Am Anfang der Corona-Pandemie waren sie unser aller Helden – Pflegekräfte. Auf Balkonen wurde für sie geklatscht oder Musik gemacht. Doch was ist von der anfänglichen Anerkennung geblieben und wie haben Pflegekräfte die hinter sich liegende Corona-Zeit erlebt?

Ein Jahr wie kein anderes zuvor

Seit fast sechs Jahren ist Sabrina Fazio in der Altenpflege tätig. Ein Jahr wie dieses hat sie noch nie erlebt. Auch wenn sich im Altenpflegeheim Lorenzhaus in St. Georgen, in dem sie arbeitet, wieder etwas Normalität einstellt, ist immer noch nicht alles so, wie es vor Corona war. Immer noch wird bei Besuchern Fieber gemessen, immer noch müssen die Mitarbeiter bei der Arbeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Anfängliches Chaos

So chaotisch, wie am Anfang der Krise sei es aber inzwischen nicht mehr, sagt Fazio. Denn damals hätten die Bewohner in ihren Zimmern bleiben müssen, Wäscherei und Küche durften die einzelnen Stationen nicht mehr betreten. Angehörige konnten nicht zu Besuch kommen. Für die Pflegekräfte war das ein großer Zuwachs an Arbeit: „Wir mussten das Essen einzeln in die Zimmer geben, oft kam dann die neue Wäsche von unten und gleichzeitig klingelte das Telefon, weil Angehörige anriefen“, erinnert sich die 23-Jährige.

Bewohner wochenlang in ihren Zimmern

Doch das Schlimmste sei für die Pflegekraft nicht gewesen, dass mit der veränderten Lage viel Stress einherging, sondern eher die Situation der Bewohner. Denn sie waren mehrere Wochen lang in ihren Zimmern eingesperrt und durften keinen Besuch empfangen. Auch Veranstaltungen, die sonst das Haus beleben, waren komplett abgesagt.

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„Die größte Herausforderung in der Zeit war es für mich, auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen.“ Denn: „Man hat schon gemerkt, dass mehr Redebedarf da war als sonst“, führt Fazio an. Und obwohl sehr viele Aufgaben angestanden hätten, habe sie sich die Zeit genommen, auch einmal einen Plausch mit Bewohnern zu führen.

Immer noch keine Normalität

Inzwischen hat sich das anfängliche Chaos gelegt. Die Bewohner dürfen ihre Zimmer verlassen, gegessen wird wieder gemeinsam und unter Auflagen darf auch der Besuch wieder ins Heim. Gerade das gemeinsame Essen findet die Pflegerin für die Bewohner wichtig: „Jetzt können sie sich wenigstens wieder miteinander unterhalten“, sagt sie.

Maskenpflicht wird zur Herausforderung

Viele Zusatzaufgaben fielen durch die Lockerungen weg. Was bleibt, ist die Maskenpflicht. Die sei schlimm, auch wenn sich die Pflegekraft inzwischen daran gewöhnt habe. Nicht nur, weil die Brille ständig beschlägt, sondern auch, weil die Bewohner dadurch Verständigungsprobleme bekämen. „Viele ältere Menschen hören nicht mehr besonders gut. Sie helfen sich dann oft mit Lippenlesen“, sagt Fazio. Das geht aber mit der Maske nicht. Deshalb hofft sie, dass die Maskenpflicht bald ein Ende hat.

Mehr Wertschätzung für den Beruf

Dennoch sieht die 23-Jährige auch etwas Positives an der Corona-Krise. Denn dadurch sei die Wertschätzung für ihren Beruf gestiegen. Auch wenn die anfängliche Anerkennungswelle inzwischen wieder abgeebbt sei. Aber sie merke schon, dass jetzt mehr Respekt da sei. Die vom Staat versprochene Prämie in Höhe von bis zu 1500 Euro stehe zwar noch aus, aber Fazio soll sie bald bekommen.

Doch sie sagt: „Ich weiß nicht, ob ein höherer Lohn den Beruf attraktiver machen wird.“ Viel mehr müsse sich das System grundlegend ändern, findet sie. Denn Personalmangel in den Einrichtungen sei ein Problem, das behoben werden müsse. Trotzdem würde sie den Beruf wieder ergreifen, wenn sie die Wahl hätte. Denn älteren Menschen den Respekt entgegenzubringen, den sie verdient haben und auf ihre Bedürfnisse eingehen, sei das, was die Pflegerin an diesem Beruf liebe.

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