Inzwischen ist jedoch klar: Ab dem 31. August gelten wieder die üblichen Preise des öffentlichen Nahverkehrs. Dabei haben die Verkehrsunternehmen teils immense Verluste aufgehäuft.

Im Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar (VSB) „haben diese drei Monate nach letzten Hochrechnungen einen Einnahmenschaden von 1,5 Millionen Euro verursacht, das sind fast 20 Prozent der gesamten Ticketeinnahmen eines Jahres “, bilanziert Stefan Preuss, Geschäftsführer der VSB. Das Geld werde in Kürze zwar über einen Rettungsschirm des Bundes ausgeglichen, aber genau dies sei auf Dauer finanziell nicht möglich.

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„Bundesweit geht man sogar von einem Einnahmenschaden von rund 2,5 Milliarden Euro für diese Spontanaktion aus. Das sind Gelder, die die Steuerzahler aufbringen müssen und die sinnvoller in das dauerhafte Fahrplanangebot gesteckt worden wären.“ Auch ein nachhaltiger Effekt konnte Preuss zufolge nicht festgestellt werden.

Erhebliche personelle Belastung

Außerdem sei besonders die Vorbereitung auf den Ticketverkauf sehr umfangreich gewesen. Innerhalb weniger Tage musste das Neun-Euro-Tickets bereits in alle Vertriebskanäle aufgenommen werden, darunter Kunden-Center, Busdrucker, Fahrkartenautomaten sowie Digitalverkauf.

VSB-Geschäftsführer Stefan Preuss glaubt nicht, dass die Ziele des Neun-Euro-Tickets erreicht wurden.
VSB-Geschäftsführer Stefan Preuss glaubt nicht, dass die Ziele des Neun-Euro-Tickets erreicht wurden. | Bild: Daniela Biehl

„Da die VSB-Abonnenten natürlich nicht schlechter gestellt werden sollten, und alle Abos daher nur mit neun Euro abgebucht werden in den Monaten Juni, Juli und August, musste die Abonnentensoftware und alle dahinterliegenden Verarbeitungsprozesse umprogrammiert werden. Die personelle Belastung zur Umsetzung, auch im Vorverkauf, war erheblich“, sagt Preuss.

„Unserer langjährigen Beobachtung nach überzeugen Bus und Bahn dauerhaft nur durch gute Fahrplanangebote und moderne Fahrzeuge. Dann ist es auch in Ordnung, wenn man preiswürdige Fahrkarten dafür anbietet.“

Ökologische Verkehrswende nicht erreicht

Im freien Verkauf, worunter sowohl Kunden-Center, als auch Automaten und Busse fallen, seien Preuss zufolge bereits im Vorverkauf im Mai rund 1.700 der reduzierten Monatskarten und im ersten Gültigkeitsmonat, dem Juni, rund 7.000 Stück verkauft worden.

„Das ist eine relativ verhaltene Nachfrage, allerdings ist das Ergebnis massiv verfälscht: Die Deutsche Bahn AG kann ihre Automatenstückzahlen bei Neun-Euro-Tickets, da diese über den sogenannten Deutschlandtarif verkauft wurden, nicht auf den Schwarzwald-Baar-Kreis oder andere Teilgebiete herunterbrechen und hier dürften im freien Verkauf die höchsten Stückzahlen abgesetzt worden sein.“

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Der allgemeinen Beobachtung nach seien die Tickets laut Preuss hauptsächlich für ohnehin geplante Fahrten, wie Ersatz für Einzel- Tages- Wochen- und Monatskarten, genutzt worden. Zudem sei ein leichtes Plus von Fahrgästen an den Wochenenden, also im Freizeitbereich, zu verzeichnen. „Eine ökologische Verkehrswende wurde jedoch nicht erreicht.“

Wie es mit dem Monatstarif nun weiter geht, sei nach Angaben eines Sprechers der deutschen Bahn noch nicht endgültig geklärt. „Die Branche des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wird weiter mit der Politik das Gespräch suchen. Am Ende geht es darum, die finanzielle Unterstützung für den weiteren Ausbau des ÖPNV und seine wichtige Rolle für den Klimaschutz sicher zu stellen“.

Adrian Petrolli betont, dass zu Beginn das Neun-Euro-Ticket sehr beliebt gewesen sei.
Adrian Petrolli betont, dass zu Beginn das Neun-Euro-Ticket sehr beliebt gewesen sei. | Bild: Petrolli, Adrian

So sieht es ein Busunternehmer

„Seit Juni haben wir ausschließlich Neun-Euro-Tickets verkauft“, sagt Adrian Petrolli, Assistenz der Geschäftsführung bei Petrolli-Reisen in Niedereschach. Besonders in der Anfangsphase des Neun-Euro-Tickets sei dieses sehr beliebt gewesen. Den Grund darin sieht Petrolli insbesondere im Beginn der Schulferien. Doch das dauerte nicht an. „Wegen der Urlaubszeit wurden bei uns im August deutlich weniger Neun-Euro-Tickets als im Juni und Juli verkauft“, berichtet Petrolli.