In Deutschland leben aktuellen Erhebungen zufolge rund vier Millionen suchtkranke Menschen. Dabei steht die Alkoholabhängigkeit immer noch an erster Stelle. Doch auch drogen- und stoffungebundene Abhängigkeiten wie die Glücksspielsucht sind weit verbreitet. Doch nur zehn bis 15 Prozent der Suchtkranken finden ihren Weg in eine Beratungsstelle. Für Betroffene und Angehörige ist es jedoch wichtig, dass sie Unterstützung bekommen. Diese erhalten sie in der Region bei der Fachstelle Sucht in Villingen, 766 Menschen haben allein im vergangenen Jahr hier Hilfe gesucht.

Risiken früh vermitteln

Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem auf der Suchtprävention. „Es ist wichtig, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen frühzeitig die Gefahren und Risiken zu vermitteln und sie für das Thema Sucht zu sensibilisieren“, erläutert Sozialpädagogin Pia Wenzler, die in der Fachstelle Sucht für die Präventionsarbeit im Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig ist.

76 Schulveranstaltungen

Im vergangenen Jahr war sie bei insgesamt 76 Veranstaltungen an Schulen unterwegs, um sich gemeinsam mit den Schülern und Auszubildenden aller Klassenstufen mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen und die Einrichtung als Anlaufstelle bekannt zu machen. Ein zentraler Bereich ist auch die migrationssensible Suchtprävention. „Die kulturellen Unterschiede weisen oftmals einen anderen Umgang mit dem Thema Alkohol auf“, so Wenzler. Als Teil der Präventionsarbeit finden auch sogenannte Multiplikatoren-Schulungen mit Lehrenden oder Sozialarbeitern an Schulen statt.

Zwei Kindergruppen

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Arbeit mit Kindern sucht- und psychischer Kranker Eltern, denn zwei Drittel aller Kinder von Suchtkranken werden im Laufe ihres Lebens ebenfalls süchtig. Die Mitarbeiter der Fachstelle Sucht begleiten zwei Kindergruppen in Kooperation mit dem Caritasverband. Das Ziel der Betreuung sei laut Inge Häßler, die neben der Leitung für die Jugendberatung und Elternarbeit zuständig ist, dass die betroffenen Kinder in Zukunft ein gesundes Leben führen können. Zudem soll ein frühzeitiges Vertrauen zu den Mitarbeitern als Ansprechpartner und der Fachstelle aufgebaut werden.

Therapie ambulant und stationär

Im vergangenen Jahr gab es 51 Betreuungen mehr als im Vorjahr und 107 Vermittlungen in eine stationäre Einrichtung und damit 21 mehr als im Vorjahr. Bei der stationären Therapie werden die Betroffenen an Rehakliniken vermittelt, wo sie nach Beendigung der Therapie zur Nachbehandlung in die Fachstelle Sucht zurückkehren.

Austausch mit Gleichgesinnten

Die ambulante Therapie bietet vor allem Berufstätigen die Möglichkeit, ihren Job weiterhin auszuüben. Diese Personen kommen zwei- bis dreimal die Woche zur Einzel- oder Gruppentherapie. Neben der stationären und ambulanten Therapie bieten außerdem die Selbsthilfegruppen Betroffenen einen Ort, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Gruppen werden von Mitarbeitern betreut, die selbst betroffen und speziell ausgebildet sind.

Ambulantes Betreutes Wohnen

Als ambulantes Hilfsangebot ermöglicht das Ambulante Betreute Wohnen (ABW) Betroffenen ein Leben in ihrem eigenen Wohnraum, wo sie von Mitarbeitern im häuslichen Bereich zum Beispiel im Haushalt, bei finanziellen Angelegenheiten und im familiären Alltag unterstützt werden. „Ziel ist es, den Betroffenen ein gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, eine Verwahrlosung zu verhindern und ihren ein Leben in ihrem eigenen Zuhause zu ermöglichen“, sagt Anja Stumpf, Mitarbeiterin des ABW.

Das könnte Sie auch interessieren