hundertfach schnelleren – sollen wir abwechselnd ein Bein nach hinten strecken, während eins vorne am Boden angewinkelt bleibt.

Ein Kinderspiel? Nicht ganz: Gewichte kommen auch noch dazu. Ich habe schon das Leichtgewicht zwei statt wie meine Mitstreiterinnen vier Kilo. Doch meine Schmerzgrenze ist – offenbar – schnell erreicht. Ich kapituliere nach zwei Minuten. Zumindest ganz kurz.

Ich erkenne: Turnen und ich werden wohl keine Freunde mehr.
Ich erkenne: Turnen und ich werden wohl keine Freunde mehr. | Bild: Yvonne Walter

Bis ich in all die ehrgeizig trainierenden Gesichter schaue. Und mich der Beat von Rihannas „Umbrella“ wieder packt.

Einmal die Woche trainiert Walter die Gruppe, erstellt die sportlichen Choreographien jeweils neu. Schließlich: Soll sich niemand langweilen. Viele trainieren zusätzlich noch in anderen Kursen des TV Georgen oder geben selbst welche. Wie Tanja Palmer, die nebenbei das Kinderturnen unterrichtet. Und schon seit Anfang an dabei ist.

Meine Mitstreiterin bei einer Koordinationsübung.
Meine Mitstreiterin bei einer Koordinationsübung. | Bild: Daniela Biehl

Das heißt: Seit 30 Jahren, sagt Palmer. Was sie liebt? „Das Gruppenfeeling.“ Denn: Das animiere zum Sport. Denn: So entstehen Freundschaften. „Hier ist es einfach schön. Wir trainieren ja nicht nur zusammen. Wir machen auch Ausflüge.“

Meine Mitstreiterin bei einer Fitnessübung.
Meine Mitstreiterin bei einer Fitnessübung. | Bild: Daniela Biehl

Und: „Männer werden dringend gesucht“, sagt Palmer. Obwohl an diesem Abend nur Frauen trainieren, ist die Fitnessstunde – mittwochs von 19 bis 20 Uhr – offen für alle.

Video: Daniela Biehl

In der Vereinshalle fängt Walter nun an, kleine, aber durchaus anspruchsvolle Choreografien aus Arm- und Beinkoordinationen vorzutanzen. Zu diesem Teil kam es bei mir zwar nicht: Wie sollte ich auch mittanzen, wo ich schon bei den Aufwärmübungen fast kapitulierte?

Aber: Eins muss ich meinen Mitstreiterinnen lassen. Ihren sportlichen Ehrgeiz – und als Außenstehende sehen die Koordinationsübungen auch wirklich toll, auch wirklich nach Spaß aus. Ganz ehrlich: Liebe Turnerinnen, ich bewundere euch!

Über die Serie

Ob Fußball, Leichtathletik und Turnen, Golfen, Fechten oder Bogenschießen: Die Liste der Sportangebote in und um St. Georgen ist lang. Grund für mich – als gelegentlicher Sportmuffel – mich einmal aufzuraffen und das rege Vereinsangebot zu testen. Denn ich will wissen: Was fasziniert andere daran? Treiben Sie einen Sport, den ich einmal ausprobieren soll? Dann schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an daniela.biehl@suedkurier.de.

Weitere Folgen:

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